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Suppl.- Bd (1822)
Entstehung
Seite
35
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Geschlechts Kennzeichen. Die Geschlechter befinden sich auf einer und der nämlichen «pflan-ze und sind halbgetrennt. Die männliche Blum« hat einen fünfmal eingeschnittenen Kelch,eine fünfblältrige Krone und L bis »5 auch mehrere Staubfäden, welche am Grunde verwachsenund mit rundlichen oder länglichen Staubbeuteln gekrönt sind. Die weibliche Blume hat einenviclblältrigen Kelch und keine Krone, drei zweispaltige Griffel mit 6 oder mehreren Narben. DieKapsel ist dreifächrig; ein jedes Fach enthält nur einen Saamen.Gehört zur 2,. Klasse und zur 9. Ordnung.

Der Stengel dieser Pflanze ist krautartig, und wird , bis 2 Fuß hoch; er trägt rau,tenkörmige ausgeschweifte Blatter, un> abwärts hängende Früchte. Diese jährige Pflanzewächst in der Levante und in mehreren Ländern von Süd Europa wild, und wird in der Gegendvon ^lautpsljier in dem Dorfe (-rsnä QnrlnrZu«,» gebauet. Die Blätter und Stengel ent-halten einen blauen Fa'rbestoss, die Einsammlung derselben im Juli muß sehr eilfertig betriebenwerden, weil sie nur frisch den Farbestoff geben. Die Pflanzen werden zerflossen, der dunkel-grüne Saft ausgepreßt, und in demselben reine leinene und wollene Lappen getunkt. Wann sichdiese recht voll gesogen haben, so hängt man sie so lang über faulenden, mit ungelöschten Kalk ver-mischten Urin, bis sie eine blaue dunkeloiolette Farbe angenommen haben. In diesem Zustandeheißen sie Lakmußfieckchen (toumeznl en 6r»pek,u) welche man an die Kaufieute zu Nantes!»Ii«r verkauft.

Fn den mildern Klimaten Deutschlands siet man den Saamen im Frühjahre an der be-stimmten Stelle ins Land, und in nördlichen Gegenden in ein lemperiUcs Mistbeet, aus welchensie hernach, wenn keine Fröste mehr zu fürchten sind, an eine sonnenreiche Stelle in Gärten ge-vstanzel werden können; noch besser aber gedeihen die Pflanzen, wenn man sie bis zur Saa»mcnreise im Beete stehen lassen kann. Noch D. Schwedin« er soll in ihnen ein chemischesReagens enthalten seyn. Seine Wirkung auf den menschlichen Organismus ist draßtisch und gif-tiger Art.

Die meisten Säuren färben die Lakmüs Tinktur rolh, die Alkalien ab« grün. Daher derGebrauch um die von Natur verschiedenen Salze zu erforschen.

Die blaue Paste dieser Pflanze ^.«cc» onerule» riecht zuweilen veilchenartig, vielleichtwegen der Violenwurz, welche man hinzu mischt, um den harnartigen Geruch zu verbergen, unddas Gewicht zu vergrößern.

Bei Verkostung derselben mit der Zunge färbt sie dm Speichel veilchenblau, und erregt Bren-nen im Runde.

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