VIII
VORREDE
nächst für drei Zuhörer, dann für zwei, zuletzt für mich allein,ein Kolleg über Geschichte der Chemie las, — mit stets unver-minderter Begeisterung und wahrhaft hinreißendem Schwünge —,hat mich das Interesse an der historischen Seite der Forschungdauernd festgehalten; es führte mich zunächst, im Umkreisemeines engeren Berufes, zur Abfassung der „Geschichte desZuckers" (die nach vieljährigen Vorarbeiten 1890 erschien),sodann, im Anschlüsse an das unermeßliche Material, mit demich bei diesem Anlasse bekannt wurde, zur Vertiefung in ge-schichtliche Probleme allgemeineren Inhaltes.
Das in jugendlichem Überschwange angestrebte Ziel, vonEtwas Alles und von Allem Etwas zu wissen, habe ich, — auchin ersterer Hinsicht, d. h. in bezug auf mein eigentliches Fach —,freilich längst als unerreichbar erkannt; dennoch halte ich meinBemühen, dem die vorliegenden Vorträge und Aufsätze alsbescheidene Früchte entsprossen, für kein ganz vergebliches:als eine zweifellos notwendige Durchgangsstufe der Ent-wicklung hat sich nämlich heutzutage die vielbeklagte völligeZersplitterung des Wissens herausgebildet, und mit ihr das Un-vermögen einer großen Anzahl von Forschern auch nur dasFeld ihrer eigenen Wissenschaften ausreichend zu überblicken,geschweige denn jenes der benachbarten und fernerstehenden,oder gar das des historischen Werdeganges. Infolgedessenist aber, wer auf mehreren dieser Gebiete auch nur einige,naturgemäß begrenzte Kenntnisse besitzt, doch schon zumanchen Leistungen befähigt, die vielen der größten, abereinseitig vorgebildeten Fachgelehrten zurzeit versagt bleiben.Daß solche Leistungen nur relativen Wertes sind, bin ich