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1 (1887)
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Thymus vulgaris L.

Thymian Thyme Thym.

Familie: Labiatae. Gattung: Thymus Tourn.

Beschreibung. Die holzige, ausdauernde, verästelte, mit dünnen Wurzelfasern besetzteWurzel treibt einen aufrechten oder aufsteigenden, holzigen, vom Grunde an sehr ästigen, bis 40 Ctm.hohen Stengel, dessen mehr oder weniger krautige, zusammengedrückt 4kantige Aeste mit sehr ver-kürzten Seitenzweigen (Blattbüscheln) in den Achseln der Blätter versehen sind. Jüngere Stengel undAeste grau-kurzhaarig, ältere mit einem grauen, rissigen Korke bedeckt. Blätter gegenständig, fastsitzend oder im unteren Theile der Pflanze kurz gestielt, dicklich, bis 12 Mm. lang und 5 Mm. breit,eiförmig oder länglich bis lanzettlich, ganzrandig, am Rande etwas umgerollt, in den Blattstiel ver-laufend, kurz behaart, auf beiden Seiten drüsig punktirt. In den unteren Blattwinkeln entwickeln sichkurze, büschelige, beblätterte Triebe, die nach oben in lockere, entfernte Scheinquirle und zuletzt inden traubigen, kopfigen Blüthenstand übergehen. Deckblätter klein, lanzettförmig, stumpf. Der drüsigeKelch mit breiter, 3zähniger Oberlippe und 2spaltiger Unterlippe. Zähne der Oberlippe breit, delta-förmig, kurzwimperig; Zähne der Unterlippe linien-pfriemenförmig, zugespitzt, gefranzt. Schlund desKelches mit einem weissen Haarringe. Krone hellroth, blassblauröthlich bis weisslich, aussen behaart,abfallend, mit aufrechter, flach ausgerandeter Oberlippe und breiterer, abwärtsstehender, 3 lappiger Unter-lippe. Lappen der Unterlippe stumpf, fein gekerbt, der mittlere grösser und ausgerandet. Staubgefässezu 4, 2 längere und 2 oben gegeneinandergeneigte kürzere, im unteren Theile mit der Blumenröhreverwachsen, im Schlünde frei, mit fadenförmigen, blassröthlichen Staubfäden und am Grunde angehefteten,2 fächerigen, lilafarbigen, später braunen, mit Längsspalten aufspringenden Staubbeuteln. Staubgefässeder weiblichen Blüthe verkümmert. Pollen oval, 6 furchig, unter Wasser rundlich. Stempel auf eineram Rande gekerbten Scheibe, mit 4 einfächerigen, eineiigen Fruchtblättern; Griffel fadenförmig, vornübergebogen, lilafarbig, abfallend, mit 2spaltiger Narbe. Die am Grunde angehefteten Eichen auf-steigend. Frucht braun, im Grunde des bleibenden Kelches eingeschlossen, aus 4 kleinen, einsamigen,länglich-runden Nüsschen bestehend. Der eiw eisslose Same von der Form des Nüsschens. Embryomit kurzem, nach unten gerichtetem Würzelchen und ovalen, planconvexen Samenlappen.

Anatomisches: Das Blatt, welches eine sehr derbe Cuticula und Epidermis besitzt, zeigt im Querschnittauf der einen Hälfte eine Palissadensehicht, auf der anderen Schwammparenchym. Die Drüsen befinden sich auf derOberfläche der Blätter und des Kelches in Vertiefungen. Sie bestehen aus einer sehr kurzen Stielzelle, auf welchersich 8 16 und mehr schildförmig ausgebreitete Tochterzellen erheben, die von der durch Oelabsonderung bis zurBlattdicke blasig aufgetriebenen Cuticula überragt werden. Die ausserdem noch auftretenden sogen. Kleindiüsenbestehen aus einer einzigen von einem Stiele getragenen Oelzelle. Die kurzen, mit einer gerundeten Spitze endendenHaare bestehen aus einer oder 2 rauhen, dickwandigen Zellen (Flückiger).

Verbreitung. Auf dürren, unbebauten Orten des westlichen Südeuropa, namentlich imnördlichen Mittelmeergebiet von Italien bis Portugal und Marocco verbreitet. In den Seealpen bis1000 Meter hoch emporsteigend. Gedeiht noch in Island und Skandinavien bis zum 70. Breitengrade.Wird allenthalben als Küchengewürz- und Arzneipflanze in den Gärten kultivirt.

Blüthezeit. Mai, Juni.

Name und Geschichtliches. Der Name Thymian, althochdeutsch timiän, pine- oderbinesuga, pine- oder binibluoma, suga, mittelhochdeutsch Binsöge, Timmel, bei Fuchs und Bockrömischer oder welscher Quendela, bei Cordus Tymchen, stammt aus dem lateinischen Thymus,griechischen Kraft, Muth in Bezug auf die erregende, stärkende Wirkung der Pflanze^oder auch

von Ä, ich opfere).

Den alten Aerzten ist, wie sich mit Sicherheit annehmen lässt, der Thymian bekannt gewesenund von ihnen arzneilich benutzt worden, denn unter ,')luog (&v/.iog) des Theophrast und Dioscoridesist unzweifelhaft unsere Art zu verstehen; ebenso ist bekannt, dass Columella und Plinius Thymianvon Serpyllum unterschieden. In dem Kochbuche des römischen Feinschmeckers Apicius Caelius(Coelius) ist Thymian als Gewürzpflanze aufgeführt und wird darin häufiger erwähnt als Serpyllum.Alexander Trallianus empfiehlt unsere Pflanze mehrfach in arzneilicher Beziehung. Merkwürdig istes, dass Thymian im Mittelalter, obwohl seine Bekanntschaft zu jener Zeit vorausgesetzt werden muss,so wenig erwähnt und beachtet wird, denn er fehlt im Capitulare Karl's des Grossen und in vielenArzneibüchern jener Zeit gänzlich. Zu uns ist er aus Italien gekommen, weshalb ihn die alten Bota-

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