Von dem Seitenstechen. 109
Der erste Aderlaß, insonderheit wenn er be»trächtlich ist, vermindert fast allezeit den Stichund vertreibt ihn oft ganz. Nach Verlauf voneinigen Stunden aber kömmt er gemeiniglich wie-der, entweder an derselbigen oder bisweilen aneiner andern Stelle. Diese letztere Veränderungist sehr vortheilhaft, hauptsachlich wenn derSchmerz, der zu Anfange unter der Warze sichäusserte, sich nach den Schultern, dem Rücken,dem Schulterblatts, oder dem Genicke hinziehet.
Wenn der Schmerz sich gar nicht, oder nurwenig vermindert, oder wenn er, nachdem er sichvermindert hatte, eben so heftig als das erste mahlwiederkömmt, insonderheit wenn dieses an der-selbigen Stelle geschiehet, und die übrigen Zufälleauch eben so heftig fortdauren, so muß man denAder/aß wiederholen. Wenn aber die Vermin-derung des Stichs anhält, wenn er von Zeit zuZeit nur schwach und in den eben bemeldten Thei»len wiederkömmt, wenn die Geschwindigkeit oderHarte des Pulses uud alle übrige Zufälle abge-nommen haben, so kann man ihn bisweilen unter-lassen. Doch ist es klüger gehandelt, bey einemstarken vollblütigen Menschen denselbigen vorzu»nehmen. Er kann nichts schaden, hingegen läuftman bisweilen große Gefahr, wenn man ihn ver-säumt. In schweren Fallen wiederholt man ihnoft; es sey dann, daß man in der Beschaffenheitdes Kranken, entweder in seinem Alter, oder ineinigen andern Umständen, eine Hinderniß finde.
Wenn