Druckschrift 
2 (1840) L - Z. Supplemente A - Z
Entstehung
Seite
558
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

558 POMA COLOCYNTHIDIS - PRIMOGENITURA.

auszehrte, fand man, als man ihn nach dem Tode öffnete, im Magen eingrosses Stück Holz, einen hölzernen und einen zinnernen Löffel, ein zugeschla-genes Gartenmesser, mehrere l'/j Zoll laDge Nägel, eckige Stücke Glasu. s. w. (Roux, Journ. de Medec. T. 42). In Hufeland's Journal. Bd. 28.St. 3. S. 107 wird die merkwürdige Geschichte einer Frau mitgethcilt,welche Schiefersteine statt Arznei geooss und 45 Centner davon verzehrthat. Es ist bekannt, dass ganze Nationen Steine, auch Thonerde fressen,z. B. die Neukaledonier Topfsteine. Ein gewisser Tarrari in Frankreichfrass Steine, Nägel, lebende Katzen, Hunde und Schlangen. Als er 17Jahre alt war, verzehrte er in 24 Stunden einst 100 (schreibe hundert) PfundRindfleisch; er soff Blut und ging selbst in die Leichenhäuser, um Leichenzu fressen. Er starb zuletzt an der Auszehrung (da» Loo» fast aller Viel-fresser); in dieser Krankheit wurde seine Haut so weit, dass man sieihm zweimal um den Leib wickeln konnte. (S. Journal de M6decine. Pa-ris 1810.)

Poma Colocynthidls, s. Cucumis Colocynthis Linn.

Poinuin Artami, s. Lungen.

Pons Varolil, s. Gehirn.

Postverltinduiig'eii, s. Krankheiten, ansteckende.

Potentia propagandi , s. Fortpflanzungsvermögen.

Potus, s. Getränke.

Potulenta, s. Getränke.

Ponpart'gches Band, s. Bauchring und Hernia.

Pr aecipltat, rother, s. Quecksilber.

Preusslsch Roth, >. Fabriken.

Primogenitura , Erstgeburt. Ist die Geburt eines Kindes vonZwillingen, Drillingen u. s. w., je nachdem es zuerst oder später geboren,mit gewissen Erb- oder andern Rechten (Fideicommiss, Majorat u. s. w.)verbunden, wie z. B. für den Erstgebornen, so kann dieser Umstand Ge-legenheit zu einer mediciaisch-forensischen Untersuchung geben, und zwarentweder dann, wenn bei der Geburt von Zwillingen, Drillingen u. s. w.eine genaue Bestimmung des Erstgebornen verabsäumt ward und die Kinderschon im vorgerückten Alter oder erst wenige Tage alt sind. Nicht immerwird, wie man wol angenommen, das stärkste Kind zuerst geboren (s. Par-tus prioritas gemellorum), sondern das schwächste; denn die Erst-geburt richtet sich nach der Lage der verschiedenen Früchte im Uterus.Dafür giebt es aber weder bei Neugebornen, noch weniger bei ältern Kin-dern die geringsten Zeichen. Dass das stärkste Kind fast immer für daserstgeborne erklärt worden, ist mehr im Interesse der Familie geschehen,als dass die Natur dabei berücksichtigt worden wäre. Im vorgerücktenKindesalter kann noch weniger durch solche Untersuchungen ein bestimmtesResultat erlangt werden, da selbst das stärker entwickelte Kind bei derGeburt das kleinste und schwächste gewesen sein kann, wenn später derandere Zwilling, der früher der stärkste war, durch Krankheit in der Ent-wickelung aufgehalten worden. Freilich kommen Untersuchungen der Artselten vor; denn sonst würden sie den Gerichtsarzt häufig in Verlegenheitbringen. Am besten handelt er, wenn er bei vorkommenden Fällen der Artausweicht und als Grund dafür offen gesteht, dass physische Meikmale zurAufklärung solcher Fragen nicht ausreichen. (S. Zacchias , Quaest. med.leg. Libr. X. Tit. 5. A. 5. Hebenstreit, Anthrop, for. 1753. p. 210.Haller s Vöries, über gerichtl. Arzneiwissenschaft. Bern 1782. Bd. I. S.23. Ploucquet, Über physische Erfordernisse der Erbfähigkeit der Kinder.1779. S. 122. J. C. Sommer, Geschichte von Zwillingsgeburt. 1788.)