416 Il^äriu^rum ox^ntuin rubrum prae^aratum
die angegebene Art oxydirt, wobei aber die Hitze nicht zu sehr gesteigertwerde» mußte, weil eine zu große Hitze die bereits eingegangene Verein!»gung des Quecksilbers mit dem Sauerstoffe wieder aufhebt, und das Queck»silberoxyd reducirt- Das auf diese Art erhaltene rothe Quecksilberoxyd wurdefür sich niedergeschlagenes Quecksilber (Mercuiius praeoipi-tlitu» per »e) genannt.
Wenn nun auch durch dieses Verfahren ein völlig reines Oxyd erhal-ten wird, so wird es doch seiner langen Dauer und seiner Kostspieligkeitwegen nicht angewendet, sondern nur das auch von der Pharmakopoe vor-geschriebene. Hiezu wird reines Quecksilber in reiner, von Salzsäure freierSalpetersäure in der Siedehitze aufgelöst, zu welchem Zwecke die Sal«petersäure in kleinen Portionen so lange hinzugefügt wird, bis alles Queck»silber aufgelöst ist. 2 Th. Quecksilber erfodern gewöhnlich nicht mehr als8 Th. Salpetersäure von 1,200 bis 1,25» spec. Gew. Die Auflösung wirdhierauf in einer porcellanenen Schale bis zur Trockne verdampft, und daserhaltene trockne Salz mit einem gleichen Gewichte Quecksilber, als auf-gelöst worden, so lange zusammengerieben, bis alle Quecksilberkügelchenverschwunden sind, wobei man das Gemenge von Zeit zu Zeit mit etwasbestillirtem Wasser befeuchtet. Die gleichförmige Masse trocknet man aneinem mäßig warmen Orte aus, bringt sie in einen Tiegel oder in eineoffene Retorte, und erhitzt diese, bis sich aus der beinahe bis zum Roth»glühen erhitzten Retorte kein Geruch von Stickstoffoxydgas mehr verbreitet,«der keine rothen Dämpfe mehr entweichen, indem sich auf Kosten der Luftwieder salpetrige Säure erzeugt. Es kommt hiebet darauf an, den gehöri»gen Hitzgrad anzuwenden, damit es keine Salpetersäure zurückhalte, unddoch auch nicht reducirt werde; wird daher ein an die Mündung der Re«torte gehaltener glimmender Spahn entzündet, so ist es die höchste Zeit dieOperation abzubrechen, weil schon Sauerstoffgas entweicht. Gewöhnlichwird ein großer Werth darauf gesetzt, dieses Oxyd krystallisirt zu erhalten.Dieser Zweck wird am besten dadurch erreicht, daß man das trockne salpe»tersaure Quecksilbersalz in einen Tiegel legt, der zwischen vorher zum Glü»hen gebrachten Kohlen so gestellt wird, daß der geringe Luftzug nur einschwaches Feuer während des Verbrennens der Kohlen erlaubt. Der Tiegelmuß bedeckt werden, wodurch nämlich die rechte Temperatur besser getroffenwird, und die Masse eher davon durchdrungen werden kann. Je langsa»mer die Erhitzung vor sich geht, um so besser wird das Ansehn des Prä»parats, und es ist dabei nöthig, daß sich die Hitze an der Oberfläche desTiegels nicht zu der Stärke erhebt, daß das Oxyd reducirt wirb. Doch istdas rothe krystallinische Ansehen noch kein Beweis von der Reinheit desPräparats, welches auch bei der schönsten Krystallisation noch ein wenigSalpetersäure enthalten kann. Eben so wenig beweist die mehr gelbe Farbedes auf gewöhnliche Weise bereiteten Oxyds, daß es unrein sey, indem dasQuecksilberoxyd durch Reiben zum feinen Pulver immer diese Farbe erhält.
Die Bildung des Quecksilberoxydes durch das obige Verfahren beruht