Atropinum.
517
circa 80° behufs Coagulirung des Eiweisses erhitzt, dann erkaltet filtrirt undauf je 1 Liter mit 4,0 Gm. trocknem Aetzkali, in Wasser gelöst, und 30,0 Gm.Chloroform versetzt und durchschüttelt. Das mit grüner Farbe sich absetzendeChloroform wird abgeschieden, die wässrige Flüssigkeit nochmals mit einergeringeren Menge Chloroform ausgeschüttelt, das Chloroform mit Wasser ge-schüttelt und abgewaschen und aus einer Retorte im Wasserbade abdestillirt.Der Rückstand wird mit schwefelsäurehaltigem Wasser behandelt und aus derschwefelsauren Lösung das Atropin durch Kalicarbonat ausgefällt. Durchwiederholte Krystallisation aus absolutem Weingeist wird das Atropin gereinigt.Die Ausbeute beträgt 0,07 — 0,09 Proc. vom frischen Kraute. Auch aus ge-trocknetem Kraute lässt sich Atropin mit Vortheil darstellen.
Die Darstellung des Atropins aus der Wurzel geschieht nach Pkoctebin folgender Weise. 1000 Th. gepulverte Wurzel werden im Verdrängungs-apparat mit Weingeist extrahirt, bis das Filtrat 6000 Th. beträgt. Demselbensetzt man 50 Th. gelöschten Kalk hinzu, macerirt unter Umschütteln 24 Stunden,nimmt die alkalische Reaction der Flüssigkeit mit verdünnter Schwefelsäureweg, filtrirt und verdunstet bis auf 150 Th. Auf der syrupdicken Flüssigkeitsehwimmt das fette Oel der Wurzel in Gestalt eines krystallinischen Ueber-zuges. Man verdünnt den Syrup mit 200 Th. Wasser, filtrirt ihn durch einvorher genässtes Filter und wäscht so lange nach, bis das Filtrat ungefähr380 — 400 Th. beträgt. Das Filtrat schüttelt man mit 50 Th. Chloroform(worin sich das schwefelsaure Atropin nicht löst). Das Chloroform scheidetman ab, setzt der Flüssigkeit wiederum 75 Th. Chloroform, dann soviel Aetz-kalilauge hinzu, bis eine alkalische Reaction hervortritt, und schüttelt wiederholttüchtig um. Man lässt nun das mit Atropin beladene Chloroform absetzenund sondert von dem Deeanthat das Chloroform durch Destillation. Daszurückbleibende Atropin wird schliesslich in wasserfreiem Weingeist gelöst, mitThierkohle geschüttelt und der Krystallisation überlassen. Ausbeute beträgt0,3 Proc. der getrockneten Wurzel. Aus 2—3jährigen Wurzeln kann dieAusbeute auch 0,4 Proc. erreichen.
Das auf eine oder die andere Weise gesammelte Atropin in Krystalle zuverwandeln gelingt sehr schwer, so lange dem Atropin Wasser anhängt. Esist daher wesentlich, das trockne Atropin in der 7 — 8faclien Menge heissem,möglichst wasserfreiem Weingeist zu lösen und diese Lösung in flachen Ge-fässen an einem völlig trocknen und kaum lauwarmen Orte langsam abdunstenzu lassen. Unter diesen Umständen lässt sich das Atropin in glänzende, gutausgebildete nadeiförmige Krystalle überführen. Aus wasserfreiem Weingeist,wie man solchen im Handel findet, krystallisirt es nicht, der langsam einge-trocknete Rückstand bildet dann zerrieben eine krystallinisehe, meist scheinbaramorphe Masse.
Eigenschaften. Das Atropin des Handels bildet ein geruchloses, gewöhn-lich gelblich-weisses oder weisses grobes Pulver, selten farblos«?, seidenglän-zende, nadeiförmige Krystalle, von unangenehmem, ziemlich bitterem, anhalten-dem Geschmack. Es ereignet*sich nicht selten, dass das käufliche Atropin,obgleich farblos gewonnen, sich mit der Zeit ganz oder theilweise blass bisdunkel violettroth färbt. Die Ursache dieser Färbung ist nicht bekannt, viel-leicht ist ein Chromogen von alkaloidischer Beschaffenheit gegenwärtig, welchessich nur in einzelnen Theilen der Belladonna vorfindet. Ein solches violett-farbiges Atropin verbessert man in der Weise, dass man es zerrieben in einemporcellanenen Kasseroi oder einem weiten Reagircylinder mit der 8—lOfachenMenge Aetzammon übergiesst und damit einige Augenblicke kocht. Nach dem