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OCULUS
runde Pupille; doch ist andererseits die Beschattung durch die florartigwirkenden Wimpern der Netzhaut wohlthuender, als das blosse peripherischeAbschneiden von Lichtbündeln. Die Wimpern sind dabei nicht selbst wahr-nehmbar j die Augenlidspalte unterstützt die Iris und wirkt wie eine will-kürliche, secundäre Pupille. Auch in Bezug auf die Minderung der Zer-streuungskreise wirkt die Augenlidspalte geringer, als die Pupille; eine er-gänzt auch hier die andere, weil der Stand der Pupille nicht immer demBedürfnisse der Deutlichkeit entspricht, daher in solchen Fällen die will-kürlich bestimmbare Augenlidspalte zu Hülfe kommt. Lider und Iris habenalso eine analoge Bedeutung, Lidspalte und Pupille sind bald gleichzeitigverengert, oder erweitert, bald fungirt die eine erweitert, die andere ver-engt; der Grund dieser verschiedenartigen Zustände liegt in Nervenverbin-dungen. In Betreff der Wimpern führt Tourtual Folgendes an. Beim Schlies-sen der Augenlider wird das von den Wimperu zurückgeworfene Licht wahr-genommen : denn sieht man mit blinzelnden Augen gegen ein Kerzenlicht, sobemerkt man alsbald, wie zwei Strahlenbündel aus demselben ausfahren; istgleichzeitig Thränenfeuchtigkeit vors Auge getreten, so erscheinen leuch-tende Striche, die durch Brechung in der Thränenfeuchtigkeit entstehen, inwelchen die vortretenden Augenwimpern gleichsam Abtheilungen bilden; be-findet sich statt der Thränen eine schwache Schleimlage vor der Hornhaut,so entsteht um die Flamme der vors Auge gehaltenen Kerze ein matterLichtschein. — Nachdem die Lebensthätigkeit des Auges hisher vorzugs-weise von der sensiblen Seite, in sofern sie Gesichtsempfindungen und Er-scheinungen vermittelt, untersucht worden ist, hat Joh. Müller auch dieirritable Seite (die Muskelthätigkeit) des Auges beim willkürlichenSehen zum Gegenstande der Betrachtung gemacht. E3 zerfallen hiernachdie Bewegungen der Augen in willkürliche, vom Geiste zum Zweckedes Sehens gebotene, und in unwillkürliche oder automatische, dieentweder in Folge temporarer Oberherrschaft anderer Zustände (Affecte,Leidenschaften, Schmerz, Krampf), oder durch freie Erhebung des selbst-ständigen Eigenlebens des Sehorganes, wie im Schlafe, Schwindel, Todes-kampfe u. s. w., vollzogen werden. Die willkürlichen Bewegungen habenindessen im Sehorgan nicht den Grad der Unabhängigkeit anderer Theile,wie z. B. die Extremitäten. Beim Erwachsenen wie beim Kinde ist dieRichtung der Sehaxe im Schlafe eine nach oben dirigirende, in welchemdie Pupille beider Augen gleich weit nach aussen vom Mittelstande abweicht.Diese Stellung der Augäpfel im Schlafe ist vielmehr einer vitalen Bedingungund zwar einer activen Combination des Muse, rectus superior und externuszuzuschreiben. — Über die Empfindung, welche entsteht, wenn verschieden-farbige Lichtstrahlen auf identische (d. h. ihre Nerven von denselben Gabel-stielen nehmende) Netzhautstellen fallen, hat Volkmanii (Müller's Archiv.1838. 4. H. S. 373) als Resultat dieserhalb angestellter Experimente Folgen-des bemerkt: Wenn zwei verschiedene Farben auf dieselbe Stelle der Netz-haut ein und desselben Auges fallen, so zeigt sich 1) dass oft nur eine derbeiden Farben zur Anschauung kommt, ohne allen Übergang in eine Mittel-farbe. 2) Selbst wenn eine gewisse Mischung der Farbe eintritt, entstehtdoch nur eine gesättigte Mittelfarbe; denn man sieht die eine der beidenFarben mit Hinneigung in die Mittelfarbe und mit dem Anstriche des Schmu-zigen. 3) Sieht man uur eine der beiden Farben, so ist diese, selbst wennsie rein auftritt, doch nicht so beschaffen, wie sie sein würde, wenn keineandere Farbe gleichzeitig zur Wahrnehmung käme. Die Farbe erscheintnämlich heller, oder dunkler, und in beiden Fällen weniger intensiv. 4) Siehtman nur eine Farbe, so nimmt man wahr o) die hellere der beiden Far-ben, besonders wenn die Helligkeit mit Glanzlicht verbunden ist; b) dieFarbe des fixirten Objectes; c) die Farbe, auf welche die Aufmerksamkeitgerichtet ist. In diesen drei Punkten liegen die Momente, welche das Über-gewicht der einen Farbe vor der andern bedingen. Mehrere dieser ange-führten Ergebnisse sind der subjectiven Wahrnehmungsgabe und der Auf-merksamkeit zuzuschreiben, wobei der Wille die Netzhaut in der Art um-