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2 (1887)
Entstehung
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91v
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Verwechselungen und Verfälschungen können stattfinden mit den Früchten von AegopodiumPodagraria L. Letztere sind dunkelbraun und striemenlos; sie haben einen kegelförmigen Griffelfussmit 2 zurückgebogenen Griffeln von grösserer Länge als die Scheibe. Fälschungen durch schon ge-brauchten Kümmel kommen häufig vor.

Der römische oder Mutterkümmel, von dem im Orient wachsenden Cuminum Cyminum L.abstammend, besitzt borstige, auf jeder Seite 9 Rippen zeigende Früchte und hat einen unangenehmenGeruch und Geschmack.

Nach Flückiger beträgt die Kümmelausbeute in Deutschland jährlich nur noch 350000 Kgr.Dagegen sind beispielsweise im Jahre 1881 in Deutschland nicht weniger als 1171400 Kgr. eingeführtworden. Hamburg soll allein aus Holland jährlich 6800000 Kgr. erhalten. Mit der Kümmelausfuhr. beschäftigen sich: Holland, Finnmarken, Finnland, Mittelrussland, Spanien.

Bestandtheile. Nach Tromsdorf enthält die lufttrockene Kümmelfrucht in 100 Theilen:0,438 ätherisches Oel, 1,5 Pflanzenwachs, 0,3 fettes Harz, 8,0 eisengrünenden Gerbstoff, 2,0 Schleim-zucker mit pflanzensaurem Kali und Kalk, 7,0 grünes, fettes Oel, 4,0 Schleim mit phosphorsaurenSalzen, 3,0 äpfelsaures Kali mit Farbstoff, 70,0 Holzfaser.

Das ätherische Kümmelöl, welches nach Zeller in wildgewachsenem deutschen Kümmelbis zu 5 °/ 0 vorkommen soll, ist farblos blassgelb, von durchdringendem Geruch und brennendem, bitter-lichem Geschmacke; es besitzt ein spez. Gewicht von 0,880,97, destillirt bei 175230° und lässt sichin die beiden Bestandtheile Carven und Carvol zerlegen. Das Carven (C 10 H, 0 ) beträgt ca. 30 °/ 0 desrohen Oeles, besitzt ein spez. Gew. von 0,840, siedet bei 176° und vereinigt sich mit trocknem Chlor-wasserstoff zu bei 50,5° schmelzenden Krystallen mit der Formel C 10 H 16 -f- 2 H Cl. Es besitzt einenschwächeren aber feineren Geruch als das rohe Oel. Carvol (C 10 H 14 O), zu ca. 70°/ 0 des rohen Oeles,hat ein spez. Gew. von 0,960, siedet bei 226 n und ist derjenige Bestandtheil, der dem Kümmel deneigenthümliclien Geruch verleiht. Beide Bestandtheile sind rechtsdrehend, der erstere stärker als derzweite. (Husemann, Pflanzenstoffe 938.)

Das grüne, fette Oel, aus dem Eiweiss stammend, ist dickflüssig, schmeckt und riecht fettig,verbrennt mit rauchender Flamme ohne Rückstand, ist löslich in Alkohol, fetten und flüchtigen Oelen,ist unlöslich in Wasser. Das ätherische Oel, welches aus Cuminum Cyminum L. gewonnen wird, weichtvon dem gewöhnlichen Kümmelöle ab. Es besteht aus Cymen (Cymol ) C 10 H 14 und Cumin-Aldehyd(Cuminol) C 3 H 7 . C 0 H 4 . CHO =C 10 H 12 O.

Anwendung. Der Kümmel wird in Form von Pulver oder Spezies, seltener im Aufgussgegeben und bildet,ein angenehm gewürzhaft schmeckendes Stimulans und Carminativum. Husemann,sagt:Fructus und Oleum Carvi sind ohne sonderliche medizinische Bedeutung. Sie stehen beide imVolke im Ruf als Carminativum und Mittel gegen Magenkrampf. Auch wird Kümmel mit Biersuppeals Galactagogum vom Volke benutzt." Oleum Carvi wird in Form von Oelzucker dargereicht. Letzterestödtet Kaninchen zu 30,0 in 5 Minuten und erzeugt bei Menschen in grösserer Menge Frösteln, Hitze,Kopfcongestionen und Delirien. (Husemann, Arzneimittell. 960.) Die Kümmelfrucht ist ein beliebtesGewürz; das Kümmelöl wird hauptsächlich zur Darstellung des Kümmelliqueurs verwendet.

Litteratur. Abbildung und Beschreibung: Nees v. Esenb., PI. med., Taf. 276; Hayne,Arzneigew. VII., Taf 19; Berg u. Schmidt, Offiz. Gew., Taf. XXV 0 ; Bentley and Trimen, Med. pl.,Taf. 121; Luerssen, Handb. der syst. Bot. II, 764; Karsten, Deutsche Fl. 833; Wittstein, Pharm.455.

Drogen und Präparate: Fructus Carvi: Ph. germ. 119; Ph. austr. 31; Ph. hung. §7; Ph. ross;182; Ph. belg. 23; Cod. med. 45; Ph. Neerl. 53; Brit. ph. 71; Ph. dan. 120; Ph. suec. 90; Ph. U. St. 67.Flückiger, Pharm. 889; Flückiger and Hanb., Pharm. 304; Hist. d. Drog. I., 545; Berg, Waarenk.366; Berg, Atlas, Taf. 42.

Oleum Carvi: Ph. germ. 193; Ph. austr. 96; Ph. hung. 315; Ph. ross. 289; Ph. helv. suppl. 76;Cod. med. 449; Ph. belg. 199; Ph. Neerl. 166; Brit. ph. 221; Ph. dan. 36; Ph. suec. 16; Ph. U. St. 235.

Aqua Carvi: Ph. ross. 38; Brit. ph. 43; Ph. suec. 24.

Aqua carminativa : Ph. austr. 17.

Spiritus Carvi: Ph. austr. 120.

Spiritus Juniperi compositus : Ph. Neerl. 227; Ph. U. St. 308.

Tinctura Cardamomi composita: Ph. helv. suppl. 117; Br. ph. 324; Ph. U. St. 339.

Confectio Opii: Br. ph. 87.

Confectio Piperis : Brit. ph. 87.

Pulvis Opii compositus: Br. ph. 265.

Tinctura Sennae: Br. ph. 341.

Bezüglich der Drogen und Präparate siehe auch Hager, Pharm. Praxis I., 758; III., 217.

Tafelbesehreibung:

A unteres Blatt, natürl. Grösse; B oberer Theil der Pflanze, desgl.; 1 u. 2 noch nicht entfaltete Bliitho vonverschiedenen Seiten, vergrössert; 3 Blüthe, vollständig entwickelt, desgl.; 4 Kronblatt, desgl.; 5 Staubgefässe, desgl.;6 Folien, desgl.; 7 Stempel, desgl.; 8 derselbe im Längsschnitt, desgl.; 9 Fruchtknoten im Querschnitt, desgl.; 10 Frucht-döldchen, etwas vergrössert; 11 reife Frucht, vergrössert; 12 Theilfrüclitchen im Längsschnitt, desgl.; 13 Frucht imQuerschnitt, desgl. Nach der Natur von W. Müller.