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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Inneres Ohr.

in drei fast senkrecht aufeinander stehenden Ebenen, die mit merkwürdigerRegelmässigkeit fast durch die ganze Wirbelthierreihe hindurchgeht, zu einemsolchen Gedanken Veranlassung gibt. Nichtsdestoweniger lässt sich dar-thun, dass diese Idee unbegründet ist. Inwieweit wissen wir denn über-haupt, woher der Schall kommt? Wir wissen es, insoweit wir wahr-nehmen , dass wir mit dem rechten oder linken Ohre stärker hören,weiter nicht. Man verbinde einem Menschen die Augen und halte ihmeine tickende Uhr in der Medianebene bald vor die Stirn, bald über denScheitel, bald vor das Kinn oder hinter den Hinterkopf und frage, wosich die Uhr befinde. Allerdings gibt er häufig ihren Ort richtig an, aberhäufig auch unrichtig. Wenn wir aber eine unmittelbare Wahrnehmungvon der Richtung, aus welcher der Schall kommt, hätten, müsste der Ortder Uhr unter allen Umständen richtig angegeben werden, was nicht derFall ist. Es zeigt aber auch schon die Erfahrung des gewöhnlichen Lebens,dass wir keine directe Wahrnehmung von der Richtung haben, aus welcheruns der Schall zukommt. Worauf beruhen die Künste der Bauchredner? Wasthut der Bauchredner? Er kann nichts Anderes, als seine Sprache mit seinemKehlkopfe und seinen Mundwerkzeugen hervorzubringen, er kann die Schall-quelle nicht an einen andern Ort verlegen, aber er verändert den Ton seinerStimme, er spricht einmal, wenn er sich selbstredend einführt, mit demlauten und hellen Tone seiner Stimme, dann dämpft er den Ton, er ver-schleiert ihn und sucht zugleich die Vocale und die Consonanten hervorzu-bringen, ohne dass er die Lippen bewegt, oder wenigstens so, dass er dieLippen möglichst wenig bewegt, um uns nicht merken zu lassen, dass er esselbst ist, der spricht. Dadurch, dass er den Ton der Stimme dämpft, glaubenwir, dass die Laute aus einem andern Räume herkommen, und der Bauch-redner deutet auf einen bestimmten Ort hin und macht uns glauben, dasssich dort ein Individuum befinde, mit dem er sich unterhält.

Auch bei den gewöhnlichen Kinderspielen, bei den Versteckspielen,bei denen gerufen oder gepfiffen wird, um ein Zeichen zu geben, zeigtsich, dass wir lieine directe Wahrnehmung von der Richtung haben, ausder der Ton kommt, abgesehen von der Wahrnehmung, die uns darauserwächst, dass wir einmal mit dem einen, das andere Mal mit dem an-dern Ohre stärker hören.

Wir kennen bis jetzt überhaupt gar nicht mit Sicherheit eine Be-ziehung der Bogengänge als solcher zum Hören, wir kennen aber eineBeziehung der Bogengänge zu dem Gefühle vom Gleichgewichte des Kör-pers. Ich erinnere hier an die Versuche von Flourens und seinenNachfolgern, welche wir, als wir von der Physiologie des Gehirns han-delten, ausführlich besprochen haben. Es ist dabei ausdrücklich gesagtworden, dass beim Anschneiden, ja beim Zerstören der Bogengänge dieThiere nicht taub geworden seien, während sie beim Zerstören derSchnecke taub wurden.

Ehe wir weiter die Rolle des inneren Ohres beim Hören erörtern,muss ich noch Einiges über den Bau desselben bemerken. Es sind inneuerer Zeit einige früher unbekannte Thatsachen eruirt worden. DieAeste des N. vestibuli, welche zum häutigen Labyrinthe gehen, sind hierbis in gewisse epitheliale Gebilde verfolgt worden, ohne dass bis jetztbei Säugethieren und Menschen die Art und Weise ihrer Endigung mitSicherheit bekannt wäre. Vom häutigen Labyrinthe selbst nun gab man