Y 0 R W O R T.
Bei der Bearbeitung des vorliegenden zweiten, die organischen Ver-bindungen behandelnden Theiles dieses ausführlichen Lehrbuchs derpharmaceutischen Chemie, sind die gleichen Gesichtspunkte maass-gebend gewesen, welche mich bei der Abfassung des anorganischenTheiles desselben geleitet haben. Es war auch hier mein Bestreben,auf Grundlage moderner wissenschaftlicher Anschauung, ein möglichstübersichtliches Werk zu schaffen, welches dem angehenden Pharma-ceuten als Anhalt bei dem privaten und academischen Studium, dempraktischen Apotheker und Chemiker, sowohl als Führer bei denchemischen Arbeiten, als auch als Rathgeber dienen kann, wenn essich darum handelt, sich über diesen oder jenen, das Wissen und dieThätigkeit des Praktikers in Anspruch nehmenden Gegenstand zuorientiren. Es lag hierbei in der Natur der Sache, dass das zu diesemZwecke abzuhandelnde chemische Gebiet sich nicht mit Strenge nachder einen oder der anderen Seite abgrenzen liess, und dass daher beider Auswahl des Stoffes häufig rein praktische, die Interessen undBedürfnisse speciell des Apothekers und praktischen Chemikers be-rücksichtigende Gesichtspunkte als maassgebend erscheinen mussten.
Die moderne organische Chemie, selbst auch in ihrer Anwendungauf rein praktischem Gebiete, lässt sich jedoch nicht auf die Zu-sammenstellung einer grösseren oder kleineren Anzahl von lediglichpraktisch verwerthbaren Thatsachen beschränken, da ohne Berück-sichtigung der Theorie und ohne Beobachtung des causalen Zu-sammenhanges, in welchem die überaus zahlreichen, als organischebezeichneten Verbindungen mit einander stehen, ein richtiges Ver-ständniss des Gegenstandes von dem Anfänger und weniger Geübtendurchaus nicht erzielt wird. Es ist letzteres um so weniger der Fall,als gerade in der organischen Chemie ohne eine eingehendere Berück-sichtigung der zwischen den einzelnen Körpern und Körpergruppen