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SYPHILIS
wird. Mir sind zwei Fälle der Art bekannt, wo ein Landmann zwei Kna-ben, von zwei und drei Jahren, durch eine sympathetische Cur Leisten- undHodensacksbrüche heilte, ohne im geringsten an dem Körper des Krankenirgend ein Arzneimittel anzuwenden, oder ohne dass die Phantasie hier hätteim Spiele sein können. Ebenso sind auch sympathetische Curen bei Thierenwirksam. — Es ist die Zeit längst gekommen, wo der einsichtsvolle Arztdie Wirksamkeit solcher Curen nicht mehr bestreiten kann. Es fehlt leider!wie dieses auch der Arzt Lichtenstädt beklagt, nur noch an kritisch gesich-teten Thatsachen über die verschiedenen sympathetischen Cureo, und dahermuss bis jetzt jeder Versuch einer wissenschaftlichen Begründung misslingen.Wir müssen uns hier mit der Überzeugung begnügen, dass die Kraft desGlaubens nicht nur in die rein dynamischen Verhältnisse, sondern selbst indie leibliche Masse tiefer einzuwurzeln vermöge, ohne dass wir die Greuzendieser Wirkung genau bestimmen können, was in der That unmöglich ist;noch weniger werden *ti\r ermitteln können, wie viel an einzelnen dieser Cu-ren Wahres sei, und wie es sich mit dem so häufig irreführenden: Post hoc,ergo propter hoc verhalte. (Eine Ssinmlung solcher Mittel, wie ich sie imLaufe der Zeit von Jägern, Schmieden, Scharfrichtern etc. kennen gelernt,werde ich später im Druck erscheinen lassen, um den zahlreichen Anfragenmehrerer meiner Herren Collegen in Baiern, Sachsen, Würtemberg, Schweiz,Baden u. s. f. mit einem Male zu begegnen.) Schliesslich bemerken wir,dass die Anwendung sympathetischer Mittel der Staat nur Ärzten, keinenLaien erlauben sollte, indem sie der Pfuscherei Vorschub geben und letztereoft unter jener Firma durchläuft.
Syphilis (Zusatz zu Ende d. Artik. Th. II. S. 873). Ehescheidungs-processe wegen verhehlter oder angeschuldigter Venerie lesen wir bei Pyl(Aufsätze IV. p. 114. V. p. 148. VI. p. 124), Amman (Med. crit. p. 13),Zacchias (Quaest. III. 2. Q. 10. Nr. 6), Stahl (Diss. de scorbuti et luis ve-ner. divers, signis. Halae) u. A. m. — 5) Da manchmal mehrere charakteri-stische Zeichen der Krankheit fehlen, da sie oft scheinbare Pausen von meh-reren Monaten, zumal im Sommer, macht (s. Horn's N. Archiv. VI. 1. p. 1)und einige andere Übel mit ihr grosse Ähnlichkeit haben (s. Syphilis spu-ria); so hat der Gerichtsarzt bei Beurtheilung solcher Fälle die grössteVorsicht auzuwenden, um nicht durch möglichen Irrthum das Glück und dieRuhe schuldloser Familien zu stören, oder durch voreiliges Urtheil sich Ver-druss zuzuziehen. 6) Entstand die Syphilis auf ungewöhnlichen Wegen, z. B.bei Geburtshelfern, die eine Venerische entbanden, durch eine Verletzung andem Finger, an den Lippen etc.; so können sich alle Grade der Lustseuchedaraus entwickeln, aber die Geschlechtstheile bleiben beimManne in diesen Fällen stets gesund. Anders ists beim weiblichenGeschlecht; hier entstehen stets an den Genitalien Geschwüre und Tripper,wenn auch auf ungewöhnlichem Wege die Ansteckung stattfand. (S. Heckerin Hufeland'> Journ. Bd. 26, St. 4. S. 99.) So wurde eine Amme durchein venerisches Kind zuerst an den Biüsten angesteckt, und es folgten vene-rische Geschwüre an den Geschlechtstheilen (s. Gardau, Detail de la nou-velle Direction du Bureau des Nourrices de Paris 177J). Eine Hebamme,welche ein venerisches Geschwür am Zeigefinger, mit welchem sie Schwan-gere und Kreisende zu touchiren pflegte, bekommen hatte, steckte 50 Frauen-zimmer an (S. Acta N. C. Vol. 3. obs. 4), ebenso Wurden 5 Männer durcheinen unreinen Aderlassschnepper von einem Wundarzte inficirt. Sie starben,da bekanntlich die auf ungewöhnlichen Wegen erhaltene Seuche die schlimmsteForm abgiebt, nach 1—2 Jahren sämmtlich an Hektik (Ephem. N. C. Dec.2. ann. 5. obs. 51), nachdem sie fürchterlich an nächtlichen Knochenschmer-76(1 gelitten hatten. Auch noch neuerlich sah Sick durch Ansteckung einerHebamme an der Hand Syphilis auf mehrere Frauen und Kinder übergehen.(S. Berliner Vereinszeituog. 1837. Nr. 13.) VanSvieten (Comment. in BoerhaviiAphor. T. 5. §. 1441) erzählt von einer Frau, welche den Kindbetterinnendie Milch aus den Brüsten gesogen, aber ein veneriachea Geschwür im Munde