Xanthin.
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Strahl und Lieb erkühn hatten schon früher angegeben, dassXanthin im Menschenharn normal vorkomme, welche Angabe bisherfür unrichtig gehalten ward, nun aber von Strecker für richtig er-klärt wird.
J. Davy 1 ) glaubte, dass die Excremente der Spinnen Xanthinenthalte; nach v. Gorup-Besanez 2 ) ist es Guanin. Nach Ungerund Phipson 3 ) enthalten einige Guanosorten der Insel Jarvis Xanthin.Scherer fand, dass dieser Körper ein normaler Bestandtheildes menschlichen Körpers sei, er fand ihn im Harn des Menschen, inder Pancreasdrüse, Milz und Leber des Ochsen, in der Thymusdes Kalbes, im Muskelfleisch von Pferd, Ochs und von Fischen; erfand fernerXanthin in der Milz bei Milztumor, in der Leber des Menschenbei acuter gelber Atrophie. Nach Sc her er findet sich das Xanthinbeim Pferde im Muskelfleisch (0,0026 Proc.) neben Hypoxanthin undSarkin, in denPancreas (0,0166Proc.) neben Guanin, in Milz, Leber undHirn neben Harnsäure. Almen fand in der Ochsenleber 0,0 2 Proc. Xanthin.Göbel d. Aelt. gab an, dasXanthicoxyd in verschiedenen Harnsteinenund orientalischen Bezoaren gefunden zu haben, er nannte es harnigeSäure; Göbel d. J. zeigte, dass dieser Körper aber nicht Xanthinsondern Ellagsäure sei (s. 2. Aufl. Bd. II, 3, S. 766).
Strecker stellte das Xanthin aus Guanin dar; nach Städelerist jedoch das so erhaltene Product sehr ähnlich dem Xanthicoxyd vonMarcet, aber doch nicht damit identisch; er nennt das Product daherGuanox anthin. Nach Strecker und nach Scherer sind aberbeide Körper wirklich identisch.
Die aus Xanthin bestehenden seltenen Harnsteine sind braun oderbraungelb, zuweilen auf der Oberfläche weisslich erdig, sie sind glatt,haben die Härte der dichteren Harnsteine; sie werden beim Reibenwachsglänzend; sie zeigen blätteriges Gefüge, oder bestehen aus con-centrischen Schichten und sind amorph; mit Wasser gekocht röthen sieLackmus.
Das Xanthin lässt sich aus den Harnsteinen erhalten, wenn mansie in Kalilauge oder wässerigem Ammoniak löst, die Lösung mit Koh-lensäure oder Essigsäure fällt und den weissen pulverigen Nieder-schlag nach dem Auswaschen trocknet. Das so erhaltene Xanthin bil-det harte gelbliche nach dem Reiben wachsglänzende Stückchen.
In ähnlicher Weise lässt es sich aus Jarvis-Guano darstellen(Phipson).
Zur Darstellung von Xanthin aus Pferdefleisch wird dasselbe feingehackt, mit kaltem Wasser 24 Stunden macerirt und dann abgepresst;der Rückstand wird danach auf einige Minuten in siedendes Wassergebracht, um auch noch die schwerer löslichen Bestandtheile zu extra-hiren, danach wird er schnell durch einen Seiher wieder getrennt. Diebeiden Auszüge werden, nachdem der kalt bereitete zuerst aufgekochtund dann vom Coagulum getrennt ist, mit hinreichend Barytwassergefällt, damit aufgekocht, filtrirt und eingedampft. Nach achttägigemStehen scheidet sich Kreatin krystallisirt ab, gemengt mit etwasamorphem Hypoxanthin und Xanthin, welches letztere sich durch Ab-
!) Edinb. New. Phil. Journ. Vol. XI, p. 231 et 335.
2 ) Annal. d. Chem. u. Pharm. Bd. XCIX, S. 299 u. 304.
3) Chem. News (July 1862), Vol. VI, p. 16; Chem. ? Centralbl. 1863, S. 255.
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