908 Pyridinbasen.
Vulpinsäure: C 19 H 14 0 5 , findet sich in Cetraria s. Evernia vulpina, undkann derselben durch Extrahiren mit Schwefelkohlenstoff oder Chloroform ent-zogen werden. Sie krystallisirt in gelben, durchsichtigen, sublimirbaren Pris-men, die in Wasser und Alkohol kaum löslich sind. Beim Kochen mit Baryt-hydrat spaltet sie sich in Phenylessigsäure (s. S. 740), Oxalsäure und Methyl-alkohol ; beim Kochen mit verdünnter Kalilauge in Methylalkohol, Kohlensäure-anhydrid und die in farblosen, bei 154° C. schmelzenden Prismen krystallisirendeOxatolylsäure: C 16 H 16 0 3 . Letztere zerfällt durch starke Kalilauge in Oxal-säure und Toluol. Durch Erhitzen auf 200° geht die Vulpinsäure unter Ab-spaltung von Methylalkohol in Pulvinsäureanhydrid: C 18 H 10 O 4 , über, wel-ches durch Kochen mit Kalkmilch in Pulvinsäure: C 18 H 12 0 5 , verwandeltwird.
Die Parellsäure: C 9 H 6 0 4 , welche neben Lecanorsäure in Lecanora Parellaenthalten ist; die Barbatinsäure: C 19 H 20 O 7 (Usnetinsäure), der TJsnea bar-bata ; die Lobarsäure: C 34 H 82 0 10 , der Parmelia saxatilis und die Patellar-säure: C 17 H 20 O 10 , der Patellaria scruposa sind nur wenig bis jetzt studirtworden.
Cetrarsäure: C 18 H 10 O 8 (Cetrarin), kommt neben Lichenstearinsäure:C 14 H 24 0 3 , in der als isländisches Moos bekannten Flechte Cetraria islandicavor. Zu ihrer Darstellung extrahirt man die Flechte mit kochendem Alkoholunter Zusatz von etwas kohlensaurem Kalium, fällt den Auszug nach demVerdünnen mit Wasser durch Salzsäure und kocht den mit Wasser gewaschenenNiederschlag zur Entfernung der Lichenstearinsäure wiederholt mit Alkoholvon 42 bis 45 Proc. aus. Die Cetrarsäure ist ein weisses, krystallinisches,bitter schmeckendes Pulver, welches fast unlöslich in Wasser, schwer löslich inkaltem Alkohol und in Aether, leicht löslich in kochendem Alkohol ist. BeimErhitzen zersetzt sie sich.
Die Lichenstearinsäure: C H H 24 0 3 , bildet glänzende, bei 120° C. schmel-zende, nicht bitter schmeckende Blättchen, die unlöslich in Wasser, leicht lös-lich in Alkohol und Aether sind.
L. Pyridinbasen.
Die zur Gruppe der Pyridinbasen gehörenden Verbindungen ent-sprechen der allgemeinen Formel O n II 2 n ~ 5 N. Dieselben finden sich inden theerartigen Producten der trocknen Destillation stickstoffhaltiger,kohlenstoffreicher organischer Verbindungen, wie z. B. des Torfes, derSteinkohlen und besonders der Knochen. Sie treten ferner auf als Zer-setzungsproducte einiger Alkaloide. Auch im Tabacksrauch scheint dieMehrzahl der Pyridinbasen vorzukommen. Synthetisch sind einige der-selben aus den Aldehydammoniaken der Fettreihe dargestellt worden.Die dieser Gruppe von Basen angehörenden Verbindungen sind: