TROTULA — TROUSSEAU. 17
Tlieil eines grösseren , die ganze Pathol. und Therapie behandelnden Werkes, unddaher ist es erklärlich, dass sieh, ausser dem in dem Titel der Abhandlung genanntenGegenstande (einschliesslich der Pädiatrik), noch manche andere, ausser jedemZusammenhange mit der Gynäkol. stehende Fragen besprochen finden. Uebrigensgiebt die Schrift ein Zeugniss von dem traurigen Zustande, in welchem sich dieGeburtshülfe in jener Zeit befand.
de Renzi, Collect. Salernit. I, pag. 149 — 161. — v. Siebold, Versuch einerGesch. der Geburtsh. Berlin 1839, I, pag. 314. \ jj
Trousseau. Armand T., berühmter französ. Kliniker, geb. 14. Oct. 1801in Tours, studirte zuerst in seiner Vaterstadt unter Bretonneau und bildete sichschon hier unter seiner Leitung am Höp. g6ner. besonders in der klin. Beobachtungaus. Darauf ging er nach Paris, promovirte daselbst 1825, wurde 1826 Agregeder Facultät, erhielt 1828 von der Regierung den Auftrag, die in einigen südl.Departements Frankreichs herrschenden Epidemieen und Endemieen zu studiren undnahm noch in demselben Jahre an der Commission Theil, die mit dem Studiumdes gelben Fiebers in Gibraltar beauftragt war. Als das Resultat dieser Expeditiongab er, zusammen mit den übrigen Commissionsmitgliedern Chekvin und Louis,die „Documents recueillis par la commission frangaise envoyie a Gibraltarpour observer la fi'evre jaune qui a regne dans cette place" (Paris 1830, 2 voll.)heraus. 1831 wurde er im Concurs Med. des höp. und wirkte seit 1832 als Arztim Bureau central, sowie am Hötel-Dieu in der Abtheilung von Recamier . 1837erhielt er für seine classische Arbeit: ,, Tratte pratique de la phthisie laryngee,de la laryngite chronique et des maladies de la voix" (Paris; deutsch vonG. Schnackenberg , Quedlinburg 1838; von Romberg , Leipz. 1839; engl. Phila-delphia 1839) den grossen Preis der Acad. de m6d. 1839 wurde er Arzt amHöp. St. Antoine und erlangte nach einem glänzenden Concurse den Lehrstuhl derTherapie und Arzneimittellehre an der Pariser med. Facultät. Er zeichnete sichin dieser Stellung durch sein eminentes Lehrtalent, namentlich durch seine klare,leichte und fesselnde Vortragsweise, aus. Auch bestätigte er den ihm voraus-gegangenen Ruf als tüchtiger und kluger Arzt und Diagnostiker vollkommen.1850 wurde er Prof. der med. Klinik, Arzt am Hötel-Dieu, 1856 Mitglied derAcad. de med. In seinen letzten Lebensjahren war er schwer leidend und musstevielfach seine ärztl. und akad. Thätigkeit unterbrechen. Er starb 27. Juni 1867.Seine wichtigsten Schriften sind folgende (zusammen mit H. Pidoux): „Tratteelement. de therapeutique et de matiüre medicale " (2 voll., Paris 1836—39 ;6. ed. 1858; 8. ed. 1868—70; in's Engl., Span, und Italien, übersetzt); fernerdie Schriften über Tracheotomie bei Croup, die er bekanntlich zum 1. Mal inParis vollzogen hat, wie er denn überhaupt sich besondere Verdienste in Beziehungauf die Lehre vom Croup und die Anwendung der Tracheotomie bei dieser Krank-heit erworben hat: „ Nouvelles recherches sur la tracheotomie pratiquee dansla periode extreme du croup" (Ib. 1851; Separatabdruck aus der Union med.),worin die Resultate seiner Erfahrungen mit dieser Operation geschildert werden —„Du tubage de la glotte et de la tracheotomie" (Paris 1851) — „Gliniquemedicale de l'Hötel-Dieu de Paris" (2 voll. 1861), sein Hauptwerk, bei dem ergerade mit Herausgabe der 3. stark veränderten Auflage beschäftigt war, als erstarb. Die ersten 2 Bände konnte er selbst noch durchsehen, die Vollendungdes 3. erlebte er nicht mehr. Dieser letztere Band beginnt mit der Schilderungdes von ihm selbst zuerst genau präcisirten Krankheitsbildes der „Vertige stoma-cale" (Vertigo a stomacho laeso). Bekanntlich war T. ein Meister künstlerischerDarstellung der Krankheitsfälle und wusste der Schilderung mitunter förmlich denReiz eines novellist. Stoffes zu verleihen. Zahllose Aufsätze rühren ferner von T.her in den Archives gener. de med. der Jahre 1826—32, sowie in verschiedenenanderen Journalen. Unter diesen ist von einer gewissen Bedeutung die 1856publicirte kleine Abhandlung: „Sur la fievre typhoide", wo er auch die besonderenBiogr. Lexikon. VI. 2