SABADILLA
963
den nun zerstossen und mit 20 Pfund Wasser, das '/_> Unze Weinsäureenthält, bis zur Hälfte der Flüssigkeit eingekocht. Man macht danneine zweite Abkochung mit derselben Wassermenge, die nur 2 Drach-men Säure enthält, bis zu 6 Pfd. flüssigen Rückstandes. Man presstgut aus und dampft zur Syrupsconsistenz ab. Man mischt nun diedurch Digestion erhaltene Flüssigkeit hinzu, concentrirt etwas undsetzt nach und nach unter Umrühren ein Pfund concentrirtes Ammoniakhinzu. Nach 5 Tagen sammelt man den Absatz auf einem Filtrumund lässt gut abtropfen. Die braune Flüssigkeit wird wieder zur Sy-rupsconsistenz abgedampft und die Hälfte Ammoniak in kleinen Por-tionen zugesetzt. Nach 2 Tagen trennt man den Niederschlag, ver-einigt ihn mit dem ersten, zerreibt ihn schwach ausgetrocknet mit %Unze reiner Thierkohle und zieht mit Alkohol aus.
Das Veratrin ist beinahe farblos, harzartig, hart und spröde. Eshat einen scharfen und brennenden, aber nicht bittern Geschmack. Esist geruchlos, sein Staub erregt aber in der kleinsten Menge ein sehrheftiges Niesen. In kaltem Wasser ist es unauflöslich, von kochendemerfordert es 1000 Th. In Alkohol ist es leicht, in Aether wenigerleicht, unter Mitwirkung der Wärme auch in Terpenthinöl auflöslich.In der Hitze schmilzt es und kann nach Mbrk vollständig sublimirtwerden. Es reagirt alkalisch und neutralisirt die Säuren zu scharfund brennend schmeckenden Salzen. Nach Couerbe ist das VeratrinC 34 H 43 N 2 0« = 3544,48 (N 3 H« + C*»H w O s ), und besteht hiernachaus 71,247 Kohlenstoff; 7,570 Wasserstoff; 4,850 Stickstoff und 16,394Sauerstoff.
Nach Codbrbb lässt sich dieses officinelle Veratrin in 4 besondereSubstanzen zerlegen, die aber wohl nur eine und dieselbe im verschie-denen Zustande der Reinheit seyn könnten. Was er Sabadillinnennt, wird dadurch erhalten, dass das aus der schwefelsauren Auflö-sung durch kohlens. Natron gefällte Veratrin mit Wasser ausgekochtwird, worin sich das Sabadillin auflöst und beim Erkalten herauskry-stallisirt. Nach Versuchen von Simon scheint aber das Sabadillin nichtsAnderes zu seyn, als eine Verbindung von harzsaurem Natron mit harz-saurem Veratrin; löst man es nämlich in mit Schwefelsäure angesäuer-tem Wasser auf und schlägt durch Aetzammoniak im Ueberschuss nie-der, so erhält man reines Veratrin.
Das Veratrin gehört zu den schärfsten Giften, bringt Tetanushervor und tödtet. In der Nase erregt es das heftigste Niesen, imMunde häufigen Speichelfluss und in den Magen gebracht Erbrechenund Durchfall. Wegen dieser heftigen Wirkungen des Veratrins erfor-dert selbst die äusserliche Anwendung der gepulverten Sabadillsaamen,zum Aufstreuen auf den Kopf gegen Läuse, Vorsicht, wenn sich hiernämlich offene Stellen finden.
61*