Druckschrift 
9 (1864) [U - Z]
Entstehung
Seite
888
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

fc

§>;

i

888

Zeugdruck.

aber selten nur aus Weiss und Roth bestehen, sondern gewöhnliehnachträglich in den weissen Stellen illuminirt werden, so dass die Me-thode des Aetzdracks mit anderen namentlich später zu erwähnendenMethoden combinirt wird. Die baumwollenen das gewebte Musterdes echten Cachemir nachahmenden Chalea z. B. werden in dieserWeise gefertigt.

Eine andere Gruppe von Artikeln entsteht durch Wegätzen einzel-ner Stellen auf Zeugflächen, die mit Berlinerblau gefärbt sind. Dadas Eisenferrocyanid (Berlinerblau) durch Aetzkali in Kaliumferrocyanid(Blutlaugensalz) umgewandelt wird und dieses löslich ist, lässt sichdurch Aufdrucken von concentrirter Kalilauge das Blau stellenweisezerstören. Es bleibt aber nach dem Auswaschen des gebildeten Blut-laugensalzes Eisenoxydhydrat zurück, so dass die geätzte Stelle gelb-braun erscheint. Um auch dies zu entfernen lässt sich verdünnteSchwefelsäure anwenden, die dasselbe löst, während bekanntlich ver-dünnte Säuren auf Berlinerblau nicht wirken, den blauen Grund desZeuges daher unbeschädigt lassen.

Es giebt noch andere Artikel, die durch Aetzen erzeugt werden,die hier genannten sind indess wohl die bekanntesten und reichen aus,da^ Verfahren zu erläutern. .

Einige entweder weniger vorkommende oder mehr in die Färbereials den Zeugdruck gehörende Methoden, die unter IL A. aufzuzählenwären, haben wir unberührt gelassen. Z. B. das sogenannte Fayence-blau wird gemacht durch Aufdrucken von verdicktem feingepulvertemIndigo und Passiren der Stücke durch Flüssigkeiten, die dessen Lösungund Beduction hervorbringen, um ihn in gelöstem Zustande auf dieFaser zu bringen, sich dort oxydiren und unlöslich feathnftend abscheidenzu lassen. Ferner die Klotzmanier, die darin besteht, dass man ver-dickte Beizen Eisenbeizen, manganhaltige Eisenbeizen u. s. w. auf-klotzt, d. h. durch die sogenannte Klotzmaschine, die aus einem Trogund zwei darüberliegenden Walzen besteht, und wovon der erstere zurAufnahme der Farbe, die letztere zur Auspressung des Ueberschussesund gleichmässigen Vertheilung des vom Zeugstück Aufgenommenendienen, auf die Zeuge bringt, und dann die Basen durch alkalische Bä-der ausscheidet, wodurch gleichmässige Grundirungen über die ganzeFläche wie durch Färben erzeugt werden. Futterperkale z. B. erfah-ren solche Behandlung.

B. Die Druckverfahren, bei welchen Farbeoperationen nicht vor-kommen, sind bei weitem einfacher als die sub A. betrachteten, sie ha-ben viel mehr Aehnlichkeit unter einander als jene, und sind nament-lich im Wolle- und Seidedruck die gebräuchlichen ja unentbehrlichen,während sie im Baumwolledruck für wenig solide, in neuerer Zeit aberfür die reichst colorirten Genres im Gebrauche sind. Es sind zu nennen:

1. Die sogenannten Tafel- oder Applicationsfarben. Diebeiden Namen sind nicht recht bezeichnend für den Vorgang. Tafel-farben nennt man sie deshalb wohl, weil zur Zeit, da noch kein Ma-schinendruck sondern nur Hand- oder Tafeldruck bekannt war, dieganze Operation sich durch Aufdrucken bewerkstelligen liess. Wennwir oben in der sogenannten Weissbodenmanier gesehen haben, dassBeizen aufgedruckt, die Farben aber aus Lösungen auf die gebeiztenStellen abgeschieden werden, so hat das Verfahren der Application nurdas Unterscheidende an sich, dass die Farben (Farbholzextracte) mit