290 Dritter Abschnitt. Arsenigsaures Natron gegen Jodlösung.
in einem sehr starken, weithalsigen Glase, damit man beim Wägen mitdem Löffel ins Glas kommen kann. Den Pfropf verbinde man mit star-kem Papier, bezeichne das Glas mit grosser Schrift auf auffallend ge-färbtem Papier und zum Ueberfluss noch mit einem in die Augen fal-lenden Zeichen, Todtenkopf oder Kreuz, kurz man sorge dafür, dassnicht durch Versäumniss von Vorsichtsmaassregeln, die in eines JedenGewalt liegen, eine Verwechslung möglich werde, welche sehr ernst-liche Folgen haben könnte. Namentlich wird man das Glas nicht ineinem offenen Repositorium stehen lassen, sondern unter Schloss be-wahren.
Zur Darstellung der Normalflüssigkeit stellt man das geöffnete Glaseine Nacht unter eine Glasglocke mit Chlorcalcium und wägt dann aufeiner genauen Wage auf einem Schiffchen von einer der Länge nachgesprengten Glasröhre die nöthige Menge ab.
Das Atomgewicht des Arsenikmetalls ist 75 ; dazu kommen 3 AtomSauerstoff = 24, so dass das Atomgewicht der arsenigen Säure 99 ist;zu einer Zehend-Lösung würden also 9,9 Grm. genommen werden müs-sen. Da aber die arsenige Säure (As0 3 ), um in A»\seniksäure (As0 5 )überzugehen, 2 Atom Sauerstoff aufnimmt., so müssen wir, um einesolche Flüssigkeit zu erhalten, von der 1 Litre Vio Atom Sauer-stoff aufnimmt oder abgiebt, die Hälfte der obigen Zahl nehmen , also4,95 Grm.
Es ist dies, so lange das Atomgewicht nicht geändert wird, dieunveränderliche Normalzahl der arsenigen Säure für Zehend-Normal-ttüssigkeit. Man wäge also 4,95 Grm. reiner trockener arseniger Säureab, bringe sie ohne Verlust in eine kleine Kochflasche und giesse eineklare Lösung von chemisch reinem kohlensaurem Natron hinzu. Die-ses Salz muss in jedem Falle auf seine Reinheit von schwefligsauremoder unterschwefligsaurem Natron geprüft werden. Man fügt ihmStärkelösung zu und dann einen Tropfen Jodlösung. Es muss sogleicheine blaue Farbe entstehen. Sollte das kohlensaure Natron dieser Be-dingung nicht entsprechen, so möchte es Aufenthalt veranlassen, wennman es erst reinigen wollte. Ich ziehe dann vor, das doppelt kohlen-saure Natron anzuwenden, welches diese Salze nicht enthalten kann.Reste von schwefelsaurem Natron oder Chlornatrium schaden nicht. MitStärke und Jodlösung wird es augenblicklich blau. Man gebe ungefähr10 Grm. doppelt kohlensaures Natron hinzu und erhitze, bis sich diearsenige Säure unter Aufbrausen zu einer ganz klaren Flüssigkeit Ge-löst hat.
Anfänglich schwimmt das Pulver in kugelförmigen Massen auf derFlüssigkeit, welche aber bald bei zunehmender Wärme verschwinden.Die klare Lösung giesst man in eine Litreflasche, welche schon etwasdestillirtes Wasser enthält, spült reichlich die Kochflasche nach, fülltendlich unter Beobachtung der Normaltemperatur bis zur Marke amHalse der Flasche an und vermischt durch heftiges Schütteln.