Druckschrift 
1 (1876)
Entstehung
Seite
512
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

512

Asparagus.

Die Spargelwurzel ist nur noch in Frankreich officinell. Nach Duloxgenthält sie ein gelbes Harz, Glykose, Dextrin, wenig Bitterstoff, Eiweiss etc.(aber kein Asparagin). Sie wird im Herbst gesammelt. Man hält sie nurgeschnitten vorräthig.

Turiones Asparagi juniores, Spargel, frische Spargelsprossen. Diese ent-halten nach Robiquet Asparagin, ein scharfes Harz, Extractivstoff, Salze etc.

Anwendung. Die Spargelwurzel und die frischen Sprossen regen dieNierensecretion an und wirken beruhigend auf die Bewegungen des Herzens.Sie finden (oder fanden) daher Anwendung bei Hautausschlägen, Haut- undBauchwassersucht, Blasenlähmungen, Herzkrankheiten etc. Die Spargelsprossensind bekanntlich eine gesuchte Speise, welche erregend auf die Harn- undGeschleehtswerkzeuge wirkt und dem Harne einen eigenthümlichen Geruchglebt. Die Spargelsamen wurden vor 70 Jahren als Kaffeesurrogat gebraucht.

Extractuni Asparagi wird aus dem Safte der jungen Spargelsprossenwie das Belladonnaextract bereitet. Dosis 1,0 1,5 2,0. Ausbeute 2 Proc.des Saftes.

Syrup us Asparagi. A. Der frisch ausgepresste Saft der Spargelsprossenwird bis zu 90° C. erhitzt, durch Coliren von dem Gerinsel befreit. 10 Th.des gereinigten Saftes werden mit 19 Th. Zucker zum Syrup gemacht. DieserSyrup ist in Frankreich officinell. B. Einen haltbareren Syrup erhält man,wenn man 10 Th. des frischen Saftes mit 3 Th. Weingeist versetzt, einigeTage stehen lässt, filtrirt und dann 10 Th. des Filtrats mit 17 Th. Zuckerzum Syrup macht. Dosis 10,015,020,0.

Asparagina, Asparaginum, Asparagin, illalamiil (0|lL,N 2 0 :s ) wurde 1805 vonVauquelin und Robiquet in den Spargelsprossen aufgefunden, es hat sichaber herausgestellt, dass das Asparagin in der Pflanzenwelt ziemlich verbreitetist. Am vortheilhaftesten stellt man es aus der getrockneten Altheewurzel,welche circa 2 Proc. enthält, dar.

100 Th. klein geschnittene getrocknete Altheewurzeln werden wiederholtmit kaltem Wasser extrahirt und die colirten Auszüge bis zur dünnen Syrup-dicke (bis auf 35 40 Th.) eingedampft und mehrere Wochen an einen kaltenOrt gestellt. Die gebildete krystallinische Kruste wird gesammelt, mit kaltemWasser abgewaschen, dann in circa der fünffachen Menge kochendem Wassergelöst und zur Krystallisation bei Seite gestellt. Sind die Krystalle nichtgenügend farblos, so behandelt man sie mit gereinigter Thierkohle.

Eigenschaften. Das Asparagin bildet luftbeständige, wasserhelle, rhombischeSäulen, welche Wasser enthalten (C^gNjOä + H 2 0). Es ist geruchlos und vonfadem, widerlichem, Ekel erregendem Geschmack. Es ist löslich in 60 Th.Wasser von mittlerer Temperatur, in 5 Th. kochendem Wasser, 800 Th.90procentigem Weingeist, unlöslich in absolutem Weingeist, Aetlier, Chloro-form etc., dagegen leicht löslich in verdünnten Mineralsäuren und Lösungender Alkalien. Beim Erhitzen bis auf 100° verliert es das Wasser und bei200° bräunt es sich.

Anwendung. Das Asparagin soll in grossen Gaben Ekel und Erbrechenhervorrufen, in Gaben zu 0,30,5 0,7 diuretiscli und auf die Herzbewegungberuhigend wirken, ähnlich der Digitalis, aber nicht die Magenschleimhautreizen und Congestionen. nicht begünstigen. Jacobi und Falk vermochten diegepriesenen Wirkungen nur in sehr schwachem Grade zu erkennen. Zigabelli