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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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ßefracl ionsanomalien.

worden ist. Mit 60 Jahren ist er nach unserer Tafel normal auf mehrals 24 Zoll hinausgerückt, eine Entfernung, in der man nur noch grossoSchrift lesen kann, und in der es ganz unmöglich ist, feinere Arbeitenauszuführen. Später rückt er hinaus bis in die unendliche Ferne undkann im hohen Alter bis über die unendliche Ferne hinausgerückt sein,das heisst das Auge bringt dann häufig nur noch schwach convergirendcStrahlen zur Vereinigung.

Um das fünfzigste Jahr herum oder früher wird also ein normalesAuge einer Brille bedürfen. Es bedarf natürlich einer Convexlinse, diedie Strahlen weniger divergirend macht, so dass Strahlen, die sonst ersthinter der Netzhaut zur Vereinigung gekommen wären, nun in derselbenzur Vereinigung kommen.

Eine andere Frage ist es, wie früh soll man einem solchen Pres-byopischen eine Brille geben. Dies soll man dann thun, wenn er findet,dass er nicht mehr wie sonst dauernd und ohne Anstrengung ohne Brillelesen kann. Bei den Laien herrscht ein Vorurthcil gegen die Brillen.Sie sagen, wenn sie einmal eine Brille nähmen, so müssten sie dann zuimmer stärkeren übergehen. Sie wollten ihr Auge nicht verwöhnen u. s. w.Dass die Betroffenen eine immer stärkere Brille nehmen müssen, istrichtig: das rührt aber nicht von der Brille her, sondern davon, dass dieLeute immer älter werden. Durch den Gebrauch der Brille wird mander unnützen Anstrengungen, die man behufs Accommodation zu machengenöthigt ist, überhoben; schon hierin liegt ein Vorthcil und- überdiesbraucht man nicht mehr die Objecto in so grosser Entfernung vom Ä.ugezu halten, erhält dadurch und durch die Wirkung, welche das Brillen-glas selbst auf die Lage des hinteren Knotenpunktes ausübt, grössereNetzhautbilder und erzielt somit einen Gewinn, dem gegenüber man sichden Lichtvcrlust durch die zweimalige Beflexion am Brillenglasc gefallenlassen kann. Nicht selten kommt es vor, dass solche Presbyopische, dielängere Zeit gewöhnt waren, in grösserer Entfernung zu lesen, wenn sieeine Brille bekommen und die Objecte dem Auge nun näher halten alsfrüher, sich beklagen, dass die Brille sie anstrenge, dass sie Schmerzenin der Supraorbitalgegend, Schwindel bekommen, dass sie schliesslichdoppelt sehen u. s. w. Das rührt davon her, dass sie gewohnt waren,Alles in grösserer Entfernung zu betrachten und daher sich entwöhnten,ihre Gesichtslinien stärker convergiren zu lassen. Jetzt, wo sie wiederstärker convergiren sollen, macht ihnen die Contractiori der Recti intorniAnstrengung, verursacht ihnen Ermüdung und die oben erwähnten Be-schwerden. Diesem kann man dadurch, dass man die Brillen nicht centrirl,abhelfen. Wenn man vor jedes Auge ein Prisma von kleinem Winkellegt, so dass die brechenden Kanten der Prismen nach der Schläfcnsoitcgewendet sind, also die dicken Seiten der Prismen nach der Nasenseite,so ist es klar, dass die Strahlen, die zu den beiden Augen von einemnäheren Punkte kommen, durch die Prismen so abgelenkt werden, alswenn sie zu den Augen von einem entfernteren Punkte kämen. Wennich mir also diese Prismen mit Sammellinsen vereinigt denke, so kannich mit einer Convcrgenz der Schaxcn, die sonst nur für fernere Objectogeeignet ist, nähere Objecte einfach sehen. Eine solche Vereinigung einesPrismas mit einer Linse ist sehr leicht herzustellen. Man braucht nur einGlasstüek convex schleifen zu lassen, gross genug, um zwei Brillengläser