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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Entwickelung des Knochen-, Haut- und Muskel Systems.

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nach oben zu jederseits die Aortenbögen aus, nachdem bereits im Abdominal-theile des Embryo die beiden primitiven Aorten zu einer Aorta ver-schmolzen sind. Diese Aortenbögen sind nun zuerst jederseits einer, dannkommt ein zweiter und dann ein dritter. Zwischen diese Aortenbögenund das äussere Blatt der Keimhaut lagert sich Substanz ab, so dass zubeiden Seiten drei Schienen entstehen und zwischen denselben Spalten(Figur 91 und 92 v). Da diese Spalten den Kiomenspalten der Fischeentsprechen und sich auch beim Fischembryo in die Kiemenspalten um-wandeln, so hat ihr Entdecker Rathke sie mit dem Namen der Kiemen-Spalten belegt. Später hat Reichert ihnen den Namen der Visccral-spalten gegeben, und dieser Name hat im Allgemeinen den Vorzug erhalten,weil eben der Embryo der höheren Wirbelthierc zu keiner Zeit Kiemenoder auch nur Andeutungen derselben hat. Die Schienen nun, welchezwischen den Spalten liegen, bezeichnet man mit dem Namen der Visceral-bögen, und diese spielen nach den Untersuchungen von Reichert einewesentliche Rolle bei der Entwickelung des Gesichtsschädels.

Der oberste enthält nach Reichert die Anlage für den Hammerund den Amboss und ausserdem die Anlage für den Ober- und den Unter-kiefer. Er spaltet sich in seinem vorderen Thoil in zwei Stücke, in einoberes und in ein unteres. Das obere Stück ist die Anlage für den Ober-kiefer und bildet den oberen Theil des Gesichtes zusammen mit einemFortsatze, der von der Stirngegend des Embryo herunterwuchert, und denwir mit dem Namen des Stirnfortsatzes bezeichnen (Figur 91 und 92/).Wir haben geschon, dass in einer frühen Periode auch beim mensch-lichen Embryo das Auge wie bei den Thieren seitlich liegt. Nun wachsendie oberen Branchen des ersten Viseeralbogens unter dem Auge hin undder Stirnfortsatz wächst zwischen den beiden Augen nach abwärts; dabeiaber dehnt sich das Gehirn mit den rückwärtigen Bedeckungen weiteraus, und in Folge dieses Wachsthums werden die beiden Augen, die frühermehr seitlich lagen, mehr nach vorn gebracht. Sie haben also ein Stadium,wo von vorn gesehen die beiden Augen sichtbar sind, wo sie aber jeder-seits noch seitlich zwischen dem Stirnfortsatzc und der oberen Abtheilungdes ersten Viseeralbogens eingeschlossen liegen, dann werden sie zugleichmit den sie zunächst umgebenden Thcilen weiter nach vorn gewendet.Die beiden Viseeralbögen wachsen näher aneinander, der Stirnfortsatzwächst weiter herab: indem beider Grenzen verschmelzen, bildet sich ausder oberen Hälfte des Viseeralbogens jederseits der Oberkiefer, aus demStirnfortsatze die Nase.

Gleichzeitig gehen entsprechende Veränderungen in der Tiefe vor,indem von beiden Seiten eine Scheidewand hercinwächst, die das spätereGaumendach darstellt, und von oben und hinten nach unten und vorneeine Seheidewand herunterwächst, die den Vomer und die knorpeligeNasenscheidewand darstellt. Jetzt ist noch ein weiter Spalt vorhanden,der die zukünftige Nasenhöhle mit der Mundhöhle verbindet. Dieser Spaltmacht, wenn er offen bleibt, den sogenannten Wolfsrachen. Vom Stirn-fortsatz wächst, nachdem er das Material zur Nase hergegeben, noch einHautlappen herunter, der die beiden Hautlappen zur Vereinigung bringt,die mit der oberen Hälfte des ersten Viseeralbogens herüberkommen, unddiese drei Stücke bilden mit einander die Oberlippe. Wenn die eine oderdie andere der Verbindungen des Mittelstückes mit den Seitenstücken oder

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