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2 (1840) L - Z. Supplemente A - Z
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RECRUTIRUNG

verdanke man ihr doch die Kenntniss einiger Thatsachen, welche man alsNaturgesetze ansehen dürfe. Die Regel, diejenigen für dienstunfähig zuerklären, denen das rechte Auge fehle, könne Veranlassung zu Selbstverle-tzungen geben; in England habe die Anzahl der einäugigen Recruten abge-nommen, seitdem dieser Fehler nicht mehr als Grund zur Befreiung vom Mi-litärdienste gelte. Die stethoskopischen Zeichen für Lungen- und Herz-krankheiten seien allein nicht zuverlässig genug, wenn sie nicht durch an-dere Symptome bestätigt würden. Bei simulirten und dissimulirten Krank-heiten sollen dem Militairarzte in gewissen Fällen die Anwendung scbmerz-erregender Mittel gestattet sein, um die Wahrheit zu erforschen; doch darfdieselbe zu keiner Tortur werden. Selbst bei moralischer Überzeugungvon der Verstellung der Recruten darf der Arzt sich nicht mit zu grosserBestimmtheit aussprechen, weil dennoch ein Irrthum von seiner Seite mög-lich ist. In manchen Fällen, wo die Untersuchung kein sicheres Resultatgiebt, bedarf e» des Zeugnisses von Leuten, welche mit dem angeblich Kran-ken umgegangen sind, oder eine längere Beobachtung desselben im Hospitale.

Sämmtliche Gemüthskranke, sagt der Verf., verrathen sich durch ihrengesunden Schlaf; die angeblich am Heimweh Leidenden durch ihren Wider-willen gegen eine strenge Diät. Verstellte Epileptische sind zwar zu entlar-ven, wenn nicht die während des Anfalls nicht erloschene Sensibilität Auf-klärung giebt, da der Betrüger meistens gegen starke Gerüche, Kitzeln derFussohlen, Brennen oder Bespritzen mit kaltem Wasser nicht unempfindlichist, wie der wirklich Epileptische. (Vergl. Th. I, S. 464, wo von Epil. im-perfecta die Rede ist. Most.) Ein Militairarzt erreichte seinen Zweck da-durch, dass er während des Paroxysmus Anstalt machte, den Kranken zucastriren, wodurch, wie er vorgab, das Übel radical geheilt werden könne.Einige Betrüger triumphiren indessen über alle diese Proben, weshalb derArzt auf die Kennzeichen des wahren epileptischen Anfalls zu achten hat;hier ist nämlich der Puls oft, wiewol nicht immer, klein und langsam, wäh-rend er bei simulirten Paroxysmen voll und beschleunigt ist; die Pupille isterweitert, unbeweglich, das Gesicht blau, die Zunge geschwollen, der Mundschäumend; die flectirten Daumen kehren nicht wieder ia diese Lage zurück,wenn es gelingt, sie auszustrecken, während der Betrüger sie nach Aufhö-ren des Widerstandes sogleich wieder beugt. Convulsionen werden häufignachgemacht, aber die Muskeln werden nicht so hart, und die Kraft ihresWiderstandes, sowie die Schnelligkeit ihrer Bewegungen ist geringer, als beiwirklichen Convulsionen. Angeblich rheumatische Schmerzen sind schwervon den wirklichen zu unterscheiden und ihr Verkennen kann böse Folgenhaben, weshalb der Arzt nicht zu strenge sein darf. Amaurose wird häu-fig vorgeschützt; die Unthätigkeit der Pupille ist kein constantes Zeichenderselben; sie kann erweitert und unbeweglich sein, ohne Amaurose, undkünstlich durch Belladonna in diesen Zustand versetzt werden. Die Einwir-kung dieses Mittels hört aber spätestens nach 24 Stunden auf, und nach Or-fila soll das damit behandelte Auge thräaen, was bei wirklicher Amaurosenicht der Fall ist. Der Verf. empfiehlt, sich die Krankengeschichte erzählenzu lassen, da der Verlauf und die Symptome der Krankheit dem Laien sel-ten hinlänglich bekannt sind, ferner darauf zu achten, ob die Farbe der Irisverändert ist, und endlich ein spitziges Instrument dem Auge nahe zu brin-gen, wobei man die Hand auf des zu untersuchenden Individuums Herz legt,welches in der Regel, wenn es ein Betrüger ist, zu zittern anfängt, wennauch der Kopf und selbst das Auge unbeweglich bleiben. Die Kurzsich-tigkeit ist ein sehr häufiger Fehler, und es giebt kein sicheres Mittel sie zuerkennen, denn wenn auch die Brillen in der Diagnose ziemlich sicher leiten,so kann durch lange Übung die Fähigkeit erlangt werden, mit jeder Brilleund in jeder Entfernung zu lesen; auch sind nicht alle Individuen mit vor-stehender Hornhaut kurzsichtig. Augentzündungen werden oft absichtlichdurch scharfe Substanzen erzeugt, und der Betrug ist oft schwer zu entde-cken. Eben so wenig besitzen wir sichere Mittel, siinulirte Taubheit zu er-kennen; nur durch längere Beobachtung und Überlistung gelangt man zuweilen