202 LEBENSFÄHIGKEIT — LEIDENSCHAFT
ende: ,,Je mehr Ehen, je grösser die Fruchtbarkeit, — desto grösser istie Sterblichkeit, d. h. desto geringer ist die mittlere Lebensdauer." Undferner: „Die Ehen sind der Regulator des Todes." (Vergl. Moser in denJahrbüchern für wissen«chaftl. Kritik. 1837. Januar.) — Unter mittlererLebensdauer versteht Moser (a. a. O.) die Länge der Jahre, die eine be-stimmte Zahl von Personen gleichen Alters noch zu durchleben hat, dividirtdurch die Anzahl der Personen; dagegen ist wahrscheinliche Lebens-dauer die Zahl der Jahre, nach welcher die Hälfte der Personen abgestor-ben ist.
Ijebcnsfältigkelt, s. Missgeburt.
Iiebeiisstrafen, s. M ilitairstrafen, Strafen und Straf-vollziehung.
Eiebensversicherungsbank, e. Zeugnis», ärztliches.
üebcrwitndeil, S. Verletzungen des Bauches.
Xiebensmagnetisimis. s. Zoomagnetismus,üeidencr ltlau, s. Cobaltum.
IiCidensehaft (Zusatz z. d. Artik. Tb. II. s. 78). Über die Ge-fährdung der Gesundheit und des Lebens durch Erweckung widriger Affe-cten und Leidenschaften hat Diez (s. Schneider '» Annal. d. Staats-A.-Kde.1839. Jahrg. 4. Heft 4 S. 3 u. f.) recht ausführliche und gründliche Unter-suchungen angestellt, und möchte dieser fürs öffentliche Gesundheitswohl so■wichtige Gegenstand nun wol mehr von Seiten der Staatsarzneikunde beach-tet und auch von der Gesetzgebung nicht so gänzlich mehr übersehen wer-den, wie dies zeither, leider! der Fall war. — Sehr richtig zeigt er, dassoachtheilige Einflüsse auf Geist und Gemüth — was jeder Arzt weiss — indemselben, ja noch höherm Grade die Gesundheit des Körpers stören undheftige Krankheiten erregen können, als andere Dinge. „Wie Viele sehenwir nicht — sagt er — am gebrochenen Herzen sterben, und wie viel grös-ser noch würde uns die Zahl dieser Unglücklichen erscheinen, wenn wir über-all in die Geheimnisse der Herzen, und der Familien eindringen, überall dieersten Ursachen dieser langsamen und tückischen Zerstörerinnen der Lebens— der chronischen Krankheiten — zu erkennen vermöchten, welche so vieleBlüthen vor ihrer gänzlichen Entstellung, so viele Früchte vor ihrer gänzli-chen Reife vernichten." Hier deutet er besonders bei jungen Mädchen aufunglückliche, unerwiederte oder getäuschte Liehe, auf unglückliche Ehe, zu-mal durch Rohheit und Lasterhaftigkeit des Gatten, der jeden Augenblickdas Zartgefühl seiner Gattin verletzt, — bei Jünglingen auf den Ehrgeiz,der zur unmässigen Geistesanstrengung anspornt, — bei Männern, die ihrefrühem schönen Pläne und Hoffnungen im wirklichen Leben, nachdem sieihren Studien die besten Säfte und Kräfte geopfert, vereitelt sahen, — wosie ihren redlichen Absichten, ihren eifrigsten Bestrebungen überall Trägheit,Schlendrian und Vorurtheil, oder Eigennutz und Bosheit hemmend in denWeg treten sahen, während glücklichere Günstlinge die Beförderungen undEhrenbezeigungen erlangten, in denen sie die Anerkennung und den Lohnjb.rer Thätigkeit zu finden hofften etc. — Keine Schrift über Diätetik undÄtiologie lässt diesen Gegenstand unberücksichtigt; jeder Arzt weiss, wieKummer und Sorgen, Betrübniss, Kränkung und Verdruss, Zorn, Angst und£5chreck so zahllose Krankheiten und den frühen Tod zur Folge haben. —Aber die Gesetzgeber und Richter sollen diese mehr, wie D. sehr wahr be-merkt, berücksichtigen; und daher macht er — gewiss ein grosses Verdienst.— die Gerichtsärzte darauf aufmerksam, bei ihren Functionen vor den Schran-ken der Gerichte ihre betreffenden Studien und Erfahrungen am Kranken-bette nicht aus den Augen verlieren; denn unter die verschiedenen Wege,Gesundheit und Leben zu gefährden, unter die verschiedenen Arten der Kör-perverletzungeu und der Tödtung, welche die Gerichte zu untersuchen und