PURMANN. - PUSCHMANN.
641
Militärdienst trat und verblieb 9 Jahre in diesem Dienste, in weichein er 1675Regimentsfeldscheer wurde. Der Krieg führte ihn nach dem Westen Deutschlands(Elsass, Westfalen), wo er besonders auch in der Civilbevölkerung als Wundarztgefeiert wurde, und dann nach Norden, gegen die Schweden. Hier sammelte erwerthvolle kriegschirurgische Erfahrungen, namentlich auch 1677 vor Stettin inBezug auf die schweren Verletzungen durch gläserne Granaten. 1678 kam seinRegiment nach Stralsund und von hier aus siedelte er, nach dem Frieden vonSt. Germain, 1679, den Dienst verlassend, nach Halberstadt über. Hier fand erbald als Stadtwundarzt, in Folge der 1680 aus Eisleben und Magdeburg einge-schleppten Pest, an welcher er 1681 selbst erkrankte, reichliche Gelegenheitsegensreich zu wirken. 1685 kaufte er sich eine Officin in Breslau und verliessHalberstadt, um 1690 zum Stadtarzt seines neuen Aufenthaltsortes erwählt zuwerden und wiederum als Wundarzt einen ungewöhnlichen Ruf zu geniessen.P. war, wie aus seinen unten zu erwähnenden Schriften hervorgeht, ein allgemeinnicht besonders gebildeter Mann, aber er zeigte natürlichen Verstand, volle Be-herrschung des wundärztlichen Faches und vornehmlich operative Meisterschaft.Er behandelte die Schusswunden noch mit Speckstäbchen (Meissein) oder liebermit Wieken aus Zupfleinwand und empfahl bedingungsweise die blutige Erwei-terung. Zur Ausziehung der Geschosse bediente er sich löffelartiger Kugelzangenund verwarf Kugelbohrer und -Schrauben. Die Unterbindung wandte P. seltenan, öfter die gebräuchlicheren blutstillenden Präparate mit Zupfleinwand ; er kannteaber die Umstechung. Ferner übte er die Sehnennaht; die Entfernung des Blutesbei eindringenden Brustwunden bewirkte er nach damaligem Gebrauche u. A. durchAussaugen. In der Ausübung der Amputationen und Exarticulationen folgte erdem Gebrauche seiner Zeit. Er führte 1668 die erste Transfusion in Deutsch-land, und zwar in Glogau mit Lammblut an einem Aussätzigen aus. Die Trepa-nation hat er bis 1684 40mal vollführt; 2mal endlich, 1670 und 1678, hat erdie Wirkung von Infusionen, welche er an sich selbst vornehmen liess, geprüft.Er starb 1721. Seine Schriften sind folgende: „ Der wahrhaftige Feldscherer,oder die wahrhafte Feldscherkunst" (Halberstadt 1680; 1682; Frankf. u. Leipz.1690; 1693 ; 1705; Jena 1721) — „Aufrichtiger und erfahrener Pestbarbirer etc."(Halberst. 1683; Frankf. u. Leipz. 1700; Leipz. 1705; 1715; 1721) — „An-weisung joestilentiaIische Brüche zu kennen und zu curiren" (Leip. 1686) —„Chirurgischer Lorberkranz, oder grosse Wundarzney etc." (Halberst. 1685, 4. ;Frankf. u. Leip. 1692, 4.; Breslau 1705, 4.) — „Fünfundzwanzig sonderbareSchusswundencuren" (Breslau 1687 ; 1693; Jena 1721) — „50 sonder- undwunderbare Schusswundencuren" (Frankf. u. Leipz. 1693; 1703; Liegnitz 1703;Frankf. 1721) — „Chirurgia curiosa u (Frankf. 1694, 4.; Jena 1716, 4.; engl.London 1706, fol.) — „Guriosae observationes chirurgicae" (Jena 1710, 4.) —„Ausführlicher Unterricht und Anweisung wie die Salivationscur etc." (Frankf.u. Leip. 1700).
Biogr. méd. V, pag. 513. — Diet. hist. JIT, pag. 763. — Billroth, Histor. Studien,pag. 26 u. ff. — Ha es er, Gesch. d. Med. 3. Aufl., II, pag. 421 u. 442. — DeutscheZeitschr. f. prakt. Med. 1878, pag. 418 ff. H. Frölich.
* Puschmann, Theodor P., zu Wien, geb. 4. Mai 1847 zu Löwenberg,absolvirte die med. Studien an den Hochschulen zu Berlin, Marburg, Wien undMünchen und vervollständigte seine Allgemeinbildung durch längeren Aufenthaltin England, Frankreich und Italien, übte in Aegypten und, nachdem er währenddes deutsch-französ. Krieges in einem Reservelazareth als freiwill. Arzt Dienstegeleistet hatte, in München die Praxis aus, bis er sich an der Universität Leipzigfür Geschichte der Med. habilitirte. Von dort wurde er 1879 als Prof. diesesFaches nach Wien berufen. Er gab die Werke des griech. Arztes Alexandervon Tkalles (2 Bde., Wien 1878, 79) nach den Handschriften im griech. Original-text mit deutsch. Uebersetzung heraus, verfasste, ausser verschiedenen Aufsätzenfür die Beilage der Allgemeinen Zeitung (München), die Gegenwart, die deutscheBiogr. Lexikon. iv. 41