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2 (1887)
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165r
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Der Darstellung möglichst kräftig und zuverlässig wirkender Mutterkornpräparate ist in derneuesten Zeit grosse Aufmerksamkeit geschenkt worden. Ganz besonders erfreuen sich die mittels Dialyseund im Vacuum bereiteten Extrakte der Zuneigung der Gynäkologen und Aerzte. So finden sich zurZeit ausser dem offizineilen dicken, dem Bonjean'schen, dem trockenen, dem flüssigen und dickendialysirten und dem Fluidextrakt, noch Spezialitäten im Handel, die von oder nach Kobert, Bombeion,Denzel, Yvon und andern dargestellt werden und deren Namen tragen.

Eingehende Untersuchungen widmeten dem Mutterkorn Dragendorff, Podvvisotzky undBlumberg. Die von den letzteren aufgefundenen Stoffe sind folgende:

1. Sclerotinsäure ( C 12 H 19 N0 9 ), eine wenig gefärbte, amorphe, schwach sauer reagirende, geschmack-und geruchlose, hygroskopische, in Wasser leicht und Alkohol schwer lösliche Masse, diealkalische Kupferlösung langsam reduzirt und durch Gerbsäure und Phosphormolybdänsäuregefällt wird. Ans frischem, gutem Mutterkorne sind bis 6.5% gewonnen worden. Ein Theilder physiologischen Eigenschaften des Mutterkorns ruht in ihr.

2. Scleromucin, welches aus dem wässerigen Auszuge des Mutterkornes durch Weingeist gefälltwird, ist bis jetzt noch nicht rein dargestellt. Es soll sich zur Sclerotinsäure verhalten wieBassorin zum Gummi. Einmal niedergeschlagen, löst sich diese schleimartige Masse nichtvollständig wieder auf. Die Ausbeute betrug 2 bis 3%.

3. Sclererythrin ist der Farbstoff der äusseren Schicht des Mutterkornes und bildet ein rothes,nicht krystallisirfähiges, theilweise sublimirbares, in Wasser unlösliches, in Alkohol und Eisessiglösliches Pulver. Ammoniak und Aetzlauge lösen ebenfalls, jedoch unter baldiger Zersetzung,mit schön roth-violetter Farbe; es wird durch Aetzbaryt, Kalkwasser und schwere Metall-salze blau-violett gefällt. Flückiger glaubt, dass von einer solchen unlöslichen Calcium-verbindung die Färbung der Oberfläche des Mutterkornes herrührt. Die Entdecker haltendasselbe für einen Anthrachinonabkömmling, ähnlich dem Purpurin. Es ist nur in ge-ringer Menge vorhanden und scheint als Zersetzungsprodukt die weiter unten angeführte Fus-cosclerotinsäure zu liefern.

4. Sclerojodin soll aus dem Sclererythrin hervorgehen und dasselbe in äusserst geringer Mengein der gefärbten Oberfläche des Mutterkornes begleiten. Es scheidet sich bei der Isolirungdes Sclererythrins als dunkel blauschwarzes Pulver ab. Kalilauge und Schwefelsäure lösenmit schön violetter Farbe. Die prozentische Zusammensetzung beträgt: C = 64, H = 5.75,N = 8.87.

5. Sclerokrystallin, aus dem Mutterkorne nach Erschöpfung mittelst Alkohols durch Kochen mitAether gewonnen, bildet haarförmige Krystalle von der Zusammensetzung C 7 II 7 0 3 . Bei An-wendung von kaltem Aether erhält man Scleroxantliin, derbe, gelbe Krystalle *les HydratesC 7 H 7 0 3 -f-H 2 0. Sclerokrystallin wird durch heissen Aether oder Chloroform leicht in Sclero-xanthin übergeführt. Beide Substanzen geben in alkoholischer Lösung mit Eisenchlorid vio-lette, dann blutrothe Farbe.

6. Fuscosclerotinsäure und Pikrosclerotin sind in der weingeistigen Lösung des rohen Sclere-rythrins vorhanden und werden durch Behandlung mit Kalkwasser erhalten, wobei fuscosclero-tinsaurer Kalk und Pikrosclerotin in Lösung bleiben. Wird diese Lösung verdampft und derBückstand mit Aether behandelt, so wird der grösste Theil der Fuscosclerotinsäure von letz-terem aufgenommen, während Pikrosclerotin zurückbleibt, welches, in säurehaltigem Wassergelöst, mit Ammon theilweise gefällt wird. Fuscosclerotinsäure scheint krystallisirbar zu sein,ist nicht stickstoffhaltig und besitzt die Formel C^H^O^ Die basischen Verbindungen sindsauerstoffhaltig. Pikrosclerotin wird als ein sehr giftiges Alkaloid bezeichnet.

Im Auszuge des Mutterkorns ist Zucker aufgefunden worden, welcher in gelinder Wärmealkalisches Kupfertartrat reduzirt und nach Ganser krystallisirbar und gährungsfähig ist. Nebendiesem Zucker findet sich zu 1 pro Mille eine eigenthümliche, mit der Trehalose identische Zuckerart,Mykose (C 12 H 2 20n + 2H 2 0), welche in rhombischen Octaedern krystallisirt und Kupferoxyd entwedernicht oder erst nach langem Kochen reduzirt. Schmelzpunkt bei 130° unter Einbusse von 2H 2 0.Mykose ist sehr leicht löslich in Wasser, jedoch sehr langsam daraus wieder krystallisirend; sie iststark rechtsdrehend.

Bei der Verbrennung erhielt man aus Mutterkorn 2—4% reichlich mit Phosphaten ausgestatteteAsche. Herrmann fand in letzterer 45% Phosphorsäure und 30% Kali.

Fasst man das Vorausgehende nochmals zusammen, so sind bis jetzt in dem Mutterkorne auf-gefunden worden:

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