ZINNCHLORÜR — ZOOMAGNETISMUS 335
ten, sondern wo die Aufnahme, mit einer etwas erhöhten Prämie, unbedenk-lich scheiut. Denn obwol man Geisteskranken nicht gerade einen Anspruchauf ausgezeichnet langes Leben zugestehen wird, vielmehr eine Gefahr durchHinzutreten von Schlagfluss, Lähmung u. s. w. nicht abzuleugnen ist, so findetman doch, dass viele Irre ein hohes Alter erreichen. Da aber über Geistes-kranke in den verschiedenen, ihnen gewidmeten Heilanstalten zum Theil seitgeraumer Zeit, genaue Listen und Register geführt worden sind, so wird esbei ihnen am wenigsten schwer sein, über die mittlere Dauer der verschie-denen Arten von Geisteskrankheiten und über ihren Einfluss auf die Dauerdes Lebens überhaupt mehr ins Reine zu kommen. In den Listen der ver-schiedenen Anstalten in den Werken einiger Schriftsteller scheinen bereitsziemlich genügende Materialien vorhanden zu sein, um den Lebensverkür-zungseinfluss der verschiedenen Arten von Seelenstörungen (s. d. Tb. II. S.715) zu schätzen und darnach die nöthige Prä mienerhöhung auszumitteln.Froriep wünscht Beobachtungen über die einzelnen Krankheiten solcher Stände,die bekanntlich ein hohes Alter erreichen, als Jäger, Schullehrer etc. undumgekehrt; auch ist er überzeugt, dass, wenn die obern Staatsbehörden Un-tersuchungen über die Lebensdauer im Verhältnis» zu einzelnen Krankheitenanordneten, die Sache bald weiter ins Klare kommen würde.
Zlnnchlortir, s. Th. II. S. 592.
Kooinagnetlsinus. Recht erfreulich ist es, dass die bessern An-sichten über den Lebensmagnetismus, die Vorsicht, mit welcher Somnambulegeistig und somatisch behandelt werden müssen, ohne dass sie Schaden auLeib und Seele nehmen, äich mehr und mehr verbreiten. So lesen wir eineinteressante Abhandlung darüber vom Prof. Lippic/i, welche die Überschriftführt: „Die Somnambule von Dobrova. Ein Gegenstück zur Seherin vonPrevorst" (.7. N. v. Raimann, medic. Jahrbücher des österr. Staats. Bd.27. St. 1. S. 58.). Der hier mitgetheilte Fall war ein sog. spontaner Som-nambulismus mit Dämonopsie in den Anfällen. ,,Der glückliche Ausgang, dievollkräftige einfache Individualität der Kranken (welche nach erfolgter Ge-nesung in die prosaische Sphäre einer Dienstmagd übertrat) — die dem Flugeder Phantasie und der weiblichen Eitelkeit entgegenstrebende, alles Aufsehenund Übertreiben vermeidende Behandlung, — dabei der Mangel alles mythi-schen Dunkels und mystischen Dünkels, — Alles dies und noch Anderes, be-rechtigt mich — sagt sehr wahr Lippich — diesen Fall ein Gegenstück zuder bekannten Seherin zu nennen." Er lehrt überzeugend, dass es grössten-theils im Ermessen und der Macht des Arztes steht, Überschätzungen, dienicht ohne Nachtheil für die Kunst, wie für die Menschheit sind, zu gestat-ten, hervorzurufen, oder zu vermeiden. Sehr weise spielte L. hier mehr dieRolle des Beobachters, als die des Erforschers und er gebrauchte aus psy-chischen Rücksichten den sog. magnetischen Rapport (der bei ächten psychi-schen Curen zwischen Arzt und Kranken, sowie zwischen Erzieher und Kin-dern etc., nach ihm sich von selbst entwickelt) nur dazu, um durch dessenEinfluss dein von selbst entstandenen, durch äussere Umstände irregeleitetenHange zum Traumleben (man bestürmte früher die Kranke, Fremden undBekannten wahrzusagen) eine zweckmässigere Richtung zu geben, und da-durch, dass er dem heilsamen Theile dieser kritischen Nerventhätigkeit ähn-lich wirkend in die Hände arbeitete (wie man wol einen kritischen Schweissetc. regelnd unterstützt), die dabei beabsichtigte Naturheilung zu befördern.Aus diesem Gesichtspunkte betrachtet, würde mancher in den Evolutions-epochen auftretende Somnambulismus, manche dahin neigende Neurosenkräm-pfe, Katalepsie etc. gehörig unterstützt und geleitet, nur zum Wohl der Lei-denden ausschlagen; anstatt dass einestheils, so oft vergeblich und verderb-lich, jenen gleichsam immateriellen Krisen durch rohes materielles Eingrei-fen entgegengehandelt wird; anderntheils aber so oft entweder die Liebe zumWunderbaren und unwillkürlicher oder willkürlicher Betrug oder auch unlau-tere Regungen dieses oder jenes Triebes, den Fingerzeig der Natur verrü-