Fünftes Capitel. Die alkalimetrische Operation selbst. 47
zu entfernen, dann saugt man aus, wodurch gewöhnliche Luft in dieFlasche hineintritt. Es muss jetzt die Menge der zu viel zugesetztenSäure bestimmt werden. Man kann dies mit einer in Zehntel-CC. ire-theilten Bürette oder Pipette thun.
Da die Operation sehr schnell vor sich geht, so nehme ich häufigdiePipette von 10 CG. (Fig. 42, S. 27). Man saugt aus der Natronflascheauf, bis über 0, schliesst die Pipette mit dem an den Lippen befeuchte-ten Finger und lässt bis 0 ablaufen. Jetzt bringt man die Pipette überdie Kochflasche, hält die Spitze hinein bis durch den Hals und lässt ein-laufen, während man mit der linken Hand umschwenkt. Wenn durchdie ersten Tropfen gar keine blaue Färbung entsteht, so ist viel Säureim Ueberschuss und man kann etwas stärker laufen lassen. Sobald aberdie hineinfallenden Tropfen immer grössere blaue Stellen machen, lässtman tropfenweise fallen und schüttelt zwischen jedem Tropfen um. Esentsteht gegen Ende der Sättigung ganz kurz eine violette Nuance, diebeim nächsten Tropfen in Blau übergeht. Man liest nun die verbrauch-ten CC. an der Pipette ab und notirt sie. Da das Alkali sich mit derSäure Volum gegen Volum sättigt, so zieht man die verbrauchten CCAlkali von denen der Säure ab und erhält dann die CC. Säure, welchevon der zu untersuchenden Substanz gesättigt worden sind. Darausberechnet man nun die Menge der Substanz, deren Natur man schonvorher kennt. Es wird durch diese Operation nicht erkannt, ob manNatron oder Kali vor sich habe, sondern nur wie viel Natron oder Kali,wenn man anderweitig weiss, dass es nur Natron oder Kali ist. DasTitriren ist also ein Wägen und die Wage giebt auch nur die Mengedes Chlorsilbers, des schwefelsauren Baryts an, wenn man sicher weiss,dass es diese Körper sein müssen. Einen unbekannten Körper zu wägenhat am Ende der Analyse keinen Sinn.
Die Berechnung- der Körper geschieht in diesem Werke nach einembestimmten Princip, nämlich nach Atomgewichten, welche immer inganzen Litren enthalten sind.
Die Probesäure enthält 1 Atomgewicht = 63 Grm. Kleesäure imLitre. Dieses Litre sättigt also von jedem Alkali ebenfalls ein Atom inGrammen ausgedrückt, folglich von kohlensaurem Kali 69,11 Grm., vonkohlensaurem Natron 53 Grm., von Aetzkalk 28 Grm. u. s. w. Arbei-tet man mit 100 CC. = >/ 10 Litre, so wird diese Menge auch i/ig AtomAlkali, in Grammen ausgedrückt, sättigen, folglich von kohlensauremKali 6,911 Grm., von kohlensaurem Natron 5,3 Grm, von Aetzkalk2,8 Grm. Wenn man also 100 CC. Probesäure in die Bürette einfüllt,so würden diese bei chemisch reinen Stoffen, die man zu l / lfl Atom-gewicht abgewogen, ganz verbraucht werden und jedes CC. würde1 Proc. der chemisch reinen Substanz vorstellen. Ist aber die Substanznicht rein, so braucht man weniger als 100 CC. und die wirklich ge-brauchten CC. stellen die Procente an chemisch reiner Substanz vor.Für Fabrikanten und für solche Geschäfte, worin sich dieselbe Arbeit