Druckschrift 
3 (1837)
Entstehung
Seite
73
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

jf

73

Synonytnc: Croton Tiglium Linne und der Schriftsteller. Deutsche: Purgir- oderGranatlll-Croton.

Vaterland: Dieser Strauch wächst an felsigen Orten auf der Küste Malabar, auf derInsel Ceylon, den Molucken, namentlich auf Aniboina, auf Java aber nur kultivirt, endlichauch in China.

Beschreibung: Blässig-grosser ästiger Strauch mit dünner aschgrauer glatter RindeUnd lichtem schwammigen Holze. Blätter gestielt; Stiele \\ 2 Z. lang, Platten ey-förmig, oder länglich-eyförmig, am Grunde zuweilen leicht herzförmig, zugespitzt, am Randemit entfernt-stehenden kleinen Sägezähnen besetzt, an der Basis neben den Blattstielen aufjeder Seite mit einer tellerförmigen Drüse; ausser der Mittelrippe durchziehen noch zwei vonihr ausgehende Seitennerven fast das ganze Blatt; feine Sternhaare zeigen sich auf beiden Seiten,stärker aber auf der untern. Grösse der Blätter höchstens 5 Z. lang, 2|-Z. breit. Blumenklein, weiss oder gelblich, eine 2 3 Z. lange endständige einfache Traube bildend, an wel-cher der kleinere obere Theil männlich, der grössere untere weiblich ist. Kelch 5-theilig,bei den weiblichen Blumen etwas länger und spitzer. Blumenkrone nur bei den männli-chen Blumen aus fünf weissen gewimperten Blumenblättchen. Staubgefässe 15. Frucht-knoten weiss, sternhaarig. Kapsel gelblich, fast kahl, lederartig, oval, stumpf, innen bräun-lich-glänzend. Sa amen oval, etwas dreiseitig, mit 2 schmälern flachen und einer breiterenconvexen Fläche, an beiden Enden stumpf, glatt, ungefähr 5 6 Lin. lang, 3 4 Lin. dick,frisch röthlich braun, alt dunkler und bestäubt werdend; die Saamenschaale dünn und zer-brechlich, innen mit einem weissen Häutchen ausgekleidet. Sa amen fest, weiss, ölhaltig.

Off. Oleum Crotonis. Das Crotonöl wird in Ostindien aus den Saamen ausgepresstund kommt von dort nach Europa, oder wird erst hier aus den Granatill-Saamen unter An-wendung von Weingeist oder etwas Wasser durch warmes Auspressen gewonnen, welcheOperationen jedoch sehr vorsichtig ausgeführt werden müssen. Es ist ein fettes, dickliches,gelbbraunes oder blassgelbes Oel von unangenehmen Geruch und sehr scharfem Geschmack,welches mit grosser "Vorsicht zu behandeln ist, da es sogleich Brennen, Entzündung im Mundeund an den Lippen, uud im Darmkanal heftige Leibschmerzen, Erbrechen, unmässige Durch-fälle erregt und mit Symptomen des Brandes den Tod herbeiführt.

Chemische Beschaffenheit: Nach Brandes Untersuchungen enthalten die Purgirkörner:17 Crotonöl mit flüchtigem Oel, Crotonsäure und einem neuen Alcoloid; 0,35Stearin; 0,3 Wachs;1 Halbharz; 2,5 färbende extractive Materie mit Schleimzucker, sauer apfelsaures Kali undKalk; 0,325 crotonsaures Alcaloid mit Farbstoff; 1,175 Gummi; 9 Gummoin; 0,3172 Eyweiss;0,7 verhärtetes Eyweiss; 0,2625 inulinartige Substanz; 0,35 Stärkemehl mit phosphorsaurerMagnesia; 5,1 verhärtetes Stärkemehl mit phosphorsaurem Kalk und Magnesia; 2 Kleber;39 Saamenhüllen und Faser dem Amygdalin ähnlich; 22 Wasser. Die Crotonsäure ist sehrflüchtig und von heftiger Schärfe, sie erfüllte die Luft mit Ekel erregendem und Schlaf brin-gendem Geruch, brachte entzündliche Anschwellungen des Gesichts und brennenden Schmerzin Augen und Schlund hervor und eingeathmet rief sie so heftige Schmerzen in der Lungeund im Unterleibe hervor, dass die Arbeit aufgegeben werden musste.

Nutzen: In seinem Vaterlande bedienen sich dieEingebornen der Körner des Purgircrotonsals eines kräftigen Abführungsmittels, jedoch sollen sie die Saamen zuerst von der ganzen Saamen-haut befreien, da in dieser besonders die Schärfe enthalten sein soll, was sich jedoch aus denVersuchen des Dr. Nimmo in Glasgow nicht erwies, welcher im Gegentheil diese Schaalen ganzunwirksam, aber im Kerne 27,5Theile einer bittern harzigen mit einer Säure vereinigten Substanz,fand, welche in Alkohol löslich, heftig abführte, während 32,5 eines darin enthaltenen fetlenGuimpefs Abbild. III. Bd. 10