278 SCHENKELARTERIE — SCHMERZ
in der Leiche. Es fehlen dann, wenn die Verletzung nicht unmittelbar nachdem Tode geschieht, an der frischen Leiche alle Merkmale einer lebendenReaction, die sich durch die Zeichen der Entzündung und ihrer Folgen, durchcongestive Anhäufung, Ausschwitzung oder Ergiessung vönJJIut, plastischerLymphe oder Blutwasser, durch Gerinnung d-es Ergossenen, welches auf derOberfläche eingetrocknete, wie Schuppen wegzunehmende Lagen bildet, durchrothe, mit einem wahren Blutgerinnsel bedeckte, klaffende, geschwollene oderschwielige Mundränder u. s. w. verräth. Indessen treten scheinbar einigedieser Merkmale nach Todesarten, wo das Blut flüssig bleibt, bisweilenebenfalls hervor, doch nur an tiefer liegenden Theilen, wohin sich das Blutnach den Gesetzen der Schwere senkt, da hingegen der congestive oder ent-zündliche Zustand der Blutgefässe, welcher oft in der Nähe der vor demTode entstandenen Sugillation oder Verletzung sich zeigt, nicht auf die ab-hängigste Partie beschränkt ist. Doch können die Spuren der Gegenwirkungan sich sehr gering sein, z. B. bei abgezehrten, schwachen, blutarmen, ma-gern, scheintodten Personen, in gelähmten Theilen oder bei unmittelbar aufdie Verletzung folgendem Tode, — oder die Einwirkung des Wassers oderder Fäulniss haben die Spuren der Verletzung verwischt» (S. Mende, aus-fuhr!. Hdb. d. gerichtl. Medic. Th. 5. S. 213, Th. 6. S. 329 — Klose, Sy-stem etc. S. 406 — Günther in Henke's Zeitschr. d. St. A. K. 1821. Bd.4. S. 269. — Christison , in Harris Archiv, 1819. S. 663) — Zerreissungder Muskeln erfolgt oft schon bei mässiger Ausdehnung, wenn sie, wie z. B.bei alten Leuten, dünn sind, oder wenn sie durch bald eintretende Fäulnissmürbe werden, zumal bei plötzlich, an Tetanus Gestorbenen. Ihr Entstehennach dem Tode geht aus der Abwesenheit einer Blutaustretung an der zer-rissenen Stelle und aus der Ungleichheit der Rissenden hervor. ($. Rudol-phs, Physiologie. Th. II. S. 213, 306—324. Man vergl. die Artikel: Toddurch Erdrosseln, Erfrieren, Erhängen, Erschiessen, Er-schöpfung, Ertrinken etc.
Schenkelarterie, s. Gefässe d. menschl. Körpers.
Schleien, s. auch Willensheilkunde (Nachtrag).
Schilddrusenwunden , s. Verletzungen des Halses.
Schlaffrcden, s. Zoomagnetismus.
Schlafvlsion, s. Ebend.
ScMafwachen, s. Ebend.
Schlafzimmer, s. Wohnungen.
Schlagadern , s. Gefässe d. mensehl, Körpers.
Schmerz, Do/or, ro ctl.yos, rj a).yj]8ö>v, (Franz. la douleur, Engl.the dolor, the pain, the smart. Ital. Ii dolore, la doglia). DerSchmerz ist ein so häufig vorkommendes Symptom der Krankheiten, dassSauvages u. A. nach ihm eine ganze Krankheitsciasse aufgestellt haben. Inder Praxis unterscheidet man entzündliche, nervöse (hysterische, spasmo-dische), rheumatische, gichtische u. a. Arten des Schmerzes, und da jederSchmerz ein subjectives Zeichen ist, so wird er oft in medicinisch - gericht-lichen Fällen, in öffentlichen Kranken - und Strafanstalten, bei der Recru-tirung etc. simulirt, um sich krank zu stellen und dadurch Vortheile zu er-langen, seine Lage zu verbessern, oder sich gewissen Pflichten, z. B. demMilitairdienste zu entziehen. Hier achte der Arzt vorzüglich auf Sitz, Ur-sprung und Verlauf des angeblichen Schmerzes und überzeuge sich vomDasein des Grundübels durch die übrigen in die Sinne fallenden Symptomez. B. bei Entzündungen, Rothe, Geschwulst, Fieber, anhaltender Schmerz,bei Hysterie zugleich Krämpfe, Habitus spasticus; bei Rheuma und Gichtist der Schmerz periodisch, sitzt vorzüglich in den Gliedern, bei inveterir-tcr Venerie tritt er in den Knochen vorzüglich des Nachts auf und cessirt