Weingeist wenig gelöst, von Schwefelsäure hellgelb, von Eisensalzen dunkelblau gefärbt. ZahlreicheZellen enthalten ätherisches Oel; Markstrahlen und Baststränge Krystallnadeln von Calciumoxalat.Einzelne monoklinische Prismen erscheinen in Zellen der Aussenrinde. Kleine Stärkekörner, welchesogar in den inneren Schichten des Korkes auftreten, bilden den Hauptinhalt des gesammten Gewebes.
Blüthezeit: März und April.
Vorkommen. Auf den Bahamainseln, nach Bentley auch auf Cuba.
Name und Geschichtliches. Cascarilla ist das Verkleinerungswort des spanischen cascaraBinde; Croton von "/.qotiov Holzbock, Hundelaus, wegen der Aehnlichkeit des Samens mit diesemInsekte (siehe Ricinus)- Eluteria, Eleutheria, Eleuthera, Name einer der Bahamainseln, auf welcherdie Pflanze häufig vorkommt; Glutia abgeleitet von dem Namen des Leydener Apothekers undBotanikers Theod. Auger Cluyt (Clutius).
Die Bahamas oder Lucayos-Inseln waren derjenige Theil von Amerika, welchen Columbus 1492zuerst betrat. Die Inseln kamen abwechselnd in den Besitz der Spanier und Engländer; es ist jedochin den ersten Berichten, welche über diese Inseln nach Europa gelangten, keine Rede von der Kaska-rille, woraus zu schliessen ist, dass eine Benutzung der Rinde von Seiten der Eingebornen zu jenenZeiten noch nicht vorlag. Um 1640, als die Chinarinden bekannt wurden, glaubte man in jeder bitterschmeckenden Rinde eine Chinarinde zu erblicken und um jene Zeit ist man auch auf die Cascarillaaufmerksam geworden; man glaubte in ihr eine Chinarinde entdeckt zu haben und belegte sie mit demspanischen Namen für Chinarinde, Cascarilla. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts kam die Rinde nachEuropa und wurde vorerst als eine minderwerthige Chinarinde (Cortex peruvianus spurius oder griscus)betrachtet, wie aus einem Berichte Flückiger's hervorgeht, nach welchem die Apothekertaxe in Mindenim Jahre 1691 Cortex Chinae de China (echte Chinarinde) das Quintlein mit 6 Groschen, China deChina vova das Quintlein mit 3 Groschen in Ansatz bringt. Flückiger glaubt in letzterer Rindedie Cascarilla mit ziemlicher Sicherheit annehmen zu dürfen, welcher Glaube durch die Apothekertaxevon Gotha unterstützt wird, die im Jahre 1694 Cortex Chinae novae seil Scliacorillae enthält. Aufihre Heilkräfte und auf die Unterschiede im Vergleich zur echten Chinarinde machte zuerst J. A. Stisser,Professor der Universität Helmstädt, aufmerksam. Letzterer hatte um 1693 die Cascarillarinde unterder Bezeichnung Cortex Eleuterii, welche zu jener Zeit in England als Würze des Rauchtabaksdiente, angeblich von einem Kaufmann J. de Breyn aus Amsterdam erhalten. Weitere Anpreisungender Rinde erfolgten 1697 durch Apinus in Nürnberg und 1738 durch Böhmer in Halle. Bennetstellte 1860 die Abstammung' der Rinde von Croton Eluteria fest.
Offizinell ist die Rinde: Cortex Cascarillae s. Elutcriae Kaskarillarinde, welche mit dergrauen China etwas Aehnlichkeit besitzt.
Die Kaskarillrinde besteht aus 1—2 Mm. dicken, dichten, harten und schweren, spröden,leicht zerbrechlichen, aussen weisslichen oder grauweissen, unregelmässig längs- und querrissigen unddadurch gefelderten, stellenweise von der Aussenrinde befreiten, geraden oder gebogenen Röhren von1 l i bis l J / 2 Ctm. Durchmesser, deren Länge selten über 10 Ctm. beträgt und denen oft noch Splitterdes dichten und feinporigen Holzes anhaften. Die kleinsten Stücke sind oft mit einem hellgrauen oderdurch Flechten dunkler gefärbten Korke bedeckt. Die Rinde ist innen chocoladenbraun, gestreift, imBruche eben, nicht splitterig oder faserig, matt oder schwach harzglänzend, auf der Unterfläche eben undfein gestreift. Der Geruch ist schwach, eigenthümlich, nicht gerade angenehm; der Geschmack starkbitter und aromatisch; beim Reiben, Erwärmen und Anzünden entwickelt sich ein starker, angenehmaromatischer Geruch.
Die Hauptstadt der Bahamas, Nassau, auf New Providence, führte 1875 34.430 Klgr., 187655.524 Klgr. aus; im Jahre 1870 soll aber England allein 622.858 Klgr. erhalten haben.
Bestandtheile. Cadet, Caventou, Boehmer, Tromsdorf u. A. erhielten aus der Rinde:ätherisches Oel, Bitterstofl (Cascarillin), eigentümlichen Gerbstoff, Stärkemehl, rothen Farbstoff undca. 15% Harz, welches aus einem sauern, in Alkalien löslichen und einem indifferenten Antheil besteht.
Das ätherische Oel, welches man durch Destillation der Rinde mit Wasserdämpfen in einerMenge von ca. 1 °/ 0 erhält, besitzt einen etwas kampferartigen Geruch, ein spez. Gewicht von 0.862,ist rechtsdrehend und besteht nach Völckel aus einem bei 172—173° siedenden Terpen und einemsauerstoffhaltigen Oele mit höherem Siedepunkte.