296
Kohlenoxychlorid.
Wird mit dem Einleiten des Stickoxydes in auf — 7° bis—15° erkältetes Brom fortgefahren, bis das Gas unabsorbirthindurchgeht, und die schwarzbraune Flüssigkeit dann unterguter Kühlung der Dämpfe destillirt, so geht zuerst das Ni-trosylbromür, NOBr, oberhalb 30° dagegen Nitrosyldi-bromür, N0Br 2 , von 46° Siedepunkt über. Beide sinken ineiskaltem Wasser unter, werden aber schon bei gewöhnlicherTemperatur durch dasselbe in ähnlicher Weise wie die Oxy-chlorüre zersetzt.
Oxyjodüre des Stickstoffs sind nicht bekannt.
Verbindungen des Kohlenstoffs mit Halogenen.
233. Dieselben sind in grosser Zahl bekannt, finden aberihren Platz naturgemäss unter den organischen Verbindungen,mit einziger Ausnahme vielleicht des
Kohlenoxychlorid oder Carboxyldichlorür, COCl 2 .Dasselbe bildet sich direct aus gleichen Volumen Kohlenoxyd-und Chlorgas im Sonnenlichte und ist daher Phosgen ge-nannt worden:
CO + Cl 2 = C0C1 2Zu seiner Darstellung lässt man beide Gase in vollkommenentwässertem Zustande, das Chlor in geringem Ueberschusse,durch mehrere grosse, von hellem Sonnenlichte beschieneneBallons gehen, leitet die Verbindung zur Entfernung des Chlor-überschusses durch ein mit metallischem Antimon beschicktesBohr und condensirt sie in stark abgekühlten Gefassen. DasKohlenoxychlorid ist eine farblose, leicht bewegliche Flüssigkeitvon 1,432 specif. Gewicht bei 0°, welche schon bei -}- 8° siedetund an feuchter Luft stark raucht, da sie beim Zusammen-treffen mit Wasser sich sofort mit diesem umsetzt:
C0C1 2 + H 2 0 = 2 HCl + C0 2 .Die Dampfdichte wurde zu 3,46 (theoretisch 3,42) gefunden.
Auch aus vielen organischen Verbindungen kann Kohlen-oxychlorid dargestellt werden, sehr leicht z. B., aber nichtganz rein, durch Erhitzen von 1 Theil Chloroform mit 2 1 / 2Theilen Kaliumbichromat und 20 Theilen Schwefelsäure in Gas-entwickelungsapparaten.