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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Theorie der Tonempfindungen.

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dieselbe Periode haben -wie ihr Eigenton. Wenn ich also eine Eeihevon mittönenden Körpern habe und pendelartige Schwingungen, so tönenmir diejenigen Körper hörbar mit, welche in ihrem Eigentone dieselbePeriode haben wie die pendelartigen Schwingungen. Wenn aber dieSchwingungen nicht pendelartig sind und deshalb zerlegt werden könnenin eine Eeihe von pendelartigen Schwingungen, dann tönen auch die an-deren Körper mit, deren Eigentöne diesen Zerlegungsproducten, wenn ichmich so ausdrücken darf, der ursprünglichen Klangmasse entsprechen.

Wir kommen hier zu dem Unterschiede zwischen Ton und Klang.Unter einem Ton, oder, genauer gesagt, unter einem einfachen Ton ver-stehen wir eine Folge von pendelartigen Schwingungen, unter Klang ver-stehen wir aber ein Wellensystem, welches keine pendelartigen Schwin-gungen zeigt, das aber zerlegt werden kann in Systeme von pendelartigenSchwingungen, in einzelne Töne, und diese Töne sind für unseren Fallder Grundton, der von der Sehwingungszahl n, und die harmonischenObertöne, das heisst die Töne von den Schwingungszahlen 2 n, 3 n, inu. s. w.

Nun denken Sie sich, es befänden sich in unserem Ohre auch der-gleichen mittönende Körper, und diese stünden in Verbindung mit Nerven-fasern, und zwar jeder mit anderen, so wird, wenn ein reiner Ton vonpendelartigen Schwingungen unser Ohr trifft, eine Gruppe von Nervenfasernstark erregt werden, die Fasern, die in Verbindung stehen mit demjenigenTheile, der stark mittönt. Andere werden noch schwach erregt werden,weil die mit ihnen zusammenhängenden Theile noch schwach mittönen,die übrigen aber werden nicht erregt werden. Wenn aber an unser Ohreine Klangmasse gelangt, die mittönende Körper zerlegen müssen in ver-schiedene Systeme von pendelartigen Schwingungen, dann wird nicht nureine Gruppe von Nervenfasern, es werden verschiedene Gruppen von Ner-venfasern erregt, und die verschiedenen Tonempfindungen werden im Be-wusstsein eben zu der Empfindung eines Klanges zusammengesetzt. Das,was wir Klangfarbe nennen, ist das Kesultat des Grundtones in der Zu-sammensetzung mit seinen verschiedenen Obertönen, es ist die Modification,welche der Grundton durch das gleichzeitige Erklingen der Obertöne er-fährt. Wenn wir einer Melodie nachgehen, so folgen wir mit unseremOhre den Bewegungen des Grundtons nach aufwärts und abwärts. Da-neben aber geht etwas Anderes her, daneben unterscheiden wir die Qua-lität des Tones und auch die qualitativen Veränderungen des Toneswährend des Singens, und diese qualitativen Veränderungen des Tones be-ziehen sich auf den Wechsel der harmonischen Obertöne, welcher ent-steht, je nachdem sich die Klangfarbe der Stimme beim Heraufgehen oderbeim Heruntergehen der letzteren verändert.

. Es scheint, dass die Verschiedenheit zwischen musikalischen undnichtmusikalischen Menschen, das heisst zwischen solchen, die musikalischeAnlage haben, und solchen, die keine besitzen, auf der Art und Weiseberuht, wie sie die Tonempfindungen auffassen, und davon abhängt, welchenEindrücken sie mit ihrer Aufmerksamkeit folgen. Die musikalischenMenschen folgen wesentlich den Bewegungen des Grundtones, und dieseprägen sieh ihrem Gedächtnisse ein. Die niehtmusikalischen richten ihreAufmerksamkeit mehr auf die Klangfarbe, für diese ist ein Ton, wenner eine andere Klangfarbe hat, etwas Anderes, etwas Neues; sie unter-