Bestandteile. A. B. Durand erhielt 1851 aus der Wurzel: ätherisches Oel, Eiweiss,Stärkemehl, Zucker, Gummi, Fett, Harz, einen gelben krystallinischen Farbstoff, welcher von Mahlaals Berberin erkannt worden ist und ein weisses Alkaloid (Hydrastin). A. H. Haie und Lerchenfanden noch ein drittes Alkaloid ( Xanthopuccin ). Lerchen erhielt 10% Asche und eine Säure, diemit Ferrichlorid einen grünen Niederschlag giebt, sich aber indifferent verhält gegen Chinaalkaloideund Leimlösung, demnach nicht als Gerbsäure zu betrachten ist.
Hydrastin (C 22 H 24 N0 6 nach Mahla, C 22 H 28 N0 6 nach Kraut) 1854 von Durand beobachtet,1862 von Perrins näher untersucht, bildet nach Mahla weisse, glänzende, beim Trocknen durch-sichtig werdende, vierseitige Prismen des rhombischen Systems, die bei 135° schmelzen, alkalisch reagirenund keinen Geschmack haben, in Lösungen aber bitter schmecken. Sie sind kaum löslich in Wasser,leicht in Weingeist, Aether, Chloroform und Benzol. Die einfachen Salze sind im grossen Ganzen nichtkrystallisirbar, leicht löslich, sehr bitter schmeckend. In höheren Temperaturen zersetzt sich dasHydrastin unter Entwickelung eines Carbolgeruches. Kochende Kalilauge äussert keine Wirkung;concentrirte Schwefelsäure löst mit gelber Farbe, welche beim Erwärmen roth, durch chlorsaures Kalibraun wird; concentrirte Salpetersäure löst roth. Lösungen der Hydrastinsalze werden durch Platin-chlorid gelbroth, durch Goldchlorid rothgelb, durch Jodkalium, gelbes Blutlaugensalz, Ammoniak undAlkalien weiss, durch chlorsaures Kali gelb, durch Jod-Jodkalium braun gefällt. Nach Perrinserhält man aus der getrockneten Wurzel 172% Hydrastin.
Xanthopuccin , nach Abscheidung von Hydrastin aus der Mutterlauge durch Ammoniak gefälltund aus Alkohol umkrystallisirt, bildet in heissem Alkohol lösliche, in Aether und Chloroform un-lösliche, orangegelbe Krystalle. (Husemann, Pflanzenstoffe 607).
Anwendung. Die Wurzel in Nordamerika gegen Wechselfieber und von jeher als eintonisches, antiperiodisches und antiphlogistisches Mittel geschätzt, wird im Aufguss, als Tinktur und alsExtrakt bei Magen-, Leber-, Nierenleiden, bei Typhus, Intermittens, Schwäche, Krebs, Pocken, überhauptHautleiden jeder Art innerlich und äusserlich verwendet. Husemann sagt auf Seite 608 seinerPflanzenstoffe: „Das Hydrastin soll ein tonisches Antiperiodicum sein, das wie Chinin in grossen Dosenleicht Ohrensausen veranlasse und den Puls herabsetze, dagegen nie Störungen im Magen und Darme,nur angenehmes Wärmegefühl im Epigastrum bedinge, und das man innerlich zu 0.12, aber auch bis0.6 in Amerika gegen typhöse Fieber mit colliquativen Schweissen und Neigung zu Diarrhoen oderSepsis, gegen Intermittens, Sonnenstich und chronische Dyspepsie, sowie in Salbe (1.2 auf 8.0 Fett) oderLösung (1:50) bei Ulcerationen der Scheide, des Mutterhalses, Hämorrhoiden, Hautkrankheiten, Aphthen,Stomacace, Ptyalismus und Ophthalmien erfolgreich gegeben haben will." Husemann warnt vorVerwechselung mit dem gleichfalls Hydrastin genannten, rein bitteren Harze, welches abführend wirkensoll und als Amarum purum oder bei habitueller Obstipation alter Leute Verwendung findet.
Litteratur. Abbildung und Beschreibung: Bentley and Trimen, Med. pl., Taf. 1; Bot.Mag., Taf. 3019; Luerssen, Handb. der syst. Bot. 592; Karsten, Deutsche Flora 558; Wittstein,Pharm. 266.
Drogen und Präparate: Radix Hydrastis : Die Droge ist in die neueste, im Erscheinen be-griffene Ph. germ. aufgenommen worden. Ph. U. St. 181.
Extradum Hydrastis fluidum : Ph. U. St. 125.
Tinctura Hydrastis : Ph. U. St. 346.
Siehe auch Hager, Pharm. Prx. III., 552.
T afelbesehreibung":
A blühende und fruchtende Pflanze in natürl. Grösse; 1 Blüthe ohne Kelchblätter, vergrössert; 2 u. 3 Kelch-blätter von verschiedenen Seiten, desgl.; 4 Staubgefässe, desgl.; 5 u. 6 Carpelle nach der Darstellung in Bot. Mag.und in Bentley, desgl.; 7 Fruchtknoten im Längsschnitt, desgl.; 8 Fruchtköpfchen, etwas vergrössert; 9 dasselbe imQuerschnitt, desgl.; 10 ein Fruchtfach, desgl.