Obschon der Asantgeruch den vorstehend beschriebenen Pflanzen in hohem Grade eigen ist,so kann doch noch nicht bestimmt bewiesen werden, dass die Droge gerade von diesen 3 Pflanzenabstammt; es bleibt zu erwägen, ob hierbei nicht noch andere hierher gehörige Umbelliferen in Be-tracht zu ziehen sind. Kaempfer, welcher der Asantgewinnung im Jahre 1687 beiwohnte, giebt vonseiner Asa foetida disgunensis nur ungenügende Abbildungen und Borszczow (1857—1858), dessenAbbildungen und Berichte vorzügliche sind, sucht zwar den Nachweis zu führen, dass seine FerulaScorodosma mit der Kaempfer'schen Asa foetida disgunensis gleichbedeutend sei, er ist jedoch nichtAugenzeuge der Asantgewinnung gewesen. Haussknecht erklärt allerdings bestimmt, dass FerulaScorodosma bei Herat zum Zwecke der Asantgewinnung im Grossen angebaut werde, sowie auch Woodmittheilt, dass er die Asantpflanze in Sighan zwischen Kabul und Balkh in landwirtschaftlicher Pflegeangetroffen habe.
Anatomisches. Die Asantpflanze enthält, namentlich in der Wurzel, grosse Zellräume(Emulsionsbehälter), in denen sich neben Oel und Harz auch Gummischleim vorfindet, welcher der beiVerletzung der Pflanze austretenden Flüssigkeit ein milchiges Ansehen giebt.
Blüthezeit. März, April.
Vorkommen. Nur auf kieselsandigem Boden mit wasserdichtem, salzreichem Untergrundein den Steppen Persiens und den benachbarten Gebieten zwischen dem persischen Meerbusen und demAralsee einheimisch; in Folge des geselligen Vorkommens förmliche Wäldchen bildend. „Im südlichenTheile Persiens erreicht Scorodosma nicht ganz das nördliche Gestade des persischen Busens, sondernhält sich hier mehr an Hochregionen von ungefähr 1000 Meter über Meer, während die centralpersischenund aralo-caspischen Hauptstandorte mehr im Norden sich sehr bedeutend senken und z. B. am Nordost-i I'or des Caspimeeres tiefer liegen als der Meeresspiegel. Zwischen Caspi- und Aralsee, in der HochsteppeUst-ürt, fehlt Scorodosma, findet sich aber, von der persischen Südwestgrenze Luristan und Faristanan, durch ganz Persien, das untere und mittlere Gebiet der Ssyr-Darja bis Chodschend und von hiersüdwärts über Samarkand hinaus noch an den Abdachungen des Pamir (westlich von Belut-Tag). InChorassan (bei Turschiz), Herat und Chiwa scheint die Pflanze am massenhaftesten vorhanden zu sein.Wo der Kieselboden in die vegetationsarme Lehmwüste übergeht, fehlt Scorodosma und ist durchandere verwandte Umbelliferen vorzüglich Ferula persica Willd. (F. Asa foetida Hope) ersetzt. DenSsyr Darja überschreitet das Scorodosma nicht." (Flückiger.)
Name nnd Geschichtliches. Der Name Asant stammt von asa, aai], Ekel, wegen deswiderlichen Geruchs nnd Geschmacks; nach anderen soll das Wort von der salernitaner Schule gebildetund sein Ursprung unklar sein. Ferula von ferire schlagen, geissein; man bediente sich in früherenZeiten der getrockneten Stengel zum Schlagen, Züchtigen. Scorodosma aus okoqoÖov Knoblauch undoa/u/j Geruch; Nartliex von vaqdrfe Stab, wegen des stabartigen Stengels. Foetida übelriechend, stinkend;alliacea lauchartig.
Es wird vermuthet, dass das Silphion der Griechen (utjdixog vji (nniazog onog aiXcpiov desDioskorides), laser der Römer, unser Stinkasant gewesen ist; nach Haussknecht soll jedoch diesesProdukt der alten Welt von einer den Gebirgen Lnristans angehörenden Unibellifere, Endjedan (ara-bisch Hiltit el tagil ), abstammen. Ein schon bei Hippokrates und Tlieophrast vorkommendesSilphion (ailcpiov xvqevmvmv) soll nach Viviani, Sprengel und Fraas von einem DoldengewächsTliapsia Silphium herrühren.
Die mittelalterlichen Beisenden und Geographen Persiens und Arabiens kannten Asa foetidaund seine Herkunft. Ali Istachri aus Istachr (im 10. Jahrb.) giebt die Wüste zwischen Seistanund Makran als denjenigen Ort an, wo Asa foetida gesammelt werde. Nach einem Berichte Edrisi's(im 12. Jahrh.) wurde in der Gegend von Kaleh Bust „Hiltit" in grosser Menge gesammelt. Der ara-bische Schriftsteller Ibn Baitar (zu Anfang des 12. Jahrh.) nennt Asa foetida ein geschätztes undviel gebrauchtes Mittel. Auch die salernitaner Schule beschäftigt sich mit der Droge. Aden erhebtum 1270 von Asa foetida einen Durchgangszoll; 1305 tritt Asa foetida im Zolltarif von Pisa auf.
Offizineil ist der aus der Wurzel gewonnene, an der Luft erhärtete Milchsaft: Asa foetida(Gummi-resina Asa foetida), welcher in 3 verschiedenen Sorten in den Handel gebracht wird:
1) Stinkasant in Tliränen oder Körnern ( Asa foetida in lacrimis s. in granis) ist die vorzüg-lichste und seltenste Sorte, welche aus sehr ungleichen, unregelmässig abgerundeten, bis 3 Ctm.grossen, an den Kanten durchscheinenden Körnern oder abgeplatteten, röthlich-braunen oder blass-bräunlich-gelben, ebenen und glatten Stücken besteht. Sie sind wachsartig schneidbar, in etwashöherer Temperatur erweichend und klebend, und in der Kälte spröde und pulverisirbar. Derfrische Bruch ist bläulich-weiss, opalartig, fettglänzend, an der Luft rosenroth bis allmählichblassbräunlich gelb anlaufend. Das Pulver giebt mit Wasser sehr leicht Emulsion. Die weissenKörner erscheinen unter dem Mikroskop vollkommen gleichtnässig und hinterlassen beim Verbrennennur sehr wenig Asche. In der Emulsion erkennt man unter dem Mikroskop in Molekularbewegungbefindliche Körner, gemengt mit zahlreichen, stabförmigen oder linsenförmigen Harztheilen,welche das ätherische Oel einhüllen und durch Jod braun werden. Karsten vermuthet, dassdiese Sorte nicht der Wurzel, sondern dem verwundeten Stengel entstammt.
2) Stinkasant in Massen (Asa foetida in massis, Asa foetida amygdaloides) ist die gewöhnlicheSorte, welche in unregelmäs^igen Stücken auftritt. Sie besteht aus einer körnigen Masse,welche einzelne grössere oder kleinere Stücke der vorhergehenden Sorte nebst fremden Bei-mengungen einschliesst. Letztere betragen oft die Hälfte des Gewichtes und bestehen aus