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Verwandtschaft, chemische.
wenn in Verbindung mit der letzteren den elastisch-flüssigen Zustand an-nimmt. Man hat auch versucht, einen Ausdruck der Grösse der Ver-wandtschaft, mit welcher flüchtige Substanzen in Verbindungen (Wasserz. B. in den Verbindungen mit Salzen) gebunden sind, auf die Betrach-tung zu gründen, bei welcher Temperatur eine solche Substanz aus derVerbindung entweicht und einer wie hohen Quecksilbersäule dabei dieSpannkraft ihres Dampfes das Gleichgewicht hält d. h. die Verwandt-schaft mit dem Druck einer Quecksilbersäule zu vergleichen *). Füralle diese Versuche liegt ein llinderniss darin, dass sie die Verwandt-schaft zweier Substanzen zu einander als eine constante Grösse be-trachten, zu deren Ueberwindung ein mehr oder minder hoher Hitzgradgenügen könne. Verwickelter wird die Betrachtung, wenn man eineAenderung der Grösse der Verwandtschaft zwischen zwei Substanzenmit der Temperatur annimmt; und diese Annahme lässt sich nach dem,wie die Wärme Verbindungen einleiten kann (vergl. S. 230 u. 236),nicht wohl abweisen.
Etwa von dem Jahre 1840 an hat man die Wärmeentwickelungenbei der Bildung von Verbindungen für eine grössere Zahl derselben zubestimmen gesucht. Die ersten Versuche in dieser Richtung ergabenManches, was später als irrig erkannt wurde; bald wurde behauptet,die Wärmemenge, welche eine und dieselbe Säure bei der Verbindungmit verschiedenen Basen entwickele, sei stets gleich gross, bald dass beider Verbindung äquivalenter Gewichtsmengen verschiedener Säurenmit derselben Basis gleich viel Wärme frei werde. In dem Maasse,als die Bestimmungen der Wärmeentwickelung genauer und weiter aus-gedehnt wurden, erkannte man für eine wachsende Zahl von Fällen, dassein Körper zu derjenigen unter mehreren mit ihm verbindbaren Sub-stanzen die grösste Verwandtschaft zeigt, durch deren Verbindung mitihm auch die grösste Wärmemenge entwickelt wird; man begann (etwaum 1844) die bei Verbindungen statthabende Wärmeentwickelung alsein Maass der chemischen Verwandtschaft zu betrachten. Vieles sprichtfür die Zulässigkeit dieser Betrachtungsweise, wenn auch zahlreichePunkte, namentlich was die Schwankungen betrifft welche für dieGrösse der Verwandtschaft zwischen denselben Körpern bei verschie-denen Temperaturen möglich zu sein scheinen, noch nicht aufgeklärtsind. Es können hier nicht specieller die Einzelbestimmungen, welchefür die Wärmeentwickelung bei chemischen Vorgängen erhalten wor-den sind, mitgetheilt werden (vergl. Wärmewirkungen bei che-mischen Vorgängen), und es lässt sich deshalb hier noch nicht inspeciellerer Weise an Beispielen zeigen, wie der eben angeführte allge-meinere Satz in einer Menge von Fällen zutrifft 2 ).
Man versteht unter Verwandts chaftsgrösse eines Körpersmanchmal etwas Anderes als die Intensität, mit welcher er einen an-
1) Vergl. Mitscherlich's Lehrb. d. Chem. 4. Aufl. Bd. 1, 1. Äbthl. S. 5G2 u. 56C.
2 ) Am Umfassendsten sind die Grundzüge eines thermochemischen Systems ent-wickelt von Thomsen, welcher von den Grundsätzen ausgeht, dass die Intensitätder chemischen Kraft in demselben Körper bei unveränderter Temperatur dieselbeist und dass die ganze durch eine chemische Wirkung erzeugte Wärmemenge einMaass für die bei dem Process entbundene chemische Kraft ist. Vgl. dessen Ab-handlungen in Poggend. Annal. Bd. LXXXVIII, S. S49, Bd. XC, S. 261, Bd. XCI,S. 83 u. ßd. XCII, S. 34; im Auszug in Annal. d. Chcm. u. Pharm. Bd. LXXXVIII,S. 141 u. XCII, S. 178, auch in Liebig u. Kopp's Jahresber. f. 1853, S. 30 u. f.1854, S. 29.