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1 (1887)
Entstehung
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55v
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Verbreitung. Die wilde Form an den Küsten Südeuropas, Afrikas, in Mittelasien etc. ein-heimisch; bei uns in verschiedenen Spielarten als Nährpflanze und zum Zwecke der Zuckerfabrikationim Grossen kultivirt.

Name und Geschichtliches. Der Name Runkel, Runkelrübe (althochdeutsch beizcol,biz-krüt, bilza, bioza, manegolt, mittelhochdeutsch biese, blijt, piese, römisch-Kraut etc. bei Gessner:bairische Bübbe, liilbenmangolt, bei Bock: Gartenmangold, Rungelsen, bei Brunschwig: Mangolt,im Hortus sanitatus: Bömiscli Kol) soll mit dem gothischen hruggo, althochdeutsch runga, d. i. eindicker Stab zum Stützen, oder noch wahrscheinlicher mit dem altnordischen hruga zusammenballen(hruga, hryga die Riesin, hrungnir ein Riese) wegen der grossen dicken Wurzeln, verwandt sein.Mangold, Mangolt hat verschiedene Deutungen; so wird es abgeleitet von Mann und hold oder heil= Mannsheil (ähnlich wie Männertreue), nach Grimm von Menja, einer Riesin, die dem König FrodiGold malen musste, nach Anderen von dem männlichen Namen Managold, Manigold, nach Diez vonder aus dem Deutschen stammenden italienischen und spanischen Bezeichnung für Henker: manigoldo,deren Beziehung zu unserer Pflanze allerdings unklar ist. Der Name Rübe (althochdeutsch ruoba)soll mit dem nordischen rofa, litauisch rope, slavisch repa, lateinisch rapum (rapa ), griechisch ounvg(üf'apvg) urverwandt und einem gemeinsamen Stammworte entlehnt sein. Beta ist angeblich demkeltischen bett = roth (auf die Art mit rother Wurzel bezogen) entsprungen, wird auch aus demlateinischen meta , eine kreiseiförmige Erhöhung, mit Beziehung auf die spindelförmige Wurzel, ab-geleitet; Andere beziehen es wegen der Aehnlichkeit der fruchtenden Pflanze mit diesem Buchstabenauf das griechische ß.

Die Runkelrübe, welche den Alten bereits in mehreren Varietäten bekannt war, ist schon infrüheren Zeiten sowohl als Nahrungsmittel als auch arzneilich benutzt worden. Beta vulgaris istTevrlog des Theophrast, Tevtlov ayoiov v. Xeifivjviov des Dioscorides, Beta sylvestris des Plinius.Tevrhov {itvtlog) ut'Lav des Theophrast, TevtIov v . ist/'lov ue'/.av des Dioscorides, Beta genusnigrum des Plinius bezieht sich nach Fr aas auf die kultivirte rothe Rübe.

Blüthezeit. Juli bis September.

Offizineil ist der aus der süss- und schleimigschmeckenden Wurzel gewonnene Zucker:Saccharum , früher auch die Wurzel und Blätter.

Die im Herbste gesammelten Rüben werden gewaschen, geputzt, geköpft und aus ihnen entweder durchZerreiben oder auf dialytischem Wege (durch Auspressen, Ausschleudern, Auslaugen oder Diffusion) der Saft gewonnen.Nach Entfernung der in dem Rübensafte befindlichen, die Abscheidung des Zuckers erschwerenden, verschiedenartigenSubstanzen durch Behandeln mit Kalk (Baryt), dann Kohlensäure, zuletzt Knochenkohle erfolgt durch Verdampfung dasKrystallisiren des Zuckers.

Nach Hager erscheint der Zucker, der ausserdem noch aus Saccharum officinarum L., Acerdasycarpum Ehrh., Acer saccharinum L. etc. bereitet wird, im Handel in folgenden Sorten:

1. Raffinadezucker ( Saccharum albissimum): das erste Krystallisationsprodukt der ge-läuterten Zuckerlösung; gilt als der reinste Zucker des Handels; in Hutform.

2. Meliszucker ( Saccharum coquinarium ): der aus der Raffinade abfliessende, entwedernochmals geklärte oder ohne Weiteres zur Krystallisation gebrachte Syrup; weniger weiss;etwas gröber; in Hutform.

3. Lumpenzucker (Lompenzucker, vom englischen lump = Klumpen); Krystallisationsproduktdes aus dem krystallisirten Melis abfliessenden Syrups, gelblich-weiss; wird in Blöcken oderformlosen Stücken in den Handel gebracht.

4. Farinzucker: entweder zermahlener Lumpenzucker oder aus dem Syrup zubereitet, der ausden Lumpenformen abtropft; man unterscheidet weissen, hellgelben, gelben, braunenFarinzucker.

5. Syrup ( Melasse, Syrupus communis ): unkrystallisirbarer Zucker, der bei dem Krystallisirendes Farins aus Colonialzucker abfliesst; er ist von dunkelbrauner oder gelblich-braunerFarbe sehr dickflüssig und von süssem, schwach scharfem Geschmack.