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1 (1855)
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Chemische Verbindungen und ihreNomenklatur.

Wenn sich zwei oder mehrere Grundstoffe chemisch ver-einigen, so entsteht ein zusammengesetzter Korper, einechemische Verbindung. Die Zahl der chemischen Verbin-dungen ist eine ausserordentlich grosse. Ein und dieselbe hatoft mehrere Namen, mit welchen man sie, je nach den Umstän-den unter denen man sie entdeckte, so wie nach ihren Eigen-schaften, oder nach den Grundsätzen der verschiedenen An-sichten über chemische Verbindungen f belegte. Calomelist z. B. der empirische Name des Quecksilberchlorürs, welcheletztere Benennung dagegen eine rationelle genannt wird,weil sie den Grundsätzen eines chemischen Systems ent-spricht. Hydrargyrum chloratum mite ist theils eine ratio-nelle, theils (wegen mite) eine empirische Benennung.

Zusammengesetzte Körper, welche in chemischer Hin-sicht ein den Grundstoffen gleiches Verhalten zeigen und wiediese analoge Verbindungen einzugehen vermögen, nennt manzusammengesetzte Radikale, zum Unterschied von denGrundstoffen, Elementen, den einfachen Radikalen. DasAethyl ist z. B. ein aus Kohlenstoff und "Wasserstoff zusam-mengesetztes Radikal, welches wie ein Grundstoff mit Chlor,Jod, Sauerstoff etc. Verbindungen eingehen kann.

Die chemischen Verbindungen lassen sich im Allgemei-nen in zwei grosse Abtheilungen bringen, nämlich in orga-nische und unorganische. Zu den organischen werdenalle diejenigen gerechnet, welche die Erzeugnisse des Lebens-prozesses der Thiere und Pflanzen sind, oder welche ausdiesen durch den Lebensprozess entstandenen Erzeugnissenauf künstlichem Wege dargestellt werden, z. B. Cyan, Stär-kemehl, Aether, Benzoesäure, Essigsäure. Die constituiren-den Grundstoffe dieser Abiheilung sind vorzugsweise: Koh-lenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff.

Eine genaue Abgrenzung und Definition ist kaum mög-lich. So wie organische Verbindungen mit anorganischenKörpern fernere Verbindungen eingehen, so giebt es auch