Druckschrift 
2 (1882) Organische Chemie
Entstehung
Seite
894
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

894

Kautschuk.

in eine klebrige Masse. Coneentrirte Schwefelsäure, concentrirte Salpeter-säure und salpetrige Säure wirken rasch zerstörend darauf ein; Chlorund Brom benehmen ihm die Elasticität und machen es hart und spröde.

Das durch Lösen in Chloroform und Wiederausfällen mit Alkoholdargestellte reine Kautschuk entspricht in seiner Zusammensetzung derFormel C 20 H 32 . In dem Rohmateriale scheint es von einem Kohlen-wasserstoffe C 3 H 14 begleitet zu sein.

Das Kautschuk schmilzt bei 120° C. zu einer klebrigen Masse, dieauch nach dem Erkalten erst nach sehr langer Zeit wieder fest wird. Ent-zündetj verbrennt es mit leuchtender, russender Flamme unter Entwioke-lung eines eigenthümlichen, unangenehmen Geruches. Bei der trocknenDestillation des Kautschuks werden gebildet Kohlenoxyd, Kohlensäure-anhydrid, Methan, Butylen: C 4 H S (Eupion, Kautschen), und Kohlen-wasserstoffe (Kautschuköl), welche nach ihren Siedepunkten als Isopren:C S H 8 (Siedepunkt 38° C.), Kautschin: C 10 H li; (Siedepunkt 171°C.), undHeven: (C 5 H 8 ) n (Siedepunkt 315°C.), unterschieden werden. Aus dem Iso-pren kann durch längere Einwirkung von Salzsäure, die bei 0° gesättigt ist,eine Substanz regenerirt werden, die nach dem Auskochen mit Wasserdie Elasticität und die übrigen Eigenschaften des Kautschuks besitzt.

Beim Zusammenschmelzen mit Schwefel oder beim Eintauchen inSchwefellösung nimmt das Kautschuk grosse Mengen von Schwefel aufund erlangt dadurch, ohne seine Elasticität einzubüssen, eine grössereWiderstandsfähigkeit gegen chemische Agentien und gegen Lösungs-mittel vnlcanisirtes Kautschuk (s. unten).

Das naturelle Kautschuk kann wegen seiner ungleichmässigen Be-schaffenheit und wegen der Beimengungen von mechanischen Unreinig-keiten und von Bestandtheilen des ursprünglichen Milchsaftes nicht directzu Kautschukwaaren verarbeitet werden, sondern muss vorher gereinigtund in geeigneter Weise vorbereitet werden. Zu diesem Zwecke wird eszunächst 12 bis 24 Stunden in warmem Wasser eingeweicht, alsdann inkleine Stücke zerschnitten und letztere werden zwischen Walzen, auf welcheWasser auffliesst, zerquetscht. Nach dem Waschen der auf diese Weisehergestellten Kautschukfetzen mit verdünnter Sodalösung und mit heissemWasser werden letztere getrocknet und schliesslich zwischen erwärmtenWalzen zu einer zusammenhängenden, gleichmässigen Masse zusammen-gedrückt. Aus dem auf diese Weise gereinigten Kautschuk werden durchAuswalzen Platten geformt, aus denen dann durch weitere OperationenKautschukgegenstände der verschiedensten Art hergestellt werden.

Da das gereinigte Kautschuk, wie bereits erwähnt, die Eigenschaftbesitzt, unter 0° hart und schon gegen 50° C. weich zu werden, so wirdhierdurch seine directe Anwendung für verschiedene Zwecke unmöglichgemacht. Verbindet man dagegen das Kautschuk in geeigneter Weisemit Schwefel, so werden nicht allein diese unangenehmen Eigenschaftenbeseitigt, sondern es erlangt, unbeschadet seiner Elasticität und Dehn-barkeit, auch gleichzeitig eine grössere Widerstandsfähigkeit gegen-