Taraxacum offlcinale Weber.
Syn. Leontodon Taraxacum L. Taraxacum Dens leonis Desf. Taraxacum vulgare Schrk.
Leontodon offlcinale With.
Löwenzahn, Gebräuchliche Kuhblume — Dandelion — Pissenlit, Dent de lion.
Familie: Compositae. Gattung: Taraxacum Juss.
Beschreibung. Kraut mit ausdauernder, in der Jugend einfacher, kegelförmiger, im späterenAlter verästelter, 20—40 cm langer, l'/ 2 —2 cm dicker, fleischiger, stark milchender, aussen gelblich-brauner, innen weisser, meist vielköpfiger Wurzel. Blätter länglich oder lineal-lanzettförmig kahl oderauf der Unterfläche der Mittelrippe wenig behaart, schrotsägeförmig mehr oder minder tief gespalten,mit dreieckigen, mehr oder weniger spitzigen, grösstentheils gezähnten, jedoch auch ganzrandigen Ab-schnitten. Blumenschäfte einköpfig, hohl, kahl oder etwas wollig. Achänen lineal-verkehrt-eiförmig,nach oben spitz höckerig, der ungefärbte Theil des Schnabels länger als der gefärbte Theil der Achäne.
Die Pflanze variirt sehr und zwar:
a. genuinum Koch ( Leontodon Taraxacum Poll.) grasgrün, schrotsägeförmige Blätter mit dreieckigen, meistganzrandigen Zipfeln. Höllkelchblätter sämmtlich linealisch, die äussern abwärts gebogen.
b. Taraxacum glaucescens M. B. meist blaugrün. Blattzipfel meist gezähnt. Hüllblätter linealisch oder dieäusseren lanzettförmig, letztere horizontal abstehend.
c. Taraxacum corniculaUtm DC. unterscheidet sich von b nur durch den schwieligen Höcker, welchen dieinneren Hüllblätter unter der Spitze tragen.
d. Taraxacum alpimrn Hoppe. Aeussere Hüllblätter eiförmig, abstehend.
e. Taraxacum taraxacoides Hoppe. Aeussere Hüllblättchen eiförmig, zugespitzt, angedrückt, innere mitgehörnter Spitze.
f. Taraxacum lividum W. K. (Taraxacum palustre Sm.) wie e, die inneren Hüllblättchen nicht gehörnt; mitdicklichen, blaugrünen, ungetlieilten, lineal - lanzettförmigen, ganzrandigen oder kleingezähnten Blättern: Leontodonsalinum Poll, und buchtig-schrotsägeformigen Blättern: Leontodon erectum Hoppe.
g. Taraxacum leptocephalum Rchb. wie f, die äusseren, lanzettförmigen Hüllblättchen an der Spitze zottig-bärtig.
Anatomisches : Die getrocknete, braun-graue, innen weisse, spiralig-längsrunzelige Wurzel zeigt auf dem Quer-schnitte eine dem Durchmesser des Holzkörpers mindestens gleichkommende dicke Binde und den kaum sichtbar strahligen,gelben Holzkern mit fast verschwindendem Marke. Das Parenchym der von einer dünnen Korkschicht bedeckten Rindebesteht aus 10—30 schmalen, nach aussen grosszelligen, nach innen kleinzelligen, concentrischen, von zahlreichenMilchröhren- und Siebröhrenbündeln durchsetzten Kreisen, die aus durchschnittlich 16 Reihen dünnwandiger, in axilerRichtung lang gestreckter Zellen zusammengesetzt sind. Die Milchröhren bestehen aus langen, dünnen, reichver-zweigten, nur innerhalb ihrer Kreise aufsteigenden Schläuchen, in denen die eingetrocknete Milch als feinkörnige,bräunliche Masse abgelagert ist. Der Holzkern zeigt auf dem Querschnitte zahlreiche, ungleich weite, oft gelbes Harzenthaltende Netztracheen mit dazwischen unregelmässig eingebettetem Parenchym.
Verbreitung. Auf Wiesen, Triften und an Wegerändern bis in die Alpenregionen über dieganze nördliche Erdhälfte verbreitet.
Name und Geschichtliches. Der Name Leontodon ist abgeleitet von ktor Löwe undödovs, odomg Zahn, wegen der zahnartig eingeschnittenen Blätter. Taraxacum (bei den alten arabischenAerzten Taraksliagan) soll gebildet sein ans raqa^ig, womit die Aerzte des Mittelalters ein Augenübelbezeichneten, gegen welches der Milchsaft der Pflanze angewendet wurde. Nach anderen ist der inRede stehende Name abgeleitet von xaqaaaüo beunruhigen (das heisst durch Abführen den Leib be-unruhigen) oder von raQaizig Unruhe und ä/Jouat heilen (Leibschmerz heilen). Schon Theophrastusbeschreibt den Löwenzahn unter dem Namen Abhalte (abgeleitet von q>a/.og oder (/a/.i. Linse, wegender günstigen Wirkung auf Sommersprossen und Leberflecken), doch erhalten wir bezüglich seinermedizinischen Benutzung erst durch arabische Schriftsteller (Avicenna 980—1037 und Serapion 9. oder10. Jahrhundert) bestimmte Nachrichten. In den Werken der beiden genannten arabischen Aerzte wirdder Name Taraxacum (Tarakshagan) zuerst genannt. Den Aerzten des 16. Jahrhunderts war (nachWittstein) die beruhigende und einschläfernde Wirkung der Pflanze bereits bekannt. Leonhard von