Druckschrift 
1 (1828) Einfache Mittel
Entstehung
Seite
839
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

I'imacetuln

839

Kraut, Blumen und Saamen haben einen stark balsamischen campher-artigen Geruch und bittern gewürzhaften Geschmack; ätherisches Oel ist inallen Theilen der Pflanze enthalten.

Der wäßrige Aufguß der Blatter ist bräunlich, und wird durch Eisen-auflösung dunkelgrün. Das wäßrige Extract ist braun und sehr bitter. Diegeistige Tinctur ist dunkelgrün. Der Auszug der Blumen ist, nicht sehr ge-sättigt, gelbgrün.

Prof. Frommherz (Geiger's Magazin 1824. October. S. 35,) hat«ine sehr genaue chemische Untersuchung des Rainfarrns und zwar über da«Kraut, die Blumen und die Saamen besonders, angestellt.

Die Blätter mit Wasser destillirt gaben an ätherischem Oele ^,. An-dern Erfahrungen zufolge soll ^^7 erhalten werden.

Eine andere Menge frischer Blätter wurde mit kochendem Alkohol von0,847 spec. Gew. bis zur Erschöpfung behandelt Die dunkelgrüne Tinctursetzte nach dem Erkalten keine Flocken ab. Der durchs Abdampfen erhalteneRückstand ward hierauf mit siedendem Wasser ausgezogen, und die wäßrigeFlüssigkeit abfiltrirt. Der in Wasser unlösliche Rückstand besaß alle Eigen-schaften des harzigen Blattgrüns oder Chlorophylls. Die wäßrige Flüssigkeithatte eine dunkelbraune Farbe, keinen oder nur einen faden Geruch und ei-nen bittern herben Geschmack. Neutrales essigs. Blei erzeugte einen gelbenNiederschlag, welcher abgesondert wurde. Die Flüssigkeit wurde durch Hy-drothionsäure von dem überschüssigen Blei befreit und dann abgedampft, wo-durch flüssiger Zucker (Schleimzucker) erhalten wurde. Der durch essigs. Blei-oxyd gebildete Niederschlag wurde ausgewaschen, in Wasser suspendirt unddurch Hybrothiongas zersetzt. Die Flüssigkeit über dem erzeugten Schwefel-blei wurde einige Zeit an die Luft gestellt, um die Hydrothionsäure zu ent-fernen. Sie röthete das Lackmuspapier stark, und schmeckte sauer adstrin-girend. Zur Trockne verdampft mit Alkohol von 34 ° B. behandelt, erhieltman eine gelblichbraune Tinctur. Ein Theil freiwillig an der Luft verdun-stet gab keine Krustalle > der andere Theil gab mit essigs. Blei einen hellgel-ben Niederschlag, welcher sich in Salpetersäure wieder auflöste. Kalkwasserbis zur Neutralisirung zugesetzt färbte die Flüssigkeit dunkler, ohne daß sichjedoch ein Niederschlag bildete. Alkohol zu diesem Kalksalze gesetzt, bewirkteaugenblickliche Trübung, und nach einigen Minuten schieden sich vielebräunliche Flocken ab. Berzelius giebt dieses Verhalten als charakteristischfür die Aepfelsäure an; der Verf. erklärt also die hier vorgefundene Säurefür Aepfelsäure. Die Substanz, welche die Aepfelsäure braun färbte, warein Antheil des sogleich vorkommenden Bitterstoffs und Gerbcstoffs. Derdurch kalten Alkohol nicht gelöste Rückstand von der abgedampften Flüssig-keit besaß die charakteristischen Eigenschaften des eisengrünenden Gerbestoffs.

Das durch Zersetzung des Niederschlages mittelst Hybrothionsäurc erhal-tene Schwefelblei hatte eine dunkelbraune Farbe, woraus sich schon auf dieGegenwart einer organischen Substanz schließen ließ. Ausgewaschen und mitkochendem Alkohol ausgezogen ließ die erhaltene Tinctur beim Verdampfen