Druckschrift 
2 (1833)
Entstehung
Seite
22
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

cken und Brennen des Branleweins benutzt werden und dessen Stroh in der Oekonomieso mannigfache Anwendung findet. Das Roggenmehl wird in der Medicin zur Bereitungmancher äusserlichen Mittel (wie Senfteige) oder für sich zu zertheilenden und erweichendenUmschlägen benutzt. Aufgüsse von Wasser auf geröstetes Brod geben Getränke für Krankeund Genesende. Der Brantewein dient theils als äusserlichcs Mittel, zu Waschungen u.dergl., besonders aber zur Bereitung des Spiritus vinireclificatus und reclificatissimus (Alco-hol vini), welche wiederum zur Bereitung der Verschiedenen Spiritus und anderer Präparate.so mannigfache Anwendung finden.

Erklärung der Kupfertafel 119. Eine ganze hl'dliende Pflanze in not. G.J a) ein Aehrchen im Anfangedes Blühens; b) ein Staubbeutel aufgesprungen; o) ein Aehrchen nach dem Blühen; d) die Blumen-spelze ; c) die Spitze der Innern Blumenspelze; {) das Pistill; g) ein Perigonialblälichen, alles mehroder weniger vergr.; h) eine Caryopse ganz und i) dieselbe längs durchschnitten in nat. Gr.

Secale cornutum.

Synonyme: Secale cornutum und Clavus Seealis als oflicinelle Benennungen; Scle-rotium Clavus Decandolle, Spermoedia Clavus Fries, Benennungen, wenn es als ein Pilzangesehen wird. Deutsche: Mutterkorn.

Beschreibung: Das Mutterkorn ist eine monströse Ausbildung der Caryopsen des Rog-gens (Secale cereale L.), wodurch dieselben nicht nur in ihrem äussern Ansehen, Gestalt undFärbung, sondern auch in ihrem Innern, in ihren Bestandteilen, Eigenschaften und Wir-kungen durchaus verändert werden. Bis jetzt giebt es eine Menge verschiedener Meinun-gen über das Wesen dieser Erscheinung, welche wir bei vielen Gräsern und einigen Halb-gräsern wahrnehmen. Aber die specielle Ursache, welche die Bildung des Mutterkornshervorruft, ist uns in neuerer Zeit bekannter geworden, da Leveille gefunden hat, dasssich auf dem noch unentwickelten Fruchtknoten ein kleiner Pilz erzeugt, welchen er Spha-celia segetum nennt. Er erscheint als eine weiche, klebrige, anfangs fast flüssige, ge-faltete, unregelmässig gestaltete, fast hautartige Masse, mit rundlichen, zerstreuten Sporenauf dein anfangs nur als ein schwärzlicher Punkt erkennbaren Fruchtknoten, der nun inseiner Eniwickelung krankhaft aber schnell vorschreitet, sich über die Grunze seiner ge-wöhnlichen Form und Dimension erhebt, aus den Spelzen hervorragt, und zuweilen denerregenden Pilz noch als ein kleines, schmutzig-gelbes Köpfchen auf sich trägt. Im völligentwickelten Zustande ist das Mutterkorn länglich, \ 1 Zoll lang, etwas cylindrisch,nach unten und ,oben verschmächtigt, sonst ungleich dick, bald gerade, bald etwas, baldhakenartig gekrümmt, mit einer Längsfurche (welche auch die Caryopse hat), oder auchmit mehreren versehen; von Farbe dunkel-violett oder schwärzlich, mit aschfarbigem An-flug an manchen Stellen, innen schmutzig-weiss und besteht aus Zellgewebe, welches nachdem Umfange kleiner und gedrängter erscheint.

Off.: Secale cornutum. Das so eben beschriebene Mutterkorn wird aus derAehre genommen und aufbewahrt, es zeigt getrocknet keinen Geruch, aber einen etwasscharfen und unangenehmen Geschmack.

Chemische Beschaffenheil': Das Mutterkorn enthält nach Vaucquelin einen blass-gelben, in Alcohol auflöslichen, wie Fischöl riechenden Färbestoff; eine ölige Substanz;einen violetten Farbestoff, unauflöslich in Alcohol und leicht anwendbar auf Wolle und