270
^/ 5 0 S.
wir schon im ersten Bande dieses Werkes gesprochen haben. — Nur muß ich hier noch«rinnern, daß mit diesem Mittel, im gemeinen leben, ein häufiger und schändlicherMißbrauch getrieben wird, wodurch oft schon der größte, nicht mehr zu verbessern«de Nacktheit an der Gesundheit verursacht wurde. Es ist nehmlich in einigen Haushal-tungen Sitte, immer einen Vorrath von gewissen shcils selbst componirten, theils voneinem Quacksalber gekauften Essenzen oder Tropfen zu haben, die besonders bey gestör-ter Verdauung und um etliche l eibcsöjfnungen zu erhalten, genommen werden; ja sie sindgewöhnlich bey was immer für einer Form des Uebelbesindens, oder bey dem ersten An-fange irgend einer Krankheit, bey einem Glied der Familie, auch das erste Arzneymit-tel, das, noch bevor ein Arzt gerufen wird, der Patient einnehmen und versuchen muß.Da nun diese Arzneyen, nebst andern geistigen und reizenden Substanzen, immer auchAloe und zwar in großer Quantität enthalten: so wird man leicht einsehen, daß ein sostarkes und heftig wirkendes Gemisch, in den genannten Fallen, ohne auf die Constitu-tion des Kranken, auf die Natur der Krankheit selbst und andere Nebenumstä'nde diegehörige Rucksicht zu nehmen, oft das Uebel, anstatt zu erleichtern, dasselbe ver-schlimmer», und im Anfange einer entzündlichen oder inflammatorischen Krankheit, nichtselten unwiederbringlichen Nachtheil verursachen muß.
Wir benutzen die Aloe ferner, um den Boden der Schiffe vor Seewür-mern zu verwahren. Ein Engländer auf den Bermudischen Inseln machte dieseglückliche Entdeckung Z); er sah nehmlich, daß die ursprünglichen Einwohner, zum Aus-bessern ihrer Schiffe, die Aloeblätter mit Oehl und Talg gekocht, gebrauchten. Diemerkliche Bitterkeit dieser Pflanzen, welche Eigenschaft den Würmern, wie er wußte,überhaupt schädlich ist, trieb ihn an, einige von den Einwohnern zu bewegen, die Zu-that von Aloe zu vermehren. Er gab auf den Erfolg genau Acht, und dieser war sei-nem Wunsche vollkommen entsprechend; denn er merkte, daß da, wo die Aloe vermehrtworden war, die Würmer abnahmen. Hierdurch wurde er aufgemuntert einen Versuchmit der Aloe allein zu machen. Er sägte ein Stück Eichenholz von einander, welchesetwa vier Fuß lang, und zwey breit war, und bestrich ein jedes mit Talg, Teipen-ihm und Bleywciß, in gleichen Theilcn, doch so, daß er bey dem einen zwey UnzenAloe mit dazu gebrauchte. Er versenkte beyde vermittelst eines Gewichtes, in gleicherTiefe in Seewasser, wo die Würmer sehr zahlreich waren, und ließ sie fünf Monateliegen. Nach Verlauf dieser Zeit zog er sie wieder heraus, und sah, daß das ganzeStück, welches zugleich mit Aloe war bestrichen worden, vollkommen gesund, das an.
3) Gentleman'« UgFÄLln«, von»Inlius, a. d. Jahr »7Z4, Eeite2>4, und Ottob.
1757, Seite 4HZ.