Eigenschaften der ätherischen Oele. 809
pionsäure, Buttersäure, Valeriansänre, bisweilen auch geringe Mengenvon Methyl- und Aethylalkohol.
Eigenschaften. Die ätherischen Oele bilden bei gewöhnlicherTemperatur Flüssigkeiten, deren Geruch und Geschmack dem Aroma derPflanzentheile entspricht, aus denen sie dargestellt sind. Bei starker Ab-kühlung, bisweilen auch schon bei langer Aufbewahrung bei gewöhn-licher Temperatur, scheiden verschiedene ätherische Oele (die sauerstoff-haltigen) feste, krystallinische Stoffe — Stearoptene oder Campher —ab, während ein anderer Theil derselben dabei flüssig bleibt — dasEleopten —. Bei der Destillation mit Wasserdämpfen gehen sie ohnemerkliche Zersetzung über, bei der directen Destillation erleiden einigesauerstofffreie ätherische Oele eine theilweise Polymei'isation. Die Consi-stenz derselben ist eine sehr verschiedene; während einige dünnflüssigund leicht beweglich sind (Terpentinöl, Citronenöl etc.), zeichnen sichandere durch eine gewisse Dickflüssigkeit aus (Copaivaöl, Cubebenöl etc.).
Das specifische Gewicht der zahlreichen Oele der Formel C 10 II 16oder (C 10 H 16 ) n ist niedriger als das des Wassers (0,85 bis 0,95), wogegendas specifische Gewicht der sauerstoffhaltigen ätherischen Oele sich demdes Wassers nähert, in einigen Fällen sogar noch höher als letzteres ist(Nelken -, Zimmt -, Petersilien -, Senf-, Bittermandelöl etc.). Auch der Siede-punkt liegt bei den sauerstoffhaltigen ätherischen Oelen beträchtlich höherals bei den sauerstofffreien.
Die Mehrzahl der ätherischen Oele ist ungefärbt; bei längerer Auf-bewahrung nehmen sie jedoch eine gelbliche bis braune Farbe an. Ein-zelne grün gefärbte Oele verdanken ihre Färbung einer geringen Bei-mengung von Chlorophyll, die blau gefärbten einem Gehalte eines mitWahrscheinlichkeit der Formel (C 10 II 1,! O) n entsprechenden Oeles. Nurwenige ätherische Oele zeigen Fluorescenz, wie z. B. das römischeKümmelöl, das Nigellaöl, das Salveiöl, das Neroliöl.
Im frisch bereiteten Zustande ist die Reaction der ätherischen Oelemit wenigen Ausnahmen eine neutrale. Bei längerer Aufbewahrungnehmen sie theilweise jedoch saure Reaction an. Die sauerstofffreienätherischen Oele besitzen meist Rotationsvermögen, und zwar lenken siedie Polarisationsebene bald nach links, bald nach rechts ab. Einzelne der-selben sind sogar in einer links- und in einer rechtsdrehenden Modifi-cation bekannt (Terpentin-, Citronenöl etc.). Die sauerstoffhaltigenätherischen Oele zeigen nur ein schwaches Rotationsvermögen; viele ihrersauerstoffhaltigen Bestandtheile sind sogar ohne Einwirkung auf denpolarisirten Lichtstrahl. Lichtbrechungsvermögen ist bei vielen ätheri-schen Oelen in hohem Maasse vorhanden.
In Wasser lösen sich die ätherischen Oele nur wenig auf, ohschondas damit geschüttelte Wasser Geruch und Geschmack davon annimmt.Umgekehrt sind auch die ätherischen Oele im Stande, eine kleine MengeWasser aufzulösen. Das Lösungsvermögen des Alkohols vermindert sich