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1 (1887)
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bitteren Geschmack (Erdgalle), auf die fieberstillende Wirkung (Fieberklee) und auf die Farbe (rotherAurin = aurum). Centaurium , griechisch v.evt;avotov. ist aber jedenfalls nicht aus centum aurum,sondern aus Centaur (= Centaurenkraut) abgeleitet und zwar dem heilkundigen Centauren Chiron zuEhren, der den Saft des Tausendgüldenkrauts mehrfach zur Heilung von Wunden angewendet habensoll. Erythraea stammt von sqv & qos , roth, wegen der Farbe der Blüthen.

Das Tausendgüldenkraut ist eine uralte Arzneipflanze und unzweifelhaft das KtvvavQiov uivmovdes Dioscorides. Sie hat von jeher, wie auch jetzt noch, in der Volksmedizin eine grosse Rollegespielt. Plinius bezeichnet sie mit Fei terrae (Erdgalle , altdeutsch Ertgalla). HieronymusBrunschwig nennt die Pflanze in seinem Destillirbuch (1609): Dusent gülden Krut, Erdgal und Aurin;Valerius Cor du s nannte sie Fieberkraut und Aurin. Die Pflanze wurde früher als kleines Centauriumbezeichnet, zum Unterschiede von der Composite Centaurium majus (Centaurea Centaurium L.)

Blüthezeit. Juli bis September.

Offizin eil ist das blühende Kraut: Herba Centaur ii minoris (Herba Centaurii).

Das blühende Kraut wird im Juli gesammelt, von den Wurzeln befreit, geschnitten, getrocknet und in Holz-oder Blechgefässen aufbewahrt. Es ist geruchlos und von sehr bitterem Geschmacke. Häufig ist dem offizinellenKraut die in ihren Wirkungen völlig gleiche Erythraea pulchella Fries beigemischt. Letztere ist schon vom Grundean gabelästig und besitzt meist 5 rippige, unten nicht rosettige Blätter.

Verwechselungen mit Erythraea lineariaefolia Pers. lassen sich durch die schmalen, linienförmigen Blätter,durch den eine verlängerte Rispe bildenden Blüthenstand und den niedrigeren Stengel erkennen; Verwechselungenmit Silene Armeria L. sind an den nicht eckigen, klebrigen Stengeln, blauduftigen Stengeln und Blättern und demMangel an bitterem Geschmacke erkennbar. Statice Armeria L. hat graugrüne Blätter, tief röthere, etwas klebrigeBlumen und ist ebenfalls ohne bitteren Geschmack.

Präparate. Aus dem Kraute wird das Extractum Centaurii gewonnen. Ausserdem verwendetman das Kraut zur Herstellung von Tinctura amara, Species amaricantes, Vinum amarum, Pilulaestomacliicae etc.

Bestandteile. Das Kraut enthält Schleim, Stärkemehl, etwas flüchtiges Oel, einen noch un-genügend untersuchten Bitterstoff, von Dulong Centaurin " genannt, und eine von Mehu 1866 dar-gestellte, geruch-, geschniack- und farblose, bei 136° schmelzende Krystalle bildende, im Sonnenlichtroth werdende, in kaltem Wasser und Aether schwer-, in heissem Wasser, Weingeist und Chloroformleichter lösliche Substanz: das Erytlirocentaurin (C27 H 24 0 8 ). Der Ascherückstand, hauptsächlich ausGyps bestehend, beträgt 6°/ 0 .

Anwendung*. Im Aufgass und in Pulverform als magenstärkendes, fieberstillendes Mittel.Es wird besonders als Zusatz zu bitteren Theespecies und Tinkturen verwendet. (Husemann,Arzneimittell. 647.)

Litteratur. Abbildung und Beschreibung: Nees v. Esenb., Plant, medic., Taf. 203; Hayne,Arzneigew. I., Taf. 29; Berg u. Schmidt, Offiz. Gew., Taf. XXIV a ; Luerssen, Handb. der syst. Bot. II.»1053; Karsten, Deutsche Flora 1025; Wittstein, Pharm. 838.

Drogen und Präparate: Herba Centaurii minoris: Ph. germ. 129; Ph. austr. (D. A.) 32; Ph.hung. 103; Ph. ross. 203; Ph. helv. 61; Cod. med. (1884) 46; Ph. belg. 24; Ph. Neerl. 55; Flückiger,Pharm. 640; Hist. d. Di'og. H. 104; Berg, Waarenk. 262.

Extractum Centaurii: Ph. austr. (D. A.) 54; Ph. hung. 181; Ph. ross. 125; Ph. helv. suppl. 40;Cod. med. (1884) 413; Ph. belg. 167; Ph. Neerl. 101.

Tinctura amara: Ph. germ. 271; Ph. austr. (D. A.) 132; Ph. hung. 451; Ph. ross. 411; Ph. helv.suppl. 115.

Species amarae (amaricantes ): Ph. aust. (D. A.) 118; Ph. hung. 399; Ph. helv. 118; Ph. belg. 224.

Vinum amarum-. Ph. belg. 287; Ph. Neerl. 288.

Bezüglich der Drogen und Präparate siehe Hager, Pharm. Prx. I, 782.

T afelbesehreibung:

AB Pflanze in natürl. Grösse; 1 Blüthe, vergrössert; 2 Blüthenzweig, desgl.; 3 auseinandergelegte Blüthe,desgl.; 4 Staubgefässe, desgl.; 5 Staubgefäss nach dem Verstäuben, desgl.; 6 Pollen, desgl.; 7 Stempel, desgl.; 8 Frucht-knoten im Querschnitt, desgl.; 9 Frucht, natürl. Grösse; 10 u. 11 geöffnete Kapsel, vergrössert; 1'2 dieselbe mit Kelch,desgl.; 13 Same, desgl.