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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Inneres Ohr.

spiralis membranacea getheilt wird. Nun hat aber Reissner noch eineweitere Membran entdeckt, Figur 68 r r, welche von der Lamina spiralisossea schräg durch die Scala vestibuli verlauft und sich an die äussereWand des Schneckcnkanals ansetzt. Sic heisst nach ihm. die Reissner'seheMembran. Der Querschnitt des Schneckcnkanals ist also nicht blos inzwei Abtheilungen, in die Scala tympani und Scala vestibuli, getheilt,sondern dazwischen liegt eine dritte Abtheilung, die auf Kosten der altenScala vestibuli gebildet ist und den Namen Canalis cochlearis oder Scalamedia führt.

Gerade in dieser Abtheilung liegen alle diejenigen Gebilde, welchein neuerer Zeit das Interesse besonders in Anspruch genommen haben.Vor einer Reihe von Jahren entdeckte Corti, dass sich auf der Laminaspiralis membranacea oigenthümlichc zelligc Gebilde befinden, die in Reibenangeordnet sind, welche den Spiralen Windungen der Schnecke folgen.Davon waren besonders zwei elastische Gebilde auffallend, welche nachArt eines Dachfirstes gegeneinander gestemmt waren, ein massiverer Theil,Figur 68 a, welchen man in neuerer Zeit mit dem Namen des Steges,und ein dünnerer, schlankerer Theil, Figur 68 b, den man in neuerer Zeitmit dem Namen der Saite bezeichnet hat. Ausserdem liegen danebennoch mehrere Arten von Zellen, die zum Theil von Corti schon gekanntwaren, zum Theil erst von späteren Beobachtern beschrieben wurden undmit den Namen der inneren (d) und der äussern (c c c) Corti'schcn Zollen,der Deiter'schen Zellen (c, e ej, der Claudius'sehen Zellen (g), der innerenund äusseren Bodcnzcllen (hh), des innern Epithels (l 11) u. s. w. benanntwerden. Das ganze Gebilde in seinem Zusammenhange wurde mit demNamen des Corti'schcn Organs bezeichnet. Dasselbe ist überdeckt voneiner streifigen Membran, die den Namen der Corti'schcn Membran führt(siehe Figur 68 kk). Diese Membran ist beim Meerschweinchen, demdie nach A. von Winiwartcr entworfene Figur entnommen ist, wenigentwickelt, beim Menschen dagegen viel mehr, und Einzelne glaubensogar, dass sie hier die ganze Zcllenmasse, welche auf der Lamina spiralismembranacea aufliegt, überdeckt und mit der äusseren Wand in Ver-bindung steht. Auf Durchschnitten springt sie immer ab, zieht sichzurück und schnellt in die Höhe, so dass man ihre wahre Endbefestigungnicht mit Sicherheit darstellen kann. Die Fasern des Gehörnerven tretenbekanntlich in den Modiolus der Schnecke ein und weichen von dort ausin Schraubcngangform radial auseinander, um in die Lamina spiralis osseaeinzutreten. In der Lamina spiralis ossea bilden sie Ganglienkugcln,Figur 68 q q, so dass dadurch eine korkzioherförmige Zone von solchen,die sogenannte Zona ganglionaris, entsteht. Dann gehen die Fasern weiter,durchbohren die Lamina spiralis, treten zum Theil an die Zellen des aufder Innenseite des Steges liegenden inneren Epithels und endigen hiernach Waldeyer, indem sie sich mit den inneren Corti'schen Zellen ver-binden ; zum Theil aber gehen sie zwischen den einzelnen Corti'schcnStegen hindurch und setzen sich mit den äusseren Corti'schcn Zellen inVerbindung. Hier scheint der eigentliche Angriffspunkt der Gehörswahr-nehmungen zu sein, hier scheinen die Erschütterungen erfolgen zu müssen,von welchen der Gehörnerv angeregt wird.