Druckschrift 
2 (1840) L - Z. Supplemente A - Z
Entstehung
Seite
147
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

GEHIRNENTZÜNDUNG - GEOFFROEA 147

grosste Vorsicht und die genaueste Erwägung aller Umstände, als: Indivi-dualität des Kranken oder Todten, Entstehung und Gang der Krankheit,herrschende atmosphärische und epidemische Constitution, chemische Analysedes Arcanums, schnelle oder allmälige Verschlimmerung des Kranken, diegleichzeitig genossenen Nahrungsmittel und Arzneien, und deren Einflussauf den Krankheitszustand, die äussere Beschaffenheit des Leichnams, dieschnell oder langsam eingetretene Fäulniss etc. (s. Fäulniss, Gift,Leichnam, Scheinvergiftung), lu den meisten Fällen wird dasResultat ein zweifelhaftes bleiben. Es giebt zwar eine Untersuchung derArt dem Gerichtsarzte ein weites Feld zur Darlegung seiner Kenntnisseund seines Scharfsinnes, dem Defensor des Angeklagten aber ein eben sogrosses Feld zur Entwickelung von zahlreichen Vertheidigungsgründen. DerMissbrauch, der mit solchen privilegirten Geheimmitteln (deren eine grosseMenge in Hamburg, Amsterdam, besonders aber in Paris und London zufinden), z. B. mit drastischen Pillen, von Unwissenden oder Böswilligengetrieben werden kann und häufig getrieben wird, macht ein gänzlichesVerbot dieser Mittel, wie Martini (1. c.) richtig bemerkt, höchst wüu-schenswerth.

Gehirnentzündung, s. Scheinvergiftung.

Ciehirnschlag, s. Ebend.

Gehörnerven, s. Nervensystem.

Geilheit, s. Salacitas.

Geisterlehre, s. Mensch.

Gekröse, s. Verletzungen des Bauches.

Gelenksaft, s. Synovia.

Gelenkfrunden, s. Verletzungen der Gliedmassen.

Gelüste der Schwangern, s. Graviditas, Th. I. S. 715.

Gemächer, heimliche, s. Krankenhaus und Reinlich-keitsanstalten.

Generalintendant, s. Militairstaatsarzneikunde.

Generalkriegscommission, i. Ebend.

Genitalienwunden, s. Verletzungen des Bauches.

Genus humanuni, s. Menschheit.

Geoffroea, s. Geoffroya ( Diadelphia Decandria L. Famil.natur. Leguminosae Juss.). Diese Pflanzengattung enthält südamerikanischeBäume mit unpaar gefiederten Blättern, mit end- oder achselständigen Blü-thenrispen, gelben oder rothen Schmetterlingsblumen, welche einen glocki-gen, 5zähnigen Kelch, 9 verwachsene und einen freien Staubfaden haben;die Hülsenfrucht ist fest, etwas fleischig, einfächerig, einsäumig, zweiklappig;der Fruchtknoten enthält 2— 3 Eichen. Uns iateressirt hier nur die Rindevon 2 Arten dieser Bäume: Cortex Geoffroeae Surinamentü und C. G.Jamaicensii , welche Beide als Haus- und Arzneimittel gegen Spul- undBandwürmer, Askariden, Nervenbeschwerden etc. angewendet werden. Dasowol die pulverisirte Rinde, als das Decoct und Extract drastisch und zu-gleich narkotisch wirken, so können sie leicht Vergiftung erregen. Zufälle:Ekel, Erbrechen, Angst, Kolikschraerzen, Durchfall (selbst blutiger), Tenes-mus, Harnbeschwerden, Delirien. Am reizendsten wirkt die schärfere C. G.Jamaicensis. Hülfsmittel: Viel laues Wasser, schleimige Dinge, Öl,später Essig, Citronensaft mit lauem Wasser. Der Genuss von kaltem Was-ser verschlimmert die Zufälle. Hüttenschmidt fand in der Cort. G. Jam.ein eigenes Alkaloid: das Jamaicin, desgleichen in Cort. G. Sur. das

10*