trocknet brüchig; sie sind fast geruchlos und besitzen einen widerlich bitteren, scharfen, schleimigen Geschmack.Die Schalen der rothen Varietät, welche nach dem Trocknen dunkel brannroth aussehen, sollen kräftigerschmecken und verdienen daher den Vorzug. Die Droge ist sehr hygroskopisch, muss daher sehr trocken auf-bewahrt werden; in feuchtem Zustande wird sie leicht schimmelig. Sie wird zu einem Pulver verarbeitet,welches jedoch sehr trocken aufzubewahren ist, da es in Folge der Feuchtigkeitsanziehung leichtzusammen bäckt. Die Zwiebel besitzt grosse Lebensfähigkeit, so dass sie ausserhalb der Erde introckenem Zustande jahrelang ihre Lebenskraft behält.
Bestandtheile. Die Meerzwiebeln enthalten reichlich Schleim (Sinistrin), Zucker (nachRebimg 22%), Gerbstoffe, einen flüchtigen, beim Trocknen entweichenden, noch nicht näher unter-suchten Stoff und nach Merck 3 Bestandtheile, welche in ihren Wirkungen differiren: Scillipikrin,Scillitoxin und Scillin. Jarmerstedt erhielt ein stickstofffreies Glykosid, das Scillain. Riehe undRemont erhielten aus 8 Zwiebeln: 73.30—-77.57% Wasser, 12.53—19.80% Cellulose und unlös-liche Salze, 6.84—8.50% Scillin (Sinistrin), 0.15—0.68% reduzirenden Zucker, 0.24—0.32% löslichemineralische Stoffe, 0.97 bis 2.12% Scillitin, Oxal-, Aepfel-, Citronsäure und unbestimmte Stoffe.
Der in grosser Menge vorhandene, von Schmiedeberg 1879 als Sinistrin bezeichnete Schleimwird aus dem Pulver mittelst Bleissigs und Kalkmilch gewonnen. Das Sinistrin ist anfangs pulverig,bildet beim Trocknen durchscheinende Klumpen und zeigt eine, dem Dextrin gleiche Zusammensetzung(C 6 H 10 0 5 ), dreht jedoch die Polarisationsebene nach links. Das reine Sinistrin ist farblos, amorph undlöslich in Wasser. Durch Kochen mit Wasser unter Zusatz von 1% Schwefelsäure geht es zum grossenTheile in Lävulose über, welche von einem Zucker begleitet ist, der wahrscheinlich nicht polarisirt.„An sich ausser Stande, das alkalische Kupfertartrat zu reduziren, erlangt das gelöste Sinistrin dochdurch den Einfluss schnell auftretender Bakterien alsbald diese Fähigkeit. Beim Erwärmen mit Sal-petersäure von 1.12 sp. Gew. giebt es Oxalsäure, aber nach Weyher keine Schleimsäure, Weinsäureoder Zuckersäure. Durch Hefe kann das Sinistrin sehr langsam in Gährung versetzt werden."(Flückiger.) Das neuerdings von A. Riehe und A. Remont aufgefundene Scillin ist mit dem Sinistringleichbedeutend, hat demnach mit dem Scillin Merck's nichts gemein.
Das Scillipikrin ist ein gelblich-weisses, amorphes, hygroskopisches, bitter schmeckendesPulver, welches in Wasser leicht löslich ist. Das Scillitoxin ist gleichfalls ein amorphes Pulver vonzimmtbrauner Farbe, löslich in Alkohol, unlöslich in Aether und Wasser, färbt sich mit concentr.Schwefelsäure roth, später braun, mit Salpetersäure schwach roth, dann orangegelb bis grün. Inweingeistiger Lösung äussert es einen auffallend bitteren und scharfen Geschmack, auf die Nasen-schleimhaut wirkt es reizend und soll der Hauptträger der diuretischen Wirkung der Meerzwiebel sein.Das Scillin ist eine hellgelbe, krystallinische Masse, welche schwer löslich in Wasser, leicht löslichin Alkohol und kochendem Aether ist; concentrirte Schwefelsäure färbt rothbraun, Salpetersäure gelb,beim Erhitzen dunkelgrün. Scillipikrin und Scillitoxin haben sich nach Moeller als Herzgifte erwiesenund zwar Scillitoxin als das bedeutend stärker wirkende. Scillin soll nur unbedeutende Wirkungäussern. Das von Jarmerstedt aufgefundene stickstofffreie Glykosid Scillain wird in einer leichten,lockern, farblosen bis gelblichen, bitter schmeckenden, leicht in Weingeist, schwer in Aether, Chloro-form und Essigäther löslichen Masse gewonnen, die mit verdünnter Salzsäure Glykose und ein Harzliefert und sich in concentrirter Salzsäure mit rother Farbe löst. Die Wirkungen des Scillai'ns aufdas Herz sollen denjenigen des Digitalins ähnlich sein.
Braun hat auf mikroskopischem Wege nachgewiesen, dass Meerzwiebel krystallisirten Trauben-zucker enthält. Der Aschegehalt beträgt 4 bis 5%. (Husemann, Pflanzenstoffe 403.)
Anwendung. Innerlich in Pillen- und Pulverform als Expektorans bei Bronchitis, trockenemHusten, fieberhaften Katarrhen, als Diuretikum bei Hydropsien, Blasenkatarrh, Harngries; wird auch,namentlich bei Kindern, als Brechmittel benutzt. Meerzwiebel ist ein kräftig diuretisch wirkendesMittel, welches in grossen Gaben giftig wirkt und zu den starkwirkenden Arzneikörpern gezählt wird.Die irritirende Wirkung des frischen Saftes wird den scharfen Kalkoxalatkrystallen zugeschrieben.
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