Druckschrift 
2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
Entstehung
Seite
201
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Refracl ionsanomalinn.

201

Das bleibend progressiv kurzsichtige Auge ist das schlechteste vonallen. Es ist/ das kurzsichtigste schon in der Jugend, der Fernpunkt liegtnach dem von Dondors gegebenen Schema (s. Figur 46) zwischen6 und 8 Zoll, der Nahepunkt bei 2 2 / u Zoll. Der Nahepunkt rückt nochheran in den Jünglingsjahrcn, später rückt er hinaus mit schwindenderAccommodation. Der Fernpunkt rückt mit zunehmenden Jahren heran. Erist mit 60 Jahren auf 2 2 / 3 Zoll herangerückt und nähert sich dann all-mälig noch mehr. Dies sind die Augen, in denen sich Staphyloma posti-cum und Gesichtsschwäche in Folge beginnender Netzhaut-Atrophie aus-bildet, und die häufig im hohen Alter ganz erblinden.

Ausser diesen verschiedenen Formen von Kurzsichtigkeit, die Folgendes Baues des Auges, der Krümmungshalbmesser der brechenden Flächenund der Länge der Augenaxc sind, gibt es noch eine erworbene Kurz-

Fig. 45.10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80

2

»Vii

2 2 k

«Vi3

33/ 7

4

±%

6

81224

24

V

\

■

\

*JP

,-•

y

\

|

!

sichtigkeit, oder richtiger eine angewöhnte Kurzsichtigkeit. Diese beruhtdarauf, dass Leute, die schon in ihrer Jugend viel in der Nähe arbeiten,Gymnasiasten, die viel Texte mit kleiner Schrift lesen, Stickerinnen, diesehr feine Arbeiten machen, zuletzt das Vermögen verlieren, ihren Accom-modationsapparat vollständig zu entspannen. Sie lassen ihr Auge dauerndfür die Nähe eingestellt, sie wissen nicht mehr, wie sie es machen sollen,um ihr Auge so weit für die Ferne einzurichten, dass sie es für denwahren Fernpunkt, der der Gestalt der optischen Medien und der Tiefedes Auges entspricht, einstellen.

Es fragt sich, was soll man mit einem kurzsichtigen Auge thun ?Mit was für einer Brille soll man ihm nachhelfen ? Es ist gelehrt worden,man solle ein kurzsichtiges Auge auf ein normales Auge corrigiren, mitanderen Worten, man solle ihm dauernd ein Brillenglas vorlegen, das mitseinem Auge zusammen ein optisches System bildet, welches im Zustande