Druckschrift 
Francisci Philippi Florini ... Oeconomus prudens et legalis oder allgemeiner, klug- und rechts-verständiger Haus-Vatter : bestehend in 9 Büchern
Entstehung
Seite
646
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

iz'

1!

ßz

M

WD

äÄt

'

Ä

' R "

ÄM'

'! ^ '

Des klugen und Rechts - verständigen Haus VatterS

Das I. Kapitel.

Bon dem Garten-Lebm; undvenm Gärten insgemein.

; >

Jnnhalt.

Das Garten > Leben ist das steligste / vornrmlich wann' manbesten Ursprung betrachtet. §.2. Ist dieses Leben das lustig»stc. H.Z. Das nützlichste und vortheilhaffttgste. H.4. Undendliä, ist es das gesundeste, h. 5. Weßwegen es auch vielLiebhaber übc'tommen / und dessen Wissenschafft noch heutzu Tag in grossen Ansehen ist«

§. 1.

Elcker Gestalten das

Garten-Leben nicht al-lein das fee/tgste / son-dern auch das lustigste/vorcheilhaffttgst- undgesündeste L.eben feye/solches haben schon vorlänasten viel gelehrteManer in ihren Schriff-ten erkennet/und darge-than. Und gewißlich/wann man dieser Sachetwas reiffer nachdenket/und dieselbige wohl auf die Probstellet/ lasset sich solches unsers wenigen Ermessens garnicht ungereimt nachsagen / insonderheit / wann man die-ses Lebens Ursprung und Anfang betrachtet / welcher vondem Allerhöchsten und Allgütigen GOtt/ dem Schöpffeeund Erhalter aller Dinge herrühret / als der den erstenMenschen in dem allerschönsten und edelsten Garten desParadieses erschaffen/ darinnen er aller Seeligen Lust/ohne Untermischung einiger Traurigkeit hatte gemessenkönnen / wofern nicht der traurige Sünden-Fall solchesleyder! verhindert / und den Menschen in einen so mühsee-ligen Stand nachgehends gesetzet hatte: Welcher Standje dannoch/auch nach demSünden Fall/deswegen für see-lig zupressen: weil derselbigevielfaltig Anlaß gibt/ denAllgütigen Schöpfer zu loben und zu dancken / so offtnemlich die gegenwartige Blumen / Kräuter und Baumin das Ansehen genommen und betrachtetwerden.

§. 2. Nächst diesem kan das Garten-Leben auch dasA.ustigste genennet werden; angesehen es alles / was nurAthem schöpffet/im Frühling und Sommer/ja wokl auchaufaewisse Maß imHerbst mit aller ersinnlichen Anmuthund Annehmlichkeit erquicket und ergötzet,' dann da siehetman fürs erste das dürre Gras und Erdreich in grünesGewächs verändem/alleS erstorbene wieder lebendig wer-

den/ allerley Sproßlein und Blümlein aus der finsternErden - Schos wieder an den Tag komnnn / und mit ih-rem lieblichen Geruch und anmurhigen Farben/Nasenund Augen erquicken. Diesen folgen so dann die woht-schmettcndeSommer-Früch1t<deren erfrischender Ge-schmack des Anschauers Zunge zur.Prüfung reihet; kuchdaraufsichet man die Baume mit Herbst und^Z.nrer-Obst beladen / welche neben denen Erd-Früchten / denVorrath/ gegen den unfruchtbaren Winter/in oie Küchebringen. Daß also die Garren-Arbeit nicht eine Wür-kung des Göttlichen Fluchs / sondern eine Lust- Übungund Nachahmung der Göttlichen Natur / ein Spiegeldes künftigen Paradieses/ eine Erquickung der abgemat-teten Geister/ und ein Lust- Arbeit der menschlichen Be-gierden wohl mag genennet werden.

§. z. Nicht allein aber ist dieses Leben das stellstund lustigste / sondern es mag auch wohl noch ferner mitgutem Fug das nützlichst« und vortheilhaffttgste be-titelt werden: in vernünftiger Erwegung/daß die Gär-ten jährlich ihre Frücht/ und wohl öfters als einmal ge-ben; da im Gegentheil die Felder meistentheils nur zweyJahr nacheinander / und jedes nur einmal trächtig,' dasdritte Jahr aber in der Brach ausruhen/und dadurchihre erschöpfte und abgemattete Kraft wiederum erqui-ken müssen; An/etzo nicht zugedencken / daß fast alles/was zur Unterhaltung des Menschen nöthig / von Feld-Obst- und Küchen-Garten/und noch darzu viel frischerund wohlfeiler als in denen Städten erhoben werden/diejenige / so sich davon hinbringen / sich mit geringen Ko«sten ernehren / und nächst diesen auch ihr Gesind erhaltenkönnen. Ja was noch mehr / so kan ein fruchtbarer Gar-ten/ nach der Alten Ausipruch / wohl das gantze Jahrüber eine Quelle genennet werden / daraus man Geldschopffen und gemessen kan/ absonderlich wann die Gär-ten nahe bey denen grossen Städten liegen / allwo derÜberfluß / welchen man im Haushalten nicht brauchet/auf denen gewöhnlichen Wochen-Marckten mit gutemNutzen verkaufet werden / oder/so dasselbige nicht füg-lich seyn mag / das Obst zu Haus gedörret / und zum Nu-zen des Hauswesens verwendet werden kan.

/-4. Endlich kan auch dieses Leben das aesvndeskegenennet werden / anqemercket die frische Lufft/ welcheman in denen Garten schöpfet / und die mit keinem bösenDampfoder Gestanck / der zum öfftern in denen Häusernanzutreffen/vermenget ist/ der Gesundheit sehr wobl an-stehet/