Druckschrift 
Pyrmont und seine Umgebungen : mit besonderer Hinsicht auf seine Mineralquellen ; historisch, geographisch, physikalisch und medicinisch dargestellt ; Mit einer topographisch-geognostischen Karte
Entstehung
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Tlt. 4

Bad Armen!, sein Name und sein Wopmn

Seit Jahrhunderten streitet die Gelehrtenwelt darüber. seitwann der Name Pyrmont besteht und wovon er abzuleiten sei.Die verschiedensten, zum Teil auf recht lebhafter Phantasie be-ruhendem Kombinationen und Mutmaßungen sind entstanden.In alten Urkunden findet sich für Pyrmont die SchreibweiseK „Permum", „Perr-emunt", „Permont", „Perremont" und „Pere-

munt". Eine andere Schreibweise ist „Piermunt", „Piermont" und„Pierrsmont". Indessen läßt die Deutung und Ableitung des zwei-silbigen Wortes Pyr-nwnt und der älteren Schreibweisen des-selben verschiedenen Möglichkeiten den Weg offen und es fälltschwer, sich für die «ine oder andere Auslegung zu entscheidenUm die den einzelnen Silben beizumessende Sinnbedeulungbewegt sich der Streit. Bedeutet die Endsilbe mont oder muntsoviel als Berg oder ist sie in Verbindung zu bringen mit demmittelhochdeutschen mund — der Mund, die Mündung, die Oeff-nung, wie Angermünd, Gemünd usw.? Die Vorsilbe Pyr, Pere,Perre, Pier, Pierre bereitet den Auslegungsversuchen schon Fro-here Schwierigkeiten. Man hat versucht, sie in Zusammenhangzu bringen mit dem lateinischen per — durch und mons — Berg(Pyrmont d. i. „durch den Berg"), mit Petrimons — Petersberg,mit petra-munt — Felsspalte und dem französischen pierremont— Steinberg.

Erzbischof Philipp von Köln erbaute 1183 auf dem Schellen-berge oberhalb von Bad Pyrmont ein Schloß, welches er zu Ehrendes Apostels Petrus „Petrimons" nannte. Aus Petrimons könntedurch Wortbicgung und Zusammenziehung Peremon -t, Pyrniontusw. gut entstanden sein. Diese Deutung wäre sogar die Nächst-liegende, doch lassen vorhandene Urkunden keinen Zweifel dar-über bestehen, daß der Name Peremunt, Peremont, Piremontschon vor der Erbauung des Bergschlosses durch den Erzbischasvon Köln bestand.

Da Pyrmo-nt in einem weiten, allseitig von Bergen um-schlossenen Rundtale liegt und nur zwei Osffnungen in dieserBergkette in südwestlicher und östlicher Richtung, durch die auchdie Emmer ihren Weg nimmt, den Zugang zu diessm Tale ge-statten, liegt der Gedanke nahe, Pyrmont von dem lateinischenper — durch und mons — Berg abzuleiten.

Andere halten es für möglich, daß der Name Pyrmont inursächlichem Zusammenhang mit den Quellen selbst steht. DieQuellen waren, wie es die Brunnenfunde von 1863 beweisen,den Bewohnern des Landes schon zu Anfang der christlichenZeitrechnung, wenn nicht sogar früher, bekannt und wurde ihnenvon diesen göttliche Verehrung erwiesen. Auch die spätere Zeithielt sie für heilig. Darauf hin deuten die alten Bezeichnungen„der hyllige Born" und das Gelände, auf dem sie entsprangen,nannte man „den heiligen Anger". Vermutlich entströmten sieeiner Fettpalte, und so denkt man sich aus Petra — Fels unddem mittelhochdeutschen munt (althochdeutsch mund), das WortPyrmont hervorgegangen. Petramunt bedeutet „Felsöffnung",„Felsspalte", „Felsenquellen".

Nun kommen wir zu jenen Erklärungsversuchen, die den Be-weis erbringen wollen für «ine andere, nicht mit der natürlichenLage und Beschaffenheit oder den historischen Verhältnissen derGegend zusammenhängenden Entstehung des Namens Pyrmont,wonach es sich um eine völlig fremde, irgendwo entstandene undübernommene Bezeichnung handelt. D^r Name des Grafen, denKarl der Große bei der Einteilung des Sachsenlandes in Gauefür den die Gegend von Pyrmont umfassenden Gau einsetzte, istuns nicht bekannt. Man vermutet, daß Karl hierfür einen ausFrankreich stammenden Grafen ausersehen hatte. Die in altenUrkunden erwähnten Comites de monle lapideo feien mit denComites de Pyrmont identisch. Danach habe der Kaiser einenGrafen von Pyrmont selbst eingesetzt. Wollte man diese Ansichtals die unbedingt richtige gelten lassen, so hätte die Grafschaftihren Namen von dem ersten Grafen erhalten und nicht umge'kehrt, wie vielfach angenommen wird, wären die Grafen nach demLande, über das sie ihre Herrschaft ausübten, benannt worden.Wäre damit der französische bzw. gallische Ursprung des NamensPyrmont erwiesen, so hätte das Land den Namen von einemGrasen „Steinberg" angenommen.

Nun noch ein Hinweis auf ein paar Merkwürdigkeiten, diemöglicherweise mit dem Namen in Beziehung stehen:

Wie bekannt sein dürste, führten die Grafen von Pyrmontals Wappen ein rotes Ankerkreuz auf silbernem Felde. Die Für-sten von Waldeck naymen dieses Wappen 1630 in das ihrige aufund später wurde das Kreuz zur Schutzmarke des Bades Pyrmontund ist heute auf allen Veröffentlichungen des Bades zu finden.Das gleiche Ankerkruz in silbernem Felde finden wir bei einemalten französischen Adelsgeschlecht, dessen bedeutendster Vertreter,der Vicomte Francois d'Abusson, Duc de la Feuillade, Mitte des17. Jahrhunderts lebte, und auf goldenem Felde war es dasWappen der aus der italienischen Landschaft Piemont stammen-den Grafen Broglie.

So ist der Phantasie größter Spielraum für alle erdenklichenKombinationen über die Entstehung des Namens gegeben.